Am ersten Maiwochenende noch keine Gottesdienste in Plettenberg

Gottesdienste in Zeichen von Corona: Wie gehen die Kirchengemeinde damit um

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Die Kirchenbänke – hier die Christuskirche – werden in Plettenberg auch am 1. Mai und in den folgenden Tagen unbesetzt bleiben. Die heimischen Kirchengemeinden erklären unter anderem, dass bis dahin nicht alle nötigen Maßnahmen ergriffen werden könnten.

Plettenberg – Auch in NRW sollen sich Gläubige ab dem 1. Mai wieder zu Gottesdiensten und Gebeten versammeln dürfen. Doch die heimischen Pfarrer haben ernste Sorgen und Vorbehalte – und bremsen die von der Landesregierung geschürten Erwartungen auf einen frühen Gottesdienststart.

In einem Brief informierte Bischof Franz-Josef Overbeck am Freitag die Gläubigen im Bistum Essen über die Lockerungen, auf die sich die Kirchen und Religionsgemeinschaften in Nordrhein-Westfalen mit der Landesregierung verständigt hatten. Eine Rückkehr zur Normalität sei dies jedoch noch nicht.

Die Vereinbarung der Bistümer mit der Landesregierung sieht deutliche Einschränkungen durch Hygieneregeln und Abstandsgebote vor, zum Beispiel maximale Besucherzahlen für jede Kirche, Abstands-Markierungen in den Bänken, getrennte Ein- und Ausgänge oder Einbahn- Regelungen für Laufwege. Ordner sollen in den Gotteshäusern dafür sorgen, dass diese Regeln eingehalten werden. Zudem sollen sich Priester möglichst vor dem Austeilen der Kommunion die Hände desinfizieren und auf den individuellen Dialog mit den Gläubigen beim Überreichen der Hostie verzichten.

Pfarrer Schnell

Schon vor Bekanntgabe durch das Bistum hatte sich Pfarrer Patrick Schnell von der Katholischen Kirchengemeinde St. Laurentius gegenüber der Heimatzeitung zu dem Thema geäußert. Den Wunsch vieler Gläubiger wieder in den Kirchen Gottesdienste feiern zu können, teile er: „Mir fehlen die Gottesdienste auch.“ Andererseits sorgt er sich um das damit verbundene Ansteckungsrisiko. „Ich persönlich halte es für zu früh“, sagt der Pfarrer. „Ich mache mir Sorgen um die Menschen, für die das Virus besonders gefährlich ist.“

Denn die meisten Gottesdienstbesucher gehörten zur Hochrisikogruppe. In der Pressemitteilung des Bistums bittet Bischof Overbeck daher „Gläubige, die zu den sogenannten Risikogruppen gehören – also beispielsweise ältere Menschen mit Vorerkrankungen – vorerst weitgehend auf die Teilnahme an Gottesdiensten zu verzichten“. Wer sich krank fühle oder Krankheits-Symptome verspüre, solle in jedem Fall dem Gottesdienst fern bleiben.

Overbeck erwartet, dass Gottesdienste unter diesen Bedingungen bei vielen Gläubigen „für Irritationen sorgen werden und die Gottesdienste selbst vielleicht nicht die Kraft entfalten können, die wir von diesen Feiern gewohnt sind“, schreibt er und ergänzt: „Enttäuschungen werden sich in der aktuellen Situation kaum verhindern lassen.“

Zentrale Vorgaben gibt es nicht, stattdessen sollen die Pfarreien vor Ort nach den jeweiligen Gegebenheiten entscheiden, wie und ab wann Gottesdienste gefeiert werden können. Aufgrund der aufwendigen und personalintensiven Maßnahmen sei nicht zu erwarten, dass bereits am ersten Mai-Wochenende wieder in allen Pfarreien flächendeckend Gottesdienste gefeiert werden könnten. Auch Pfarrer Schnell sagt, dass man erst im Team der Pfarrei besprechen müsste, wie sich dies umsetzen ließe.

Pfarrer Hirschberg

„Wir haben alle eine große Sehnsucht nach Gottesdiensten und der Gemeinschaft. Die fehlen uns sehr“, sagt Pfarrer Andreas Hirschberg von der Evangelischen Kirchengemeinde Plettenberg. Mit der Wiederaufnahme der Gottesdienste wolle man aber nichts überstürzen. „Wir machen das nicht übereilt“, sagt Hirschberg.

Nach jetzigem Stand geht Pfarrer Andreas Hirschberg davon aus, dass die evangelische Kirchengemeinde zu Christi Himmelfahrt, also am 21. Mai, wieder einen Gottesdienst feiern könne: „Wir machen es lieber etwas später, aber in Ruhe und mit guter Planung.“ Man müsse nämlich erst ein Hygienekonzept entwickeln, wobei man sich an den Maßgaben des Evangelischen Kirchenkreises Lüdenscheid-Plettenberg orientieren werde.

Superintendent Majoress

Dieser hatte am Freitag mitgeteilt, dass entgegen der Pressemitteilungen des Landes NRW die Wiederaufnahme von Gottesdiensten in den Gemeinden des Kirchenkreises frühestens am 10. Mai möglich sein wird. Je nach örtlicher Gegebenheit könne das auch erst zu einem späteren Zeitpunkt geschehen, etwa zu Pfingsten oder später.

„Die Presbyterien müssen für die Durchführung von Gottesdiensten ein Hygiene- und Abstandskonzept entwickeln und die notwendigen Materialien anschaffen“, heißt es in der Mitteilung von Superintendent Klaus Majoress. An den Ein- und Ausgängen der Kirchen müssten Desinfektionsspender vorgehalten und Sitzmöglichkeiten mit einem Abstand von mindestens 1,50 Meter in alle Richtungen gekennzeichnet werden. „Laufwege und Abstandsregularien sind sicher zu stellen. Mundschutzmasken sind zu besorgen“, heißt es weiter. „Aufgrund der notwendigen Vorbereitungen und aus Sicherheitsgründen zum Schutz der Menschen wird es vorher keine Gottesdienste geben.“

Um die Einhaltung der Abstandsregelungen sicher zu stellen, müssten je nach Kirche die Zahl der Besucher und Sitzplätze reduziert werden. Die Hygiene- und Abstandsvorschriften gelten auch für Amtshandlungen und Trauerfeiern in den Kirchen und den Friedhofskapellen. Darüber, wann es wieder erste Gottesdienste geben wird, würden die jeweiligen Kirchengemeinden informieren.

Bülent Cakmak

Wann und in welcher Form in der Plettenberger Moschee wieder gebetet werden kann, weiß Bülent Cakmak, Vorsitzender des Türkischen Kulturvereins, nicht. „Wir hatten erwartet, dass zum 4. Mai eine Lockerung kommt.“ Nun habe man das vorgezogen. Aber es gebe noch keine Informationen oder Anweisungen, wie Gebete unter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelungen durchgeführt werden können.

Da nicht so viele Personen zusammenkommen sollten, sei es schwierig zu entscheiden, wer die Moschee betreten darf und wer nicht. Da Muslime beim Beten mit dem Kopf den Boden berühren, sieht Cakmak eine Ansteckungsgefahr. „Ich weiß noch nicht, wie es jetzt funktionieren soll.“

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