"Wir klagen auf hohem Niveau"

Plettenberg: Geschäftsführer Güde analysiert Lage aus Unternehmersicht

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Unternehmer Lutz Güde sieht Plettenberg positiv.

Plettenberg - Er ist Geschäftsführer der Güde GmbH, ist nach dem Abitur in der Welt viel herumgekommen, hat in Hamburg und München gelebt und in Asien studiert. „Trotzdem bin ich heute hier. Und so schlecht ist es hier gar nicht“, sagte Lutz Güde bei seinem Vortrag, den er am Dienstag vor dem Haupt- und Finanzausschuss hielt.

In dritter Generation leitet der 36-Jährige die 1948 in Plettenberger gegründete Firma Güde, eine Spezialfabrik für Schrauben- und Wellensicherungen. „Wir dürfen 70 Mitarbeiter beschäftigen“, betonte Güde, der auch auf ein halbes Dutzend Beschäftigte mit Behinderung verwies. „Die verdienen bei uns genau so viel wie alle anderen auch“, sagte Güde, dessen Mitarbeiter übertariflich bezahlt werden, Zuschüsse für die KiTabetreuung, fürs AquaMagis und Fitnessstudio bekommen und seit sechs Jahren auch eine betriebliche Altersversorgung haben. Eine betriebliche Krankenkasse und ein Bike-Leasing sind laut Güde derzeit in Planung. Das Unternehmen, das speziell „performte Unterlegscheiben“ produziert, die wirkungsvoll verhindern, dass sich Schrauben lockern, exportieren 60 Prozent der Artikel.

Zu den Großkunden zählt beispielsweise die chinesische Bahn, so Güde, der den Umsatz seit 2012 um mehr als 50 Prozent steigerte auf nun 20 Millionen Euro im Jahr. Aktuell erweitert man sich im Köbbinghauser Industriegebiet. Doch Güde sprach nicht nur über das Familienunternehmen, sondern analysierte auch die Stärken und Schwächen der Stadt Plettenberg.

„Wir haben hier ein tolles Kita-Angebot für Kinder, viele Spielplätze und sind eine kinderfreundliche Stadt“, befand der junge Familienvater. Der P-Weg, die tolle Natur und ein mittlerweile ampelfreier Weg zur Autobahn seien weitere Vorteile. „Ich finde es gar nicht so schlecht hier“, fand Güde. Auch im Sinne seiner auswärtigen Geschäftspartner würde er sich bessere Straßen, Hotels und Restaurants in Plettenberg wünschen. „Ob man die Innenstadt noch mal zum Leben erwecken kann, ist fraglich. Das ist so, als wenn ich heute einen Schreibmaschinenladen aufmachen“, so Güde angesichts des stetig wachsenden Internethandels. In der amerikanischen Großstadt Cleveland habe er nicht mal mehr Schuhe kaufen könne. „Bestellen Sie die bei Amazon“, sei ihm geraten worden. Immerhin führe das dazu, dass „shoppen gehen“ heute kein Standortfaktor mehr sei. Hoffnung mache aber der Modepark Röther. Wünschenswert wäre laut Güde auch eine Aufwertung der Oestertalsperre. Und die Industrie warte auf die Elsetalentlastungsstraße. „Sonst bekommen wir die Herscheider Straße nie saniert“, so Güde. 

Was den Mangel an Gewerbeflächen angeht, sah er angesichts der Dura-Schließung eine Chance für einen großen Gewerbepark an der Königstraße.

Bürgermeister Ulrich Schulte und alle Fraktionsmitglieder fanden den Vortrag aus Unternehmersicht sehr erfrischend und hilfreich, um einen anderen Blickwinkel auf die Dinge zu bekommen. „Wir sollten so etwas öfter machen, um die Schwächen besser von außen zu sehen“, befand CDU-Fraktionschef Heiko Hillert abschließend.

So sieht der Jungunternehmer die Stadt


Stärken

- Viele Arbeitsplätze 

- Kinder-/familienfreundlich (Kitas, Schulen, Vereine) 

- genug bezahlbare Grundstücke 

- Natur, P-Weg 

- Infrastruktur (Radwege, Nähe Autobahn, Radwege, AquaMagis) 

- Bürgernähe des Bürgermeisters 

- hohe Kaufkraft

Schwächen

- Infrastruktur (Qualität der Straßen, Internet) 

- Innenstadt 

- Hotel, Restaurants

Potential

- Modepark Röther 

- Talsperren (siehe Entwickung an Sorpe, Bigge, Möhne) 

- Nähe zu größeren Städten 

- attraktive Veranstaltungsorte (Schützenhalle, Stephansdachstuhl, Waterkant) 

- Elsetalentlastungsstraße 

- politisch kurze Wege

Bedrohungen

-Kampf um Facharbeiter 

- Integration von Neubürgern 

- Ärztemangel 

- Mangel an Gewerbeflächen 

- fehlende Coolness 

- Finanzlage der Stadt

Fazit

- Jammern auf hohem Niveau 

- Feste werden gut angenommen 

- Investoren mit Kapital binden 

- auf Profis hören 

- kurze Wege nutzen

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