Geistliche und Gläubige setzen auf digitale Gebete

Kirche und Corona: Gemeinschaft trotz Distanz

+
Die Gemeinden setzen auf digitale Angebote in Zeiten von Corona.

Plettenberg – In Zeiten von Corona wird der Glaube wieder bei vielen Menschen in den Fokus gerückt. Viele Gläubige suchen in Krisensituationen Halt, den sie im Besuch eines Gottesdienstes oder eines gemeinsamen Gebetes finden. Aktuell sind jedoch alle Gotteshäuser geschlossen. Wie geht es jetzt weiter?

Die Evangelisch-Landeskirchliche Gemeinschaft Plettenberg-Holthausen (LKG) ist sehr gut vorbereitet. Am Mittwoch lief die erste Online-Andacht über den eigenen Youtube-Kanal. „Unsere Gemeindemitglieder bekommen schon lange einen digitales Gemeindebrief per Mail. In dieser Mail ist seit dieser Woche auch der Link enthalten, der zur Andacht führt“, erklärt Gemeindepastor Johannes Westhoff. In der Gemeinde habe man schon länger überlegt, so etwas einzurichten. „Jetzt haben wir es endlich auch mal umgesetzt“, so Westhoff erleichtert, dass er seine Gemeindemitglieder auf diesem Wege gut erreichen könne.

Obwohl das Gemeindehaus am Lehmweg erst einmal geschlossen bleiben müsse und auch die Veranstaltungen für die kommenden Wochen abgesagt sind, ist er positiv gestimmt: „Über das Internet können wir viele Menschen erreichen“, erklärt er, dass zusätzlich zur Mittwochsandacht immer sonntags eine Predigt online übertragen wird. Erst einmal spricht Westhoff alleine ein, eventuell würden auch noch weitere Gemeindemitglieder mit ins Boot geholt. Auch ein sogenanntes Gebet „7-12-7“ wird regelmäßig per Mail verschickt, dass dann immer passend zum Glockenschlag morgens mittags und abends gebetet werden kann. 

„Es geht dabei um das Gemeinschaftsgefühl, dass wir auch ohne uns zu sehen gemeinsam beten können“, so Westhoff. 

Dieses Gefühl macht auch dem Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde, Patrick Schnell, Mut in dieser Krise. Er habe die Idee des 19-Uhr-Gebets an seine Gemeindemitglieder weitergegeben. „Jeden Abend um 19 Uhr zünde ich eine Kerze an und bete – ob das Vaterunser oder ein anderes Gebet, das ist völlig egal“, erklärt er den Gedanken. Man würde sich auch auf Distanz im gemeinsamen Gebet zuhause fühlen und das rate er auch den Gemeindemitgliedern, die momentan Halt im Glauben suchten: „Nehmen Sie sich Zeit für Gott und verbringen Sie – solange es möglich ist – gemeinsame Zeit mit der Familie“, appelliert er. Er verweist auch auf die Fernsehmessen, die sonntags über die verschiedenen Sender ausgestrahlt würden: „Auch wenn es sicherlich keine neuen Aufzeichnungen gibt, werden sicher Messen aus dem Archiv gezeigt“, vermutet Schnell. Die Idee, eigene Messen per Videobotschaft zu halten, sei da, aktuell hänge man aber noch etwas mit der Technik hinterher. Patrick Schnell sei in diesen Tagen dennoch sehr zuversichtlich, dass diese Zeit auch eine Zeit der eigenen Ideen sei. „Es werden sicherlich noch viele kreative Vorschläge gemacht“, ist er sich sicher, wie auch ohne Kirchgang Gemeinschaft erfahren werden könne. 

Er ruft außerdem dazu auf, in diesen Tagen besonders auf andere zu achten und Solidarität zu zeigen, wo diese möglich ist. Uwe Brühl, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde, will die Homepage in Corona-Zeiten noch mehr bestücken als sonst. Neu ist ein Mittagsgebet, dass er diese Woche eingestellt hat und immer mit dem Glockenschlag um 12 – natürlich auch zu anderen Zeiten – gebetet werden könne. „Wir denken auch gerade darüber nach, einen Podcast einzustellen und darüber Andachten oder Ähnliches zu halten“, erklärt der Pfarrer. 

Ebenfalls würde er über die Homepage auf eine Andachts-App verweisen, die die Evangelische Kirche unterhält. „Aktuell können wir leider keine Gottesdienste oder häuslichen Besuche anbieten, sind aber per Telefon und Mail für seelsorgerische Fälle weiterhin erreichbar“, erklärt Brühl. Wie es mit der Konfirmation, die für den 26. April im Kalender steht, aussieht, sei noch nicht klar. 

„Wir müssen die Entwicklungen jetzt erst einmal abwarten. Was nach den Osterferien kommt, können wir jetzt noch nicht voraussehen“, ist er ebenfalls wie alle anderen ungewiss gestimmt. Moschee geschlossen Ebenso wie die Kirchen ist derzeit auch die Moschee an der Bahnhofstraße geschlossen. Auf Anweisung der Ditib-Zentrale wird heute – ebenso wie schon letzte Woche – das Freitagsgebet in der üblichen großen Gruppe ausfallen. „Eine sinnvolle Entscheidung“, sagt der örtliche Ditib-Vorsitzende Bülent Cakmak. „Wenn nicht mehrere Personen gleichzeitig an einer Stelle zusammenkommen sollen, dann können wir dieses Risiko nicht eingehen.“

 Das ist auch der Grund, warum der Plettenberger Ditib-Verein noch einen Schritt weitergegangen ist. Seit Sonntag sind die Türen der Moschee verschlossen. Keine Treffen, kein Tee mehr auf unbestimmte Zeit. „Ich habe ja – vor allem nach der Absage des Freitagsgebetes – mit negativen Reaktionen gerechnet“, berichtet Cakmak. „Aber es hat keiner gemeckert. 

Die Leute haben die Lage verstanden.“ Viele seien dennoch schockiert, wie das öffentliche Leben zurzeit eingeschränkt werden muss. So geht es auch Bülent Cakmak selbst. „Ich fühle mich noch immer wie in einem Traum, der hoffentlich bald vorbei ist.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare