Stallpflicht für Geflügel

Geflügelpest: Hobbyzüchter müssen Hühner im Stall lassen

Hühner dürfen nicht mehr ins Freie.
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Seine Hühner darf Raphael Spreemann aufgrund der Geflügelpest derzeit nicht mehr ins Freie lassen.

Um die Ausbreitung der Vogelgrippe in Nordrhein-Westfalen einzudämmen, müssen Geflügelzüchter zusätzliche Schutzmaßnahmen treffen. Züchter Raphael Spreemann erzählt, was nun zu tun ist.

Plettenberg/Finnentrop – Hühner hält Spreemann bereits seit seiner Kindheit, mit dem richtigen Züchten hat er 1996 begonnen, das sind nun auch schon 25 Jahre. Spreemann ist Mitglied im Kleintierzuchtverein W 741 Lenhausen und Umgebung, dem sowohl Züchter aus Finnentrop als auch Plettenberg angehören. Spreemann selbst wohnt in Fretter und arbeitet Plettenberg. Post vom Kreisveterinäramt hat er wegen der Geflügelpest – so wird die Vogelgrippe auch genannt – ebenfalls bekommen, allerdings vom Kreis Olpe. Die Anweisungen darin unterscheiden sich nicht von denen, die seine Plettenberger Vereinskollegen wegen des Vogelgrippefalls in Menden bekommen haben.

Dort hatte ein Betrieb 100 Legehennen aus dem Kreis Paderborn erhalten. In diesem Betrieb wurde wenige Tage danach die Geflügelpest nachgewiesen. Dies ist inzwischen vom Friedrich-LöfflerInstitut bestätigt worden. Daraufhin mussten alle 150 Geflügel auf dem Hof getötet werden, um die Verbreitung des Erregers zu verhindern. Als Erreger wurde das hochansteckende Influenza A-Virus des Subtyps H5N8 amtlich nachgewiesen.

Das Virus ist hoch ansteckend und befällt neben Hühnern auch Puten, Enten und Gänse. Eine Verbreitung der Krankheit in andere Geflügelbestände muss laut Mitteilung des Märkischen Kreises unbedingt verhindert werden. 

Aufstallungspflicht

Unter anderem wurde eine Aufstallungspflicht angeordnet und das nicht nur im Märkischen Kreis, sondern unter anderem auch im benachbarten Kreis Olpe.

„Ich darf die Tiere nicht mehr rauslassen“, sagt Spreemann. „Die Stallungen müssen soweit dichtgemacht werden, dass kein infizierter Wildvogel, zum Beispiel ein Spatz, in den Stall hineinfliegen und die Vogelgrippe verbreiten kann.“

Es ist nicht die einzige Sicherheitsmaßnahme. „Wir dürfen auch keine Eier mehr abgeben“, sagt Spreemann. Ein paar Eier hat Spreemann sonst immer übrig, die er an Nachbarn oder Freunde abgibt, aber die Anweisungen wegen der Geflügelpest verbieten das nun. Aus den meisten Eiern zieht Spreemann ohnehin Küken heran. Er züchtet vor allem Hühner der Rassen Brahma, Amrock und Deutsches Lachshuhn.

Versicherung

Alle Tiere müssten bei der Tierseuchenkasse versichert sein, erklärt der Züchter, sagt aber auch, dass einige Hobbyzüchter, die nur ein paar Tiere halten, das gar nicht wüssten. Entsprechend seien ihre Tiere nicht versichert. „Auch wenn man nur zwei Enten oder eine Gans hat, müssen sie bei der Tierseuchenkasse angemeldet werden“, betont er.

Aufgrund der derzeitigen Seuchenlage ist laut Kreisveterinäramt auch bei Hobbyhaltern eine tägliche Kontrolle der Todesraten sowie der Produktionsdaten im Tierbestand erforderlich. Erhöhte Sterblichkeitsraten – wenn also mehr als zwei Prozent des Bestandes innerhalb von 24 Stunden sterben – sowie rückläufige Legeleistungen sind unverzüglich beim Veterinäramt des Märkischen Kreises zu melden. Das leitet dann eine amtliche Probenuntersuchung und alle weiteren tierseuchenrechtlichen Maßnahmen ein. Bei positivem Nachweis der Geflügelpest wird die Tötung des Tierbestandes angeordnet. Eine Aufhebung der eingerichteten Restriktionszonen erfolgt erst, wenn alle Tiere negativ untersucht sind.

Keine Schauen

Dass sich die Geflügelpest so stark ausbreitet, dass in vielen Betrieben die Tiere sterben oder getötet werden müssen, glaubt Spreemann nicht. Für ihn ist die Seuche weniger Anlass zur Sorge als für andere. „Sorgen machen sich mehr die Leute, die davon leben müssen.“

Aber für ihn ist eine andere Vorstellung ärgerlich: „Es kann sein, dass wegen der Ausbreitung der Seuche die ganzen Ausstellungen ausfallen – und es fällt ja schon wegen Corona viel aus.“

Denn für ihn als Züchter geht es auch darum, seine Zuchterfolge zu präsentieren. Spreemann steckt viel Zeit und Geld in sein Hobby, um die Küken bis zum Herbst, wenn die Geflügelschauen stattfinden, großzuziehen. Futter, das teurer geworden ist, Wasser, Einstreu und Strom für Brutmaschinen und Heizplatten – das alles kostet Geld.

Hinzu kommen die Impfungen für die Tiere, denn allein bis zum 35. Lebenstag sind sieben Impfungen fällig. Spreemann hofft, dass die Arbeit dieses Jahr nicht vergebens ist. „Man sieht, wie sich das Tier vom Ei bis zum ausgewachsenen Hahn oder zur Legehenne entwickelt“, erklärt er den Reiz der Geflügelzucht. „Und wenn es dann von Preisrichtern gut bewertet wird, hat sich der Aufwand gelohnt.“ 

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