„Verliert nicht die Hoffnung“

Plettenberger Gastronomen verabschieden sich mit traurigen Botschaften

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Sagui darf leider nicht mehr öffnen. Obwohl die Regeln mit den weit auseinander stehenden Tischen beachtet wurden, war einen Tag später ganz Schluss. 

Plettenberg/ Herscheid – Die Herscheider Eisdiele Fattorel hat einen traurigen Rekord aufgestellt. Nachdem am Sonntag geöffnet wurde und der Andrang auch dank der frühlingshaften Temperaturen groß war, kam am Montag schon die Ernüchterung: „Um uns und unsere Kunden zu schützen, bleiben wir erst einmal in Quarantäne“, erklärt Inhaberin Olinda Fattorel am ST-Telefon. Sie würde gerne noch geöffnet lassen, aber aufgrund der aktuellen Entwicklungen glaube sie, dass es die richtige Entscheidung sei. Sie seien auch kürzlich erst aus Norditalien zurückgekommen.

Ihr Mann Rob hatte einen Skiunfall, deshalb hatten sie erst kürzlich über die Sozialen Netzwerke verkündet, später als sonst wieder für die Herscheider zu eröffnen. Wegen der Coronakrise sei man aber doch eher wieder nach Deutschland gefahren. Generell verbringt sie mit ihrem Mann Rob die Winterzeit von Mitte Oktober bis Ende Februar in ihrer norditalienischen Heimatstadt Belluno. Es sei sehr erschreckend, was aktuell dort los sei. Alle müssten zuhause bleiben und nur auf Antrag bei der Gemeinde würde ein Verlassen des eigenen Hauses erlaubt. Die Polizei würde streng kontrollieren. „Wir hoffen mal, dass es hier in Deutschland nicht ganz so schlimm wird, wie in Italien“, sagt sie und ergänzt: „Wir müssen jetzt einfach abwarten, bis die große Gefahr vorüber ist.“ Sie verspricht ihren Kunden, sobald es wieder möglich ist, die Türen zu öffnen. 

Auch Dario Sagui von der Plettenberger Eisdiele ist noch entspannt: „Wir haben geöffnet, so lange es uns noch nicht komplett verboten wird!“, erklärte er am Dienstag",  dass er und sein Team dem Coronavirus die Stirn bieten möchten. „Wir sind gerade rechtzeitig aus Norditalien nach Deutschland zurückgekehrt“, erklärt er gegenüber der Heimatzeitung. 

Gerade für den Rest der Familie, der in Norditalien zurückgeblieben ist, sei es eine schwere Zeit: „Meine Neffen, zwölf und elf Jahre alt, fahren sonst immer Skirennen in den Dolomiten. Das ist ja alles verboten worden und gerade die Kinder leiden sehr unter der aktuellen Ausgangssperre, die dort verhängt wurde!“, erklärt er. Vor zwei Monaten habe man sich das Ausmaß noch nicht vorstellen können. Er hofft, dass diese Zeit, in der alle zusammenhalten sollten, schnell vorübergeht: „Vielleicht lernen die Menschen durch diese Krise, Dinge mehr schätzen zu lernen“, hofft Dario Sagui. 

Er hofft außerdem, dass es keine Ausgangssperre geben wird. Im Falle der Fälle wird man dann entscheiden, ob eventuell ein Lieferservice in Frage kommen würde. Er sagt: „Erst einmal bleibt alles so, wie es ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt!“ 

Dem Café-Restaurant Vedder stehen ebenfalls ungewissen Zeiten bevor. Bilder wie vom vergangenen Sonntag, als das Café bei schönstem Frühlingswetter noch einmal rappelvoll war, gehören nun erstmal der Vergangenheit an. Erst vor zwei Wochen war Caroline Vedder noch beim Arbeitsamt, weil sie händeringend nach neuem Personal suchte. Nun hat sich die Situation innerhalb kürzester Zeit um 180 Grad gewendet. „Jetzt geht es vor allem darum, die Leute, die wir beschäftigen, zu halten“, sagt Caroline Vedder, die für Freitag schon eine Beerdigung mit 50 Personen absagen und einen geplanten CDU-Stammtisch mit dem Bundestagsabgeordneten Matthias Heider ebenfalls streichen musste.

 Auch die Herscheider Pizzeria Damiano’s schließt erst einmal, zumindest abends, die Türen. Inhaber Damiano Ligori weiß selbst nicht, wie er mit der Situation so recht umgehen soll: „Es ändert sich ständig etwas. So schnell kann man schon fast gar nicht reagieren beziehungsweise agieren“, sagt er verzweifelt. Solange er noch dürfe (Stand Mittwoch), habe seine Pizzeria weiterhin montags, mittwochs, donnerstags und freitags von 12 bis 14.30 Uhr geöffnet. Abends könne von 17 bis 22 Uhr Speisen abgeholt werden. Am Wochenende ändere sich nichts: 17 bis 23 Uhr ist zur Abholung geöffnet, Auch ein Lieferdienst ist eingerichtet von 17 bis 21 Uhr für eine Kostenbeteiligung von drei Euro Liefergebühr. 

Damiano Ligori appelliert an alle Kunden wirklich nur noch rauszugehen, wenn nötig: „Wenn die Leute jetzt unvernünftig sind, kommt hier die Ausgangssperre schneller, als man denkt!“, warnt er. „Für uns ist das alles richtig bitter, aber es ist grundsätzlich die richtige Entscheidung von der Regierung!“, findet er. „Wir sind eine Generation, die noch nie verzichten musste. Jetzt ist es halt mal an der Zeit. 

Vielleicht genießen die Leute dadurch das gesellige Zusammensein in der Gesellschaft nach der Krise umso mehr“, hofft auch er auf einen positiven Nebenaspekt in der Krise. Auch Dimitrios Koutsovitis vom Plettenberger Stadtleben verabschiedet sich bis auf weiteres erst einmal komplett von seinen Gästen: Es tut weh, es ist aber die einzig richtige Entscheidung, um uns alle zu schützen. Bleibt zuhause, bleibt gesund, verliert nicht die Hoffnung und hoffentlich bis bald.“

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