Kunden erwarten bei Wiedereröffnung am 4. Mai einige Änderungen

Die Plettenberger Friseure freuen sich bereits auf ihre Kundschaft

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Ab dem 4. Mai können Friseursalons wieder öffnen.

Plettenberg/Herscheid – Der lange ersehnte Tag rückt näher: Am 4. Mai dürfen die Friseure nach einer sechswöchigen Coronapause wieder öffnen. Allerdings keineswegs so wie gewohnt, wie Myriam Bubert, Betreiberin des Herscheider Salons Här, erzählt.

Salon Här

Der Salon – beziehungsweise die Salons, denn Här hat auch in Lüdenscheid eine Niederlassung – befinden sich gerade im Umbau. Nicht aber aus Modegründen, sondern, um die Sicherheitsabstände einhalten zu können.

Statt sechs Plätzen wird es in Herscheid bei der Wiedereröffnung nur noch vier geben. Alle Mitarbeiter werden Mundschutz und Handschuhe tragen. Maximal drei Friseurinnen werden in dem Salon die zugewucherten Köpfe wieder in Form bringen. Desinfektionsmittel steht zudem bereit.

Ein Mundschutz wird auch für die Kunden bereitgestellt und muss getragen werden. Die Umhänge fürs Haareschneiden werden nach jedem Kunden gewaschen. Buberts mussten hierfür extra eine neue Waschmaschine anschaffen, um die Vorgabe logistisch bewältigen zu können. Im Halsbereich bekommt ab dem 4. Mai jeder Kunde eine Halskrause aus Papier umgelegt. Bei Männern ist das ohnehin Gang und Gebe, Frauen werden sich nun vorerst daran gewöhnen müssen.

Trockenhaarschnitte sind nicht mehr möglich. Das sei in der neuen Verordnung geregelt, erklärt Myriam Bubert, auch wenn sich ihr der Sinn dahinter noch nicht ganz erschlossen hat. Dennoch müssen jedem Kunden im Salon die Haare gewaschen werden.

Im Friseursalon Hairline gibt es jetzt weniger Sitzplätze. An den Personalbereich schließt ein kleiner, gemütlicher Balkon an. Kunden, die ihre Haare färben lassen, dürfen sich dort zum Warten hinsetzen.

Die wichtigste Neuerung – und hier appelliert die Salonbetreiberin nachdrücklich an die Kunden, sich daran zu halten – ist, dass unter keinen Umständen Begleitpersonen mit in den Salon kommen sollen, die spaßeshalber zusehen möchten.

Terminanmeldungen sind in gewohnter Weise telefonisch möglich. Schon jetzt müsse man aber mit zwei Wochen Vorlaufzeit rechnen. Und das, obwohl Här seine Öffnungszeiten samstags um zwei Stunden verlängern und zusätzlich an Montagen von 10 bis 18 Uhr öffnen wird, wo normalerweise Ruhetag ist. „Der Run ist wirklich wahnsinnig“, sagt Myriam Bubert und meint den Andrang auf die Salons, der nach der Zwangspause bevorsteht.

Friseur Schulte

Einen solchen Run befürchtet auch Axel Schulte. Für ihn eine besondere Herausforderung, da der Herscheider Friseurmeister seine Kunden ohne Terminabsprache bedient. In seinen Laden dürfen ab Mai nur noch vier, maximal fünf Kunden gleichzeitig eintreten. Für sie liegen Desinfektionstücher und Mundschütze bereit. Wer hat, kann natürlich auch seine eigene Maske mitbringen.

Für sich selbst hat Schulte Mehrwegmasken nähen lassen, die er regelmäßig auskochen wird. Was es ab 4. Mai auf keinen Fall mehr geben wird, sind Bartschnitte. „Da ist man zu nah am Mund des Kunden und dieses Risiko möchte ich nicht eingehen“, betont der Friseurmeister und befolgt mit diesem Vorgehen eine Empfehlung der Handwerkskammer.

Die Haarschneidemaschinen, Scheren und Kämme desinfiziert er nach jedem Kunden. Üblich sei das ohnehin, normalerweise aber nur am Ende des Arbeitstages. Die sonst üblichen Stoffumhänge wird es im Salon in nächster Zeit vorerst nicht mehr geben, sondern stattdessen Einwegumhänge. Die hat Axel Schulte noch vorrätig – normalerweise verwendet er sie fürs Färben.

Gespannt ist der Friseur noch darauf, ob der 4. Mai für die Wiedereröffnung überhaupt gehalten werden kann. „Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass Schuhläden schon öffnen dürfen und wir erst in zwei Wochen. Wir wären auch jetzt schon vorbereitet.“

Schulte befürchtet, dass durch die Lockerungen, die in dieser Woche begonnen haben, die Infektionszahlen wieder in die Höhe schnellen werden und sich die Situation bis Anfang Mai so verschärft, dass die Friseure doch nicht öffnen dürfen. Dabei sei der Verlust schon jetzt „wahnsinnig“. Wer in den sechs Wochen Coronapause sonst bis drei Mal zum Haareschneiden gekommen wäre, kommt jetzt stattdessen einmal – mit einer Frisur, wo es sich dann wirklich lohnt.

Salon Hairline

Von finanziellen Einbußen berichtet auch Anne Stahl, Inhaberin des Studios Hairline in Plettenberg. Trotzdem haben sie und ihr Lebensgefährte gerade erst Geld in die Hand genommen und die Beleuchtung im Salon erneuert. Auch Kosten für das sonstige „Fitmachen“ des Salons fallen natürlich Kosten an. Zum Beispiel für die neuen automatischen Seifenspender, die in den Sanitärräumen angebracht wurden.

„Damit sich Kunden gründlich die Hände waschen können, ohne dass sie im Bad viel berühren müssen“, erklärt Anne Stahl. Ihren Salon darf ab Mai niemand mehr ohne Mundschutz betreten. Schilder im Eingangsbereich sollen die Kunden darauf hinweisen. Wer selbst keine Maske besitzt, kann eine Einwegmaske verwenden, die vor Ort zur Verfügung gestellt wird.

Eine Umstellung dürfte für die Kunden werden, dass die Haare nur nach dem Waschen im Salon geschnitten werden dürfen. Das bedeutet zum einen mehr zeitlichen Aufwand für die Mitarbeiter und andererseits etwas höhere Preise für die Haarschnitte.

Die Friseure werden Mundschutz und Handschuhe tragen, wenn auch noch ausprobiert werden muss, wie gut sich mit den Handschuhen tatsächlich schneiden und frisieren lässt. Stahl erzählt, dass sie zusätzlich zum Mundschutz Acrylglasvisiere für ihre Mitarbeiterinnen bestellt hat, die auf Dauer angenehmer zu tragen sein könnten. Acrylglas findet sich künftig auch an der Kasse – als Spuckschutz.

„Wir tun alles, was in unserer Macht steht, um den Vorgaben der Behörden gerecht zu werden“, betont Stahl. Dies sei zum Schutze sowohl der Kunden, als auch der Mitarbeiter unerlässlich. Zwischen den sieben übrigen Plätzen sind rund zwei Meter Platz, sodass der Mindestabstand (1,5 Metern) eingehalten wird. Desinfektionsmittel werden bereit gestellt.

Außerdem soll Liste darüber geführt werden, welche Kunden sich zeitgleich im Salon aufhalten. So können im Fall einer Infektion schnell die Kontaktpersonen festgestellt werden.

Die letzten Wochen, in denen der Salon geschlossen hatte, beschreibt Anne Stahl als ein „gefühlsmäßiges Hin und Her“. Einerseits freue sie sich sehr darauf, endlich wieder öffnen zu können, stehe gleichzeitig aber auch vor unzähligen neuen Herausforderungen, die irgendwie bewältigt werden müssen. Bei Hair- Line überwiegt dennoch die Freude auf die Wiedereröffnung: Der Telefondienst, den Stahl seit sechs Wochen täglich versah, zehrte an den Nerven.

„Ich bin jetzt seit 30 Jahren selbstständig. Ich habe vorher noch nie geschlossen gehabt. Und jetzt waren es gleich sechs Wochen – die sich aber deutlich kürzer angefühlt haben.“

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