Neue Schäden durch Borkenkäfer erwartet

Die heimischen Förster hoffen auf ein regenreiches Jahr

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Keine Abwehrkräfte wegen der Trockenheit: Die geschwächten Bäume hatten dem Borkenkäfer im vergangenen Jahr wenig entgegenzusetzen. Auch wenn der Regen in diesem Jahr dem Wald gutgetan hat, hoffen die Förster auf weitere Niederschläge im Jahresverlauf.

Plettenberg – Das lang anhaltende Regenwetter in den vorigen Wochen hat zwar für einen tristen Jahresbeginn gesorgt, aber nach den trockenen Sommern der vergangenen Jahre für etwas Erholung in den Wäldern gesorgt. Dennoch rechnen die heimischen Förster auch in diesem Jahr mit Schäden durch den Borkenkäfer.

„Grundsätzlich ist das für die Waldbäume gut gewesen“, sagt Thomas Kroll-Bothe, Förster des Plettenberger Forstamtsbezirks, über den ausgiebigen Regen insbesondere im Februar.

„Wir haben im Februar etwa 210 Liter Regen pro Quadratmeter gehabt“, sagt Henning Stolz, der als Förster für den Forstamtsbezirk Eiringhausen zuständig ist. Damit ist der Februar-Niederschlag mehr als doppelt so hoch wie üblich, denn normalerweise fallen im Mittel um die 100 Liter im Februar. Mehr Regen sei nur im Februar 2002 gefallen, nämlich 250 Liter pro Quadratmeter. Im Januar sei nur etwa die Hälfte des üblichen Mittelwerts erreicht worden. Der März habe dagegen in puncto Niederschlag auch wieder gut begonnen. „Es war unterm Strich gut“, sagt Stolz. „Der Oberboden hat eine gewisse Sättigung erreicht.“

Oberboden konnte durchfeuchten

Beide Förster sind sich einig, dass die große Regenmenge nicht in kurzer Zeit gefallen seien, denn dann hätte der Boden das Wasser nicht aufnehmen können, sondern kontinuierlich über einen längeren Zeitraum. „Dadurch, dass wir jeden Tag Regen hatten, konnte der Boden schön durchfeuchten“, sagt Stolz. Trotzdem seien, zumindest nach Meinung mancher Experten, die tieferen Bodenschichten noch nicht wieder durchfeuchtet.

Stolz betont, dass das Regendefizit aus den trockenen Vorjahren noch nicht ausgeglichen sei. Der bisherige Regen sei aber immerhin ein guter Anfang. „Wir sind zufrieden, aber es gibt noch keine Entwarnung.“

Durch die Trockenheit waren die Bäume im vergangenen Jahr so geschwächt, dass sie gar kein Harz mehr bilden konnten, der ihnen sonst zur Verteidigung gegen die Borkenkäfer dient, wie Kroll-Bothe erklärt. Infolge des Regens seien die Bäume gesunder und widerstandsfähiger.

Trotzdem müsse man von einer hohen Ausgangspopulation an Borkenkäfern ausgehen, die in diesem Jahr erneut Bäume befallen werden. „Wir gehen davon aus, dass sehr viele Käfer überwintert haben und auf jeden Fall Schäden kommen werden“, sagt Kroll-Bothe. Etwa 90 Prozent der Käfer überwintern unter der Baumrinde, der Rest im Boden.

Borkenkäfer richteten 2019 wie hier in Pasel große Schäden in den Fichtenbeständen an.

Klimatisch war dieser Winter wegen des vielen Regens eigentlich schlecht für den Borkenkäfer. „Den Borkenkäfer kriegt man mit Frost nicht klein, aber feuchtes Klima ist schlecht für ihn“, sagt Stolz. Denn feuchtes Wetter ist ideal für Pilze, die Borkenkäfer befallen und töten. Es sei aber schwer zu sagen, in welchem Umfang das passiert.

Trotz der Feuchtigkeit sind die Bedingungen für die Entwicklung der Pilze nicht ideal. Nasses und zugleich wärmeres Wetter wäre besser, sagt Kroll-Bothe. Er hofft, dass es auch im Frühjahr und Sommer noch weiteren Regen gibt. „Je kühler und feuchter, desto besser für den Wald“, sagt Kroll-Bothe. Der gleichen Meinung ist auch Henning Stolz: „Eigentlich brauchen wir ein kühles und verregnetes Jahr.“

Aber selbst dann ist mit Käferschäden zu rechnen, sagt Kroll-Bothe: „Null Schäden wird es aber auch bei einem optimalen Wetter nicht geben.“ Prognosen, wie schlimm die Schäden ausfallen, könne man nicht abgeben, denn das Ausmaß der Käferschäden werde vom Witterungsverlauf in diesem Jahr abhängen.

Förster rechnen mit neuen Schäden

„Die Ausgangszahlen sind irrsinnig hoch nach den letzten zwei Jahren“, sagt Stolz. Rund 70 Prozent Plettenbergs sind Waldflächen, zu zwei Dritteln wachsen dort Fichten. „Wenn wir noch so einen trockenen Sommer haben, wird Plettenberg mehr oder weniger fichtenfrei sein.“ Den Borkenkäferbefall könne man in dem Fall nicht aufhalten. Es hänge nun alles davon ab, wie sich das Wetter in diesem Jahr entwickelt. „Wir starren wie das Kaninchen auf die Schlange und warten ab“, sagt Stolz.

Darum sei es gut, dass man sofort angefangen habe, das bei den Stürmen der letzten Wochen angefallene Sturmholz aus dem Wald zu holen, sagt Kroll-Bothe. Unglücklicherweise hat sich dabei der gut durchfeuchtete Boden auch als Nachteil erwiesen. Die Bäume seien so leichter gefallen, sagt Stolz.

Mit der Aufarbeitung des Sturmholzes stehe man noch am Anfang, da die Vermarktung des Holzes etwas gedauert habe. Man habe nun aber einheimische Sägewerke als Abnehmer gefunden. Insgesamt seien durch die Sturmtiefs seit Jahresbeginn etwa 2000 Festmeter Holz angefallen – bezogen auf das Gebiet der gesamten Forstbetriebsgemeinschaft Plettenberg, die die Forstamtsbezirke Plettenberg und Eiringhausen umfasst.

Lästig sei allerdings, dass es wenig Flächen- und viele Einzelwindwürfe gegeben habe, sagt Stolz. Sein Försterkollege Kroll-Bothe bestätigt, dass es schwierig sei, die einzelnen umgestürzten Bäume zu finden, die im Wald verstreut seien. Denn auch von ihnen geht für die anstehende Brutsaison eine Gefahr aus. „Frisch geworfene Bäume sind das ideale Brutmaterial für Borkenkäfer“, sagt Kroll-Bothe.

Wie ein geschwächter noch stehender Baum trockne ein frisch umgestürzter Baum nach und nach aus. „Der Geruch lockt Käfer an, denn sie sehen darin ein wehrloses Opfer.“ Und von so einem Einzelbaum könnten die Käfer dann wiederum die umliegenden Bäume befallen, sodass große Käferlöcher entstehen.

Große Mengen Holz für den Export wurden vor kurzem im benachbarten Hülschotten verladen.

Coronavirus hemmt Export

Derweil geht auch das Verladen des Käferholzes für den Export, vor allem nach China, weiter. Allerdings könne nur das bereits verkaufte aufgearbeitete Holz noch abgefahren werden, neues Holz für den Asienexport könne man im Moment nicht hinzufügen, da es wegen der Corona-Epidemie nicht nach China exportiert werden kann. „Die letzten noch vorhandenen Mengen werden in den nächsten Wochen verladen“, sagt Kroll-Bothe. Trotzdem gebe es noch viele Bäume, die vom Borkenkäfer befallen sind.

Durch die großen Käferschäden seien in den vergangenen Jahren übergroße Mengen an Holz angefallen, die die heimischen Sägewerke nicht aufarbeiten konnten. In anderen Revieren sei das Ausmaß der Käferschäden und die daraus folgenden Auswirkungen auf den Holzmarkt allerdings noch schlimmer gewesen als in Plettenberg selbst. „Ich hoffe nicht, dass wir in ein, zwei Jahren dort stehen, wo andere Reviere jetzt stehen“, sagt Kroll-Bothe.

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