Großer Zulauf seit Jahresbeginn

Die Plettenberger Fitness-Studios profitieren von den Neujahrsvorsätzen

+
Über die Fitness-Begeisterung freuen sich auch Jose Calero, Mitinhaber der Feelgood-Fitness-Studios (rechts), und Trainer Sebastian Rudat (links).

Plettenberg – Sie bescheren einer ohnehin derzeit boomenden Branche weiteren Zulauf: die Neujahrsvorsätze. Auch viele Plettenberger haben sich für 2020 vorgenommen, mehr Sport zu treiben und die Gesundheit zu fördern – sehr zur Freude der Betreiber heimischer Fitness-Studios.

„Da fällt mir immer Dinner for One ein: ‘The same procedure as every year’“, sagt Jose Calero, Mitinhaber der Feelgood-Studios, über den Zustrom an Sportbegeisterten zu Jahresbeginn. Das merke man an den Besucherzahlen in den Feelgood-Studios in Plettenberg. „Es sind sowohl Neukunden dabei, als auch Leute, die schon länger bei uns sind und sich dann wieder darauf besinnen, etwas für ihre Gesundheit zu tun“, sagt Calero.

Das schlechte Gewissen

„Die Leute haben vom vielen Essen und Trinken ein schlechtes Gewissen und nehmen sich dann vor, ihre Ernährung zu ändern, auf Alkohol zu verzichten – und natürlich mehr Sport zu treiben.“ Das Problem sei nur, dass es allen direkt Anfang Januar einfalle, sich wieder mehr sportlich zu betätigen. „Da kann es schon einmal eng werden.“

Auch in anderen Fitness-Studios in Plettenberg machen sich die guten Vorsätze bemerkbar. „Wir merken das stark am Anfang des Jahres, dass die guten Vorsätze bei den Frauen ,on’ sind“, sagt Carmen Breuer-Mentzel, Inhaberin des Mrs. Sporty-Clubs Plettenberg. Der Januar sei der stärkste Monat, in dem es viele Anfragen gebe und sich auch viele Frauen in der Filiale erkundigen würden.

„Januar sehr stark“

Es sei eigentlich immer so, dass die Studios im Januar sehr gut besucht seien, bestätigt auch Studioleiterin Ursula Eschenasy vom Power Gym. Auch im Gesundheitszentrum Fitbar ist Kursleiterin Gosia Musiol von dem stärkeren Andrang nicht überrascht: „Der Januar ist in der ganzen Fitnessbranche sehr stark.“

„Natürlich brummt es jetzt, die Kurse sind gut belegt“, sagt Barbara Zdrojewski, Studioleiterin des Wellcome im AquaMagis. „Der Januar ist der stärkste Monat, in dem wir auch die meisten Vertragsabschlüsse machen.“ Das aktuelle Angebot umfasst mehr als 40 Kurse, von Pilates bis Aqua-Nordic-Walking. Wenn Zdrojewski auffällt, dass Kurse beim momentanen Andrang schon voll sind, kann sie auch zusätzliche Kurse anbieten.

Das Wellcome-Mitarbeiter-Team um Barbara Zdrojewski (hinten, 2. von rechts) hat besonders zu Jahresbeginn viel zu tun.

Alle Altersgruppen

Die Sportbegeisterung zum Jahresbeginn zieht sich quer durch alle Altersgruppen. Bei Mrs. Sporty trainieren Frauen zwischen 13 und 75 Jahren, die durchschnittliche Kundin sei dabei zwischen Mitte und Ende 40, so Breuer-Mentzel. Auch im AquaMagis gibt es eine sehr breite Altersspanne, wie Leiterin Zdrojewski sagt: „Wir haben eine Klientel vom 16. bis 87. Lebensjahr.“ Vormittags würden insbesondere Senioren trainieren, mittags viele Schüler und ab 16 Uhr mehr Berufstätige und junge Leute.

Im Feelgood nutzen die Senioren ebenfalls gerne den Vormittagsbereich, um die Stoßzeiten am Nachmittag zu umgehen, bestätigt auch Calero. Er sagt, dass sich das Image der Fitness-Studio-Besucher gewandelt habe: „Aufgrund des Gesundheitsgedankens gehen Gott sei dank auch ältere Semester ins Fitness-Studio, um etwas zu verändern.“

Die Ziele der Kunden

Die Trainingsziele, mit denen ins neue Jahr gestartet wird, seien Gewichtsreduzierung, Straffung und auch die Behandlung von Schmerzen, etwa durch Rückentraining, berichtet Breuer-Mentzel über die Kundinnen im Mrs. Sporty. Auch im Feelgood gehe es den Kunden im Januar in erster Linie darum, Übergewicht abzubauen. Allerdings würden sich beispielsweise Diabetiker davon zusätzlich eine Verbesserung ihrer Werte versprechen, sagt Calero. „Und es geht den Kunden um eine bessere Ausdauer, damit man nicht bei jeder Treppenstufe anfängt zu schnaufen.“

Bevor Kunden etwa im Wellcome mit dem Training beginnen, erhalten sie eine Geräteeinweisung und durchlaufen einen Medizincheck, bei dem unter anderem Blutdruck, Körperfett, Ausdauer und Kraft gemessen werden, erklärt Studioleiterin Zdrojewski. Auch wenn jemand nach einer längeren Pause wieder mit dem Sport beginnt, wird wieder mit einem Medizincheck begonnen, und das nicht nur bei Älteren. „Auch bei jungen Leuten ist zum Beispiel eine Blutdruckmessung wichtig“, sagt Zdrojewski.

Auf die richtige Ausführung der Übungen achten Manuela Krehmke (2. von links) und Bettina Buchen (rechts), Mitarbeiterinnen im Mrs. Sporty-Fitness-Studio, bei den Studio-Besucherinnen.

Der Trainingsplan

Nach den Ergebnissen der Tests sowie nach den Wünschen der Kunden werde dann ein individueller Trainingsplan aufgestellt, der mit der Zeit auch angepasst und verändert wird, damit es den Sportlern nicht langweilig wird. Die Geräte des Milon-Zirkels würden über viele unterschiedliche Programmvarianten verfügen, mit denen für Abwechslung gesorgt werden kann. Und über die Software haben die Mitarbeiter einen Überblick, wer an welchem Gerät trainiert. Man könne dann auch reagieren, wenn jemand zu viel Gewicht einstellt, um Verletzungen zu vermeiden.

„Man muss am Anfang mit wenig Gewichten und wenig Wiederholungen und Sätzen trainieren, um erstmal wieder reinzukommen und Verletzungen zu vermeiden“, rät Ursula Eschenasy vom Power Gym zu einem sanften Wiedereinstieg.

Geringes Risiko

Wer nach langer Zeit wieder mit dem Sport anfange, sei in einem Fitness-Studio aber richtig aufgehoben, sagt Jose Calero vom Feelgood: „Der Sport im Studio ist das am wenigsten Verletzungsträchtigste, was man machen kann.“ In den Kursen seien Instruktoren, die Bewegungsabläufe genau erklären und die Fitnessgeräte würden die Bewegungen ebenfalls vorgeben, sodass das Risiko, Fehler zu machen, sehr gering sei. „Wichtig ist, auf einem relativ niedrigen Niveau wieder einzusteigen“, sagt Calero. „Erstens, um den Muskelkater nicht ausufern zu lassen, und zweitens, um die Motivation nicht zu verlieren.“

Motivation ist alles

Gerade beim Wiedereinstieg komme es auf die Motivation an, bestätigt auch Breuer-Mentzel von Mrs. Sporty. Die Trainerinnen würden dafür sorgen, dass diese nicht nachlasse und die Trainingsziele schneller erreicht würden, sagt Breuer-Mentzel: „Gute Betreuung steht bei uns im Mittelpunkt.“ Im Abstand von sechs bis acht Wochen gebe es Trainingsgespräche, in denen es unter anderem um Themen wie Körperanalyse und Ernährung gehe, die ebenfalls eine wichtige Rolle spielen würden. Die Betreuung durch die persönlichen Trainer sowie die digitale Unterstützung und Überwachung des Trainings würden ein geringes Verletzungsrisiko gewährleisten.

Durch die eher kurzen halbstündigen Einheiten mehrmals pro Woche werde zudem die Motivation hoch gehalten, sodass die Aktivität nicht so stark schwanke, erklärt Breuer-Mentzel: „Wir haben das ganze Jahr über einen regen Trainingsbetrieb und auch kein Sommerloch.“ Häufig würden bei Sportlern die Motivation und Euphorie verfliegen, mit der sie ins neue Jahr gestartet sind, sodass es in den Studios dann auch nicht mehr so voll ist wie Anfang Januar. „Spätestens zu Karneval entzerrt es sich wieder“, sagt Calero. Dabei bringe der Sport eigentlich nur etwas, wenn man mittel- bis langfristig dranbleibe.

Tipps für Sportmuffel

Vielen Menschen fällt es schwer, den inneren Schweinehund zu überwinden und Sport zu treiben. Sport-Psychologen erklären, dass das Ziel wichtig sei. Wer nur Sport treibe, weil der Arzt es empfohlen hat, würde kaum genügend Motivation aufbringen, um das Trainingsprogramm durchzuhalten. Interessierte sollten daher eine Sportart wählen, die ihnen auch Spaß macht. Außerdem seien feste Trainingszeiten wichtig. Wer berufstätig ist, sollte darüber hinaus überlegen, morgens Sport zu treiben – vielen Menschen fehle einfach die Motivation für Sport nach Feierabend am Abend. Andere Möglichkeit: Direkt nach Feierabend Sport machen, bloß nicht erst zu Hause auf die Couch legen! Wer seine Motivation aufrecht erhalten möchte, sollte sich langfristige Ziele setzen – diese sollten jedoch realistisch und fest terminiert sein.

Fitness-Studios: eine boomende Branche

Die Fitness-Branche boomt seit Jahren, das belegen auch die Zahlen der Eckdaten-Studie 2019, die vom Arbeitgeberverband deutscher Fitness- und Gesundheits-Anlagen (DSSV), dem Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen Deloitte und der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) erhoben wurde. Demnach gab es 2018 in Deutschland 9343 Fitness-Studios (3,9 Prozent mehr als im Vorjahr), die 5,33 Milliarden Euro Umsatz machten (plus 2,5 Prozent). Die Zahl der Mitgliedschaften stieg auf 11,09 Millionen (plus 4,5 Prozent), womit Fitnesstraining noch vor Fußball und Turnen die mitgliederstärkste Trainingsform in Deutschland ist. Auch für 2019 wurde mit einem weiteren Wachstum gerechnet. Die nächste Eckdaten-Studie mit den Kennzahlen zum vergangenen Jahr wird im März 2020 vorgestellt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare