Fairtrade-Produkte sind immer mehr in Discountern und Supermärkten anzutreffen

Fairtrade in Plettenberg: So teuer wie sein Ruf?

+
Die Kita St. Laurentius ist eine von zwei Kindertagesstätten im Stadtgebiet, die sich Fairtrade-Kita nennen dürfen.

Plettenberg – Plettenberg ist seit fast fünf Jahren Fairtrade-Stadt – eine von mittlerweile über 690 in ganz Deutschland. Wie leicht ist es, an Fairtrade-Waren zu kommen? Und sind die nicht viel teurer? Ein Blick auf die Lage vor Ort.

Die Fairtrade-Klassiker Kaffee, Tee, Kakao und Säfte gibt es eigentlich überall. Bei Aldi, Lidl, Hit, Netto, Rewe, Rossmann, dm oder auch auf dem Wochenmarkt gibt es eine wachsende Auswahl an fair gehandelten Produkten. „Insgesamt ist es wesentlich mehr geworden“, ordnet Heino J. Büsing die Entwicklung der letzten Jahre ein. Der Sprecher der Fairtrade-Ortsgruppe meint aber auch: „Plettenberg tut sich damit noch schwer.“ Damit meint er zum Beispiel die Gastronomie. Nur wenige würden Fairtrade-Kaffee anbieten. Fair gehandelte Waren hätten etwa das Café Haltepunkt oder Käsebrink in Landemert im Angebot.

Aldi: Angebot vervierfacht

Deutschlandweit wächst Fairtrade von Jahr zu Jahr deutlich. Wer Fairtrade im Angebot hat, liege damit nicht falsch, so Büsing. Aldi Nord beispielsweise erklärt auf Nachfrage, das Angebot an Fairtrade-Artikeln in den vergangenen Monaten deutlich ausgebaut zu haben. Über das Jahr verteilt seien allein rund 160 Eigenmarken-Artikel mit der Zertifizierung (Fairtrade ist keine eigenständige Produktmarke) erhältlich. „Allein im Vergleich zum Jahr 2018 konnten wir die Anzahl an Fairtrade-Produkten bis heute vervierfachen“, sagt Pressesprecher Michael Strothoff.

Weiter: „Wir stellen seit geraumer Zeit grundsätzlich fest, dass bei der Kaufentscheidung das Thema Nachhaltigkeit mehr und mehr an Bedeutung gewinnt.“ Kunden sei etwa wichtig, dass sie mit ihrem Kauf Kleinbauern und bessere Arbeitsbedingungen förderten. Daher würde Aldi das Angebot an Fairtrade-Produkten in der nächsten Zeit kontinuierlich erweitern.

Heino J. Büsing (links), hier mit dem ehemaligen Planungsamtsleiter Hartmut Engelkemeier, liefert seit Jahren Fairtrade-Bananen für das P-Weg-Marathon-Wochenende.

Auch bei Rewe tragen immer mehr Produkte das Fairtrade-Siegel. Ob dieses aber das entscheidende Kaufkriterium sei oder doch andere Eigenschaften wie der Geschmack eine größere Rolle spielten, „lässt sich letztlich nicht eindeutig klären“, merkt Pressesprecher Thomas Bonrath an. „Kaffee und Schokolade, aber auch Rosen sind traditionell starke Fairtrade-Produkte.“ Rewe habe seit 1993 Fairtrade-zertifizierte Produkte im Sortiment und gehöre damit zu den Handelspionieren der Initiative.

Fairtrade kennzeichnet Waren, die aus fairem Handel stammen und bei deren Herstellung bestimmte Kriterien eingehalten wurden, wie Umweltschutz und sichere Arbeitsbedingungen. Die Siegel „ermöglichen den Kleinbauernkooperativen stabilere Preise sowie langfristige Handelsbeziehungen“, heißt es bei Fairtrade Deutschland. Heißt für Kunden aber auch: „Fairtrade-Produkte sind etwas teurer, aber nicht viel teurer“, so Büsing. Wer nicht auf jeden Cent achten müsse, könne sich das leisten.

Preisunterschiede variieren

Ein Gang durch den Aldi zeigt Unterschiede, die mal kleiner und mal größer ausfallen. Das 500-Gramm-Glas Blütenhonig gibt es bei Aldi für 3,19 Euro. Die Fairtrade-Variante direkt daneben kostet 3,38 Euro. Beim Kaffee ist der Preissprung größer: Die Kilo-Packung Caffè Creme kostet von Moreno 7,26 Euro. Darüber steht die fair gehandelte Version im Regal, ebenfalls ein Kilo, Preis: 9,69 Euro. In aller Regel handele es sich bei Fairtrade-Produkten allerdings auch um hochwertigere Ware, so Büsing und nennt das Stichwort Bio.

Fairtrade gibt es auch für Kleidung

Doch Fairtrade fängt bei Lebensmitteln gerade erst an. Wenn Büsing an die Kinder in Bangladesch denkt, die barfuß in Chemikalien stehen, um Sicherheitsschuhe für Deutschland herzustellen, oder an die, die unter schwersten Bedingungen Steine in Indien abbauen, ist für ihn klar: „Es ist noch viel zu tun.“

Gespannt sei Büsing in der Richtung deshalb auch auf die Politik und die kommenden Wahlen. Schließlich würde die Stadt Plettenberg beispielsweise für den Bauhof viel Kleidung anschaffen. „Arbeitskleidung gibt es auch als Fairtrade-Ware.“ Fair gehandelte Klamotten in der Plettenberger Innenstadt zu bekommen, sei hingegen schwierig.

Die Plettenberger Fairtrade-Gruppe will mehr auf die Initiative zur Förderung des fairen Handels aufmerksam machen. Seit 2015 holen die Mitglieder zum P-Weg eine Tonne Bio-Bananen in der Bananenreiferei ab. Wegen Corona musste vor einigen Monaten ein Krimi-Dinner abgesagt werden, bei dem Speisen mit fair gehandelten Lebensmitteln auf den Tisch kommen sollten.

Hoffnungsvoll blickt Büsing auf die beiden katholischen Kindergärten in Eiringhausen und an der Lehmkuhler Straße, die beide Fairtrade-zertifiziert sind. Hier würden die Kinder die Wichtigkeit dieser Initiative lernen – und beim Einkaufen mit den Eltern auf das Symbol achten, so Büsing, der sich mehr Engagement auch an den heimischen Schulen wünsche.

Was ist Fairtrade?

Transfair Deutschland ist ein Verein zur Förderung des fairen Handels. Der wird unter anderem von den Organisationen Brot für die Welt und Misereor getragen. Das übergeordnete Ziel: Wirtschaftlich benachteiligte Kleinbauern und Arbeiter sowie ihre Familien in Asien, Afrika, Ozeanien und Lateinamerika auf ihrem Weg zu einer nachhaltigen Entwicklung unterstützen, fördern und ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen entscheidend verbessern. Um als Fairtrade-Stadt zertifiziert werden zu können, müssen unter anderem eine bestimmte Anzahl an Läden und Cafés Fairtrade-Produkte im Angebot haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare