Nach Herabsetzung des Mindestalters

Was die Plettenberger Fahrlehrer zum Moped-Führerschein ab 15 sagen

+
Die Absenkung des Mindestalters für den Moped-Führerschein auf 15 Jahre begrüßt Patrick Mey, Leiter der Fahrschule Block & Kirchhoff.

Plettenberg – Mit 45 Sachen können nun auch 15-Jährige auf dem Moped durch Plettenbergs Straßen – bisher waren in dem Alter nur Mofas mit 25 km/h zulässig. Doch das schnellere Tempo bedeutet nicht automatisch mehr Unfallgefahr. Im Gegenteil sehen die Plettenberger Fahrlehrer es positiv, dass Jugendliche mit dem Moped-Führerschein nun besser im Verkehr mitfließen können und vor allem besser ausgebildet sind. Diese Ausbildung kostet natürlich auch mehr.

 Wie es in vielen anderen Bundesländern zuvor bereits möglich war, können seit Inkrafttreten der entsprechenden Verordnung am 31. Januar nun auch 15-Jährige in Nordrhein-Westfalen den Moped-Führerschein erwerben. Die Fahrlehrer sehen vor allem in der qualitativ besseren Ausbildung einen Fortschritt.

Bessere Ausbildung

„Bei der Führerschein-Klasse AM bekommen die Jugendlichen eine richtige Fahrausbildung mit einer Prüfung und sind viel mehr vorbereitet auf den echten Straßenverkehr“, sagt Martin Fellmer, Inhaber der Fahrschule Fellmer.

Durch die Herabsetzung des Mindestalters für die Führerschein-Klasse AM dürfen 15-Jährige nun Krafträder mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h fahren. Bisher konnten sie nur die Mofa-Prüfbescheinigung für Krafträder bis 25 km/h erwerben.

Beim Mofa bis 25 km/h sind sechs Theoriestunden vorgeschrieben, für den Moped-Führerschein dagegen 14. Auch die Praxisausbildung ist fundierter. Um ein 25er-Mofa zu fahren, sind 90 Minuten vorherige Fahrpraxis erforderlich, das sei so gut wie gar nichts, sagt Dieter Martin, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule in Herscheid und Plettenberg. „Bei der 45er muss man eine Prüfung schaffen, da kommt man mit zwei bis vier Fahrstunden nicht hin.“

Patrick Mey, Mit-Geschäftsführer und Leiter der Fahrschule Block&Kirchhoff, und dort zuständig für die Motorradausbildung, rechnet eher mit fünf bis sechs Doppelstunden für die praktische Fahrausbildung: „Die kommen ganz anders in den Straßenverkehr rein.“ Das werde auch dann von Vorteil sein, wenn die Jugendlichen später etwa den Autoführerschein der Klasse B machen.

Die Herabsetzung des Alters für den Moped-Führerschein auf 15 Jahre ergebe auch deswegen Sinn, weil so wieder ein Abstand von zwei Jahren zum begleiteten Autofahren mit 17 bestehe, die Führerschein-Klasse AM eingeschlossen sei, sagt Kirchhoff.

Mehr Sicherheit

In punkto Sicherheit sehen die Fahrlehrer nicht nur die bessere Ausbildung als Fortschritt, sondern auch die höhere Geschwindigkeit, mit der Jugendliche nun am Straßenverkehr teilnehmen könnten. „Mit 45 km/h schwimmt man besser im Verkehr mit“, sagt Patrick Mey. Denn die langsameren Mofas mit 25 km/h seien auch für Autofahrer eine Herausforderung. Viele von diesem würden die Mofas als Hindernis ansehen und manchmal auch gefährlich überholen, bestätigt Martin Fellmer.

Bei Modellversuchen in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern, wo die Herabsenkung des Mindestalters getestet wurde, sind die Erfahrungen mit jüngeren Moped-Fahrern positiv. Laut Fahrlehrern aus diesen Bundesländern, mit denen er selbst in Kontakt stehe, gebe es keine Negativentwicklung bei der Verkehrssicherheit, sagt Fellmer.

Für Mey ist die Neuregelung für den Moped-Führerschein jedenfalls um einiges besser als die B196-Regelung. Diese erlaubt es Autofahrern, die mindestens 25 Jahre alt sind und seit fünf Jahre den Führerschein der Klasse B besitzen, Motorräder der Klasse A1, also 125er-Maschinen, zu fahren. Dafür sind zwar mindestens 13,5 Zeitstunden Schulung in Theorie und Praxis nötig, aber es muss keine Prüfung abgelegt werden. „Das macht mir schon eher Bauchschmerzen“, sagt Mey. Denn es habe hier – da es keine Prüfung gibt – bereits die ersten Betrugsversuche gegeben. Der Preis für die B196-Führerscheinerweiterung variiert je nach Region und liegt laut Kirchhoff in Plettenberg und Umland zwischen 500 und 800 Euro.

Mobilität

Gerade im ländlichen Raum könnten Jugendliche den Moped-Führerschein für 45er-Maschinen gut gebrauchen, um mobil zu sein, so Fellmer. Dem pflichtet Patrick Mey bei. „Gerade auf dem Land ist das von Vorteil“, sagt er. „Wir haben schon lange darauf gewartet in NRW.“ Beide Fahrlehrer gehen davon aus, dass es ein großes Interesse daran gibt.

Höhere Kosten

Es gebe viele Anfragen wegen des Moped-Führerscheins, sagt Mey. Allerdings könne der höhere Preis manche dann davon abhalten, tatsächlich den Moped-Führerschein zu machen. Der koste je nach Fahrstundenzahl ab 650 Euro aufwärts und damit deutlich mehr als die Mofa-Ausbildung mit etwa 150 Euro.

Da die Mofa-Prüfbescheinigung deutlich günstiger ist, äußert sich Dieter Martin skeptischer: „Ich glaube nicht, dass es sich durchsetzt wie gewollt, weil es den Mofa-Schein immer noch gibt.“ Nicht nur wegen des höheren Preises, sondern auch wegen der umfangreicheren Ausbildung und Prüfung könnten Jugendliche sich gegen den Moped-Führerschein entscheiden. „Das würde sicher einige abschrecken“, meint Martin, der es dennoch begrüßt, dass nun auch 15-Jährige den Moped-Führerschein erwerben können, mit dem eine hochwertigere Ausbildung verbunden ist. „Die Verkehrssicherheit steigt dadurch.“

Schluss mit Tuning

Wegen des qualitativen Unterschieds der Moped- gegenüber der Mofa-Ausbildung plädiert Marco Berghold, Inhaber der Fahrschule Midderhoff, sogar dafür, die Mofa-Ausbildung ganz abzuschaffen und stattdessen den Moped-Führerschein AM schon ab 14 Jahren einzuführen. „Mofa-Tuning würde nicht mehr stattfinden“, so seine Einschätzung. Patrick Mey glaubt, dass das Frisieren von Mofas schon durch die den Moped-Führerschein ab 15 zurückgehen könnte.

Einsparpotenzial

Martin Fellmer sieht an einer Stelle sogar Einsparpotenzial durch die Neuregelung. Jugendliche, die bisher mit 15 eine Mofa-Prüfbescheinigung und später erst einen Moped-Führerschein AM machten, mussten in der Werkstatt eine 45er-Maschine erst auf 25 km/h drosseln und diese dann später – nach Erwerb des Moped-Führerscheins – erneut umbauen lassen. Nun könnten sich Jugendliche mit 15 direkt die Lizenz für Mopeds bis 45 km/h erwerben und sich diese Werkstattbesuche sparen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare