Fachbereichsleiter Hans-Peter Kapitain arbeitete 43 Jahre in der Plettenberger Stadtverwaltung

Faktor Mensch in Verwaltungsspitze: Hans-Peter Kapitain geht in den Ruhestand

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Nachdem Bürgermeister Ulrich Schulte (rechts) Hans-Peter Kapitain am Donnerstag die Dankesurkunde überreicht hatte, wurde der Abschied coronabedingt im engsten Mitarbeiterkreis im Rathaus gefeiert. Bereits zwei Tage zuvor hatte Bürgermeister Schulte seinen Mitarbeiter mit einer Dankesrede in der Ratssitzung verabschiedet. Das Besondere: Selbst die Väter von Schulte und Kapitain haben schon zusammengearbeitet – zwar nicht im Rathaus, aber dafür nur einen Steinwurf entfernt im früheren Hammerwerk Schulte.

Plettenberg – Mit Hans-Peter Kapitain beendet am Monatsende ein jahrzehntelanger Mitarbeiter der Verwaltungsspitze seine Tätigkeit. Der 65-Jährige war bis zuletzt der Vertreter des Bürgermeisters in Amtsgeschäften und seit November 2007 als Leiter des Fachbereichs III zuständig für die Bereiche Ordnung, Soziales, Schulen, Sport, Jugend und Familie.

Wer den in Pasel wohnhaften Kapitain kennt, der würde das folgende Zitat dem jahrzehntelangen Leiter des Jugendamtes zuschreiben: „Man kann nicht immer Held sein, aber man kann immer Mensch sein.“

Kollegen und Mitarbeiter im Rathaus schätzen seinen kooperativen Führungsstil, das Fördern von Mitarbeitern, seine soziale Einstellung, Menschlichkeit, Solidarität und Kollegialität.

„Wir sind Dienstleister und für den Bürger da und sollten bestrebt sein, Lösungen zu suchen und zu ermöglichen, statt Dinge zu verhindern“, sagt Kapitain, für den immer der Mensch im Mittelpunkt steht – ob als Bürger oder Kunde, aber auch als Kollege und Mitarbeiter.

Maßgeblicher Punkt seiner Amtszeit, die nach einem Volkswirtschaftsstudium im August 1977 in Plettenberg begann, waren die Planung und der Ausbau der Kindergartenlandschaft in Plettenberg.

1986 gab es nur den städtischen Kindergarten an der Ernst-Moritz-Arndt-Straße mit damals vier Erzieherinnen und 50 Kindern. Heute sind 80 Erzieherinnen in sechs Kindertageseinrichtungen bei der Stadt Plettenberg für 350 Kinder verantwortlich.

Unter der Leitung von Hans-Peter Kapitain entstand im Jahr 2006 die erste U3-Betreuung in Plettenberg, die heute wie selbstverständlich zum Angebot aller Einrichtungen zählt.

Als Fachbereichsleiter vertrat Kapitain den Bürgermeister im Rathaus in Amtsgeschäften.

Betreut wurde von Hans-Peter Kapitain auch das städtische Jugendzentrum mitsamt Veranstaltungssaal, das in seiner Amtszeit vom Umlauf in die ehemalige Feuerwache am Wieden umzog. Auch die mobile Jugendarbeit ließ Kapitain in Plettenberg einführen.

Der Aufbau einer ambulanten und sozialpädagogischen Familienhilfe mit der Schaffung von insgesamt fünf Teilzeitstellen zählte zu den weiteren Schwerpunktprojekten des Plettenbergers. Dass seine Mitarbeiter gerade im Umgang mit Pflegekindern das richtige Gespür bei angemeldeten und unangemeldeten Besuchen haben und hatten, freut Kapitain sehr: „Mein Dank gilt den Mitarbeitern meines Fachbereiches, ohne die die Leistungen nicht zu erbringen waren.“ Zugleich dankt Kapitain auch der Politik „für die guten Entscheidungen zum Wohle der Kinder, Jugendlichen und Familien“.

Das Ende seiner nunmehr 43-jährigen Dienstzeit im Rathaus bedeutet für den Vater zweier Kinder (39 und 37 Jahre) nicht Stillstand. „Ich freue mich, mehr Zeit für die Familie zu haben und das Aufwachsen der vier Enkelkinder begleiten zu können. „So lange es die Knochen und Gelenke noch mitmachen, will ich mehr Sport treiben“, hat sich Kapitain vorgenommen, der im Vorstand der Dorfgemeinschaft Pasel aktiv ist und auch einer gepflegten Skatrunde nicht abgeneigt ist.

Auch Reisen mit seiner Frau Sabine, die wegen der Corona-Pandemie ausfallen mussten, sollen nachgeholt werden. „Vielleicht komme ich dann auch endlich mal dazu, das Buch ,Die Pest' zu Ende zu lesen“, sagt Kapitain, der es bei seiner Verabschiedung im Plettenberger Rathaus, die coronabedingt sehr klein ausfallen musste, mit Arthur Schopenauer hält: „Ein Abschied schmerzt immer, auch wenn man sich schon lange darauf freut.“

Ein halbes Dutzend Bürgermeister in 43 Jahren erlebt

Am 1. August 1977 startete der Plettenberger Hans-Peter Kapitain seine dreijährige Ausbildung zum Stadtinspektor-Anwärter. Nach dem Abitur im Jahr 1973, das er unter anderem mit Brigitte Branscheidt, Burkhard Marl, Renate Burggräfe, Cornelia Iber, Ulrike Winkemann und Dirk Feldmann am Albert-Schweitzer-Gymnasium absolvierte, diente Kapitain zunächst zwei Jahre als Unteroffizier bei der Bundeswehr und war dabei in der Flugsicherung Kalkar tätig. Danach begann er ein Volkswirtschaftsstudium an der Uni Bonn, das er zugunsten der Liebe zu seiner Frau Sabine und der Ausbildungsstelle in Plettenberg abbrach.

Im Plettenberger Rathaus arbeitete Kapitain zunächst unter dem Dreigestirn Erwin Dunker (Kämmerei), Norbert Jahn (Ordnungsamt) und Wolfgang Brauckmann (Soziales und Jugend) und erlebte seinen einstigen Lehrer Heinz Baberg als Bürgermeister. Zudem arbeitete er an der Seite von Udo Scheepers, Otto Klehm, Walter Stahlschmidt und Klaus Müller und vertrat zuletzt Bürgermeister Ulrich Schulte in Amtsgeschäften.

Einen direkten Nachfolger für den 65-Jährigen gibt es nicht. Den Fachbereich III übernimmt Bürgermeister Ulrich Schulte. Neuer Fachgebietsleiter für den Bereich Jugend und Familie wird Michael Schröder. Die Betreuung der städtischen Kindertageseinrichtungen soll durch eine zusätzliche Fachberatung abgedeckt werden.

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