EUTB-Beratungsstelle

In Plettenberg gibt es jetzt eine kostenlose Anlaufstelle für Menschen mit Behinderung und Angehörige

Tina Stahlschmidt ist Ansprechpartnerin für das EUTB-Angebot in Plettenberg.
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Tina Stahlschmidt ist Ansprechpartnerin für das EUTB-Angebot in Plettenberg.

„Mein behinderter Sohn wird 18 – ändert sich dadurch etwas für uns als Eltern oder für ihn als Betroffener?“ oder „Ich möchte gerne ein selbstständigeres Leben führen und eine eigene Wohnung haben.“ oder „Welche finanziellen Hilfen sind möglich und wer kann mir bei den Anträgen helfen?“ – Fragen über Fragen tauchen auf, wenn ein Familienmitglied eine Behinderung hat oder davon bedroht ist. Nicht nur die Betroffenen stehen plötzlich oder absehbar vor vielen Problemen, auch die Familien müssen manche Klippen umschiffen.

Plettenberg – Seit 2018 gibt es die EUTB (Ergänzende unabhängige Teilhabeberatung), die mit gesamt 500 Beratungsstellen den Ratsuchenden zur Seite steht. Eine davon ist seit dem Februar 2020 auch in Plettenberg.

Andreas Stach, hauptamtlicher Teilhabeberater der EUTB des Märkischen Kreises in Lüdenscheid erinnert sich: „Eines Tages rief uns Tina Stahlschmidt aus Plettenberg wegen einer Beratungsleistung an. Aus diesem Gespräch entwickelte sich ein Kontakt, der dazu führte, dass die EUTB des Märkischen Kreises nun auch in Plettenberg über eine ehrenamtlich betreute Außenstelle verfügt.“ Es sei ein Glücksfall, mit Tina Stahlschmidt, da sie Pflegesachverständige, Mutter eines Kindes mit Behinderung und auch selbst von einer Behinderung betroffen ist. Mit ihr habe man eine kompetente Person gefunden, die in Plettenberg die kostenlose Beratungsleistung anbietet.

Tina Stahlschmidt und auch Stach freuten sich besonders über die problemlose Integration in das Rathaus: „Bürgermeister Ulrich Schulte und auch Christiane Wilk vom Sozialamt ebneten uns alle Wege, sodass wir nun persönlich im Rathaus für Beratungen zur Verfügung stehen können.“ Besonders unterstrichen die beiden, dass ohne den Sprecher des Paritätischen und Vertreter der Träger (siehe Infokasten) Horst Löwenberg als Befürworter die Installation der Plettenberger Beratungsstelle nicht möglich gewesen wäre.

Dass ein großer Beratungsbedarf besteht, unterstreicht Stahlschmidt: „Durch Corona konnte ich nur telefonisch oder per Mail die Anfragen beantworten. Das waren seit März bis gestern 78 Beratungen.“ Wie aufs Stichwort klopfte es an der Tür. Die erste Besucherin wollte sich für die erfolgreiche Beratung bedanken, während schon eine zweite Dame auf den Einlass wartete. Beraterin Stahlschmidt sagt: „Ich freue mich auf die nun persönlichen Kontakte. Es ist schöner, sich von Angesicht zu Angesicht zu unterhalten. Dabei ist der durch Corona notwendig gewordene Spuckschutz wenig störend. Außerdem trage ich, wenn uns nicht die Acrylwand trennt, die Mund-Nasen-Maske.“

Die bisherigen Schwerpunkte bestanden bisher für sie in den Fragen zum Schwerbehindertenausweis, der Frühförderung und zu Reha-Maßnahmen. Auch Lotsendienste sind ein wichtiges Element ihrer Arbeit. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Anfragenden selbst Menschen mit oder ohne Behinderung, Angehörige oder Personen sind, die mit den Betroffenen arbeiten. Eine grundlegende Philosophie der EUTB ist, dass eine Beratung von Betroffenen für Betroffene erfolgt, ein Gespräch also auf Augenhöhe stattfindet (Neu-Deutsch: Peer-Counseling).

Die Teilhabe, die in EUTB steckt, bedeutet, dass Menschen mit oder auch noch ohne Behinderung die Möglichkeit erhalten sollen, an den Dingen des täglichen Lebens teilhaben zu können, wie Wohnen, Gesundheitsversorgung, Hilfsmittel, Assistenz in allen zentralen Lebensbereichen, Mobilität, Kommunikation und Information, Freizeitgestaltung, Bildung, Arbeit und Beruf, Sexualität und Partnerschaft sowie Elternschaft.

Das Beratungsangebot EUTB in Kürze

EUTB: Die Abkürzung steht für E=Ergänzend zur Beratung anderer Stellen, U=Unabhängig von leistungserbringenden Trägern, T=Teilhabe, B=Beratung

Ein Grundstein: UN-Behindertenrechtskonvention und Artikel 3 des Grundgesetzes: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden“

Förderung: Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Träger: Der Paritätische (Kreisgruppe Märkischer Kreis), Lebenshilfe Lüdenscheid e.V., Evangelisches Johanneswerk e.V.

Beratung: Die Beratung in der EUTB-Außenstelle Plettenberg findet an jedem 1. und 3. Mittwoch im Monat von 14 bis 16 Uhr im Rathaus Plettenberg, Raum 004, statt.

Ansprechpartnerin: Tina Stahlschmidt

Telefon: 02391/4 55 95 35

E-Mail: schmidt.tina@eutb-mk.de

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