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Ermittlern unterläuft Fehler: 59-Jähriger hilft Frau und sitzt dennoch auf der Anklagebank

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Von: Thomas Krumm

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Symboldbild Justizia
Einem 59-jährigen Plettenberger musste sich wegen gefährlicher Körperverletzung und eines Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten. © Symbolbild: dpa

„Er war auf einmal da, als die Tür aufging. Wenn er nicht gewesen wäre, weiß ich nicht, was noch passiert wäre“, sagte die 33-jährige Zeugin im Amtsgericht Altena über einen 59-jährigen Plettenberger. Doch obwohl er der Frau gegen ihren gewalttätigen Partner beigestanden hatte, fand sich der Plettenberger nun auf der Anklagebank wieder.

Plettenberg/Altena – Letztendlich endete das Verfahren für den 59-Jährigen aber glimpflich. Es war ein Drama in zwei Akten, das sich in der Nacht zum 20. Juli 2018 in Plettenberg ereignet hatte.

Den ersten Akt schilderte die 33-jährige Zeugin, die im Nachbarhaus des Angeklagten wohnte: Sie sei plötzlich mit einem nächtlichen Eifersuchtsanfall ihres damaligen Partners, der „ein großes Alkoholproblem“ habe, konfrontiert gewesen. Er sei total ausgerastet. Er habe ihren Kopf „an eine gusseiserne Heizung geknallt“ und versucht, ihr „den Kiefer zu brechen“. Schließlich habe er sie nur notdürftig bekleidet aus der Wohnung geschmissen.

Da kam der 59-jährige Angeklagte ins Spiel, der der 33-Jährigen helfen wollte. Doch auch er musste sich mit dem gewalttätigen Nachbarn herumschlagen. Dabei soll er einen Teleskopschlagstock eingesetzt haben. Laut Anklage geriet der Nachbar ins Straucheln und erlitt eine Platzwunde am Hinterkopf. Als Polizeibeamte am Ort des Geschehens eintrafen, nahmen sie eine Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung gegen den 59-Jährigen auf.

Das angebliche Opfer, der ehemalige Partner der 33-Jährigen, war als Zeuge geladen, erschien aber nicht. Gegen ihn soll es im Amtsgericht Plettenberg ein Strafverfahren wegen der Misshandlung seiner Ex-Partnerin gegeben haben. Richter Dirk Reckschmidt erließ gegen den säumigen Zeugen ein Ordnungsgeld von 300 Euro, wahlweise drei Tage Ordnungshaft.

Nun begann der zweite Akt der Geschichte: Die Polizeibeamten setzten den nächtlichen Einsatz mit einer Untersuchung der Behausung des 59-Jährigen fort. In drei Waffenschränken fanden sie seine umfangreiche Waffensammlung. Nach der mutmaßlichen gefährlichen Körperverletzung hielten sie es offenbar für angezeigt, 40 Waffen, die dazugehörige Besitzkarte und den Jagdschein des Beschuldigten abzutransportieren.

Bei der folgenden Untersuchung gab es bei 39 Waffen keinerlei Beanstandungen. Nur die 40. Waffe, eine Vorderschaftrepetierflinte aus Frankreich, konnten sie auf der Waffenbesitzkarte nicht identifizieren, weshalb sich der 59-Jährige nicht nur wegen einer angeblichen gefährlichen Körperverletzung, sondern auch wegen eines angeblichen Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten sollte.

Hierbei unterlief den Ermittlern jedoch ein folgenschwerer Fehler. Die Beamten hatten zwar viel aus seiner Wohnung mitgenommen, aber zwei Gewehrläufe dagelassen. Einer von ihnen trug jenen Zahlencode, der die 40. Waffe kennzeichnete. Und damit war auch diese Eintragung korrekt. Konsequenterweise wurde der Angeklagte in diesem Punkt freigesprochen.

Einen Freispruch bei dem anderen Tatvorwurf der gefährlichen Körperverletzung kam nicht in Frage. Aber das Schöffengericht stellte das Verfahren ohne Auflagen ein. Für die Durchsuchung seiner Wohnung und die jahrelange Sicherstellung seiner Waffen muss der Angeklagte, der mittlerweile in Altena lebt, aus der Justizkasse entschädigt werden.

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