Bahnhofsbuche in Eiringhausen

120 Jahre alte Buche gefällt: Stadt Plettenberg schafft Tatsachen

Das Fällen des einstigen Prachtbaums auf dem Eiringhauser Bahnhofsvorplatz war für Gerät und Facharbeiter gleichermaßen anstrengend.
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Das Fällen des einstigen Prachtbaums auf dem Eiringhauser Bahnhofsvorplatz war für Gerät und Facharbeiter gleichermaßen anstrengend.

Sie ist weg: Eine 120 Jahre alte Buche wurde am Bahnhof in Plettenberg-Eiringhausen gefällt. Die Stadt schuf damit Tatsachen, bevor sich Widerstand formieren konnte.

Plettenberg - Am Montag um 10.59 Uhr informierte Bauamtsleiter Sebastian Jülich darüber, dass die Tage der mächtigen Blutbuche am Eiringhauser Bahnhof gezählt sind. Darin hieß es wörtlich: „Die Pflanzung des neuen Baumes und die Fällung der Buche erfolgen in dieser Woche.“

Zu diesem Zeitpunkt wurde das Vorhaben bereits umgesetzt: Denn gut anderthalb Stunden bevor die Nachricht veröffentlicht wurde, röhrten am Vormittag am Eiringhauser Bahnhof die Motorsägen. Das Schicksal der rund 120 Jahre alten Buche war damit besiegelt. Es wurden Tatsachen geschaffen, bevor sich Widerstand formieren konnte. Wer auch immer die Baumfällung hätte verhindern wollen, kam zu spät. Bereits am Montagmittag war nur noch ein Baumgerippe übrig.

Die Überreste der Bahnhofs-Buche.

Der Anblick dürfte viele Plettenberger wehmütig stimmen. Als es früher noch eine Bank um den Stamm des mächtigen Baumes gab, war die Bahnhofsbuche ein beliebter Treffpunkt. Doch der Bau der neuen Bahnhofsunterführung in unmittelbarer Nähe und mehrere trockene Sommer gruben dem Baum sprichwörtlich das Wasser ab. Das bestätigte indirekt auch Jülich, der aber noch einen anderen Grund für die Fällung nennt.

Rettungsmaßnahmen blieben ohne Erfolg

So sei die Blutbuche von einem Pilz befallen, der zu einem Absterben der Wurzeln und damit zu einer Unterversorgung der Krone führe. Zudem hätten die zuletzt sehr trockenen Sommer der Buche als feuchtigkeitsliebendem Baum zusätzlich zugesetzt. In den letzten Jahren sei darüber hinaus das Umfeld des Bahnhofes umgestaltet worden. Im Zuge der Planungen sei laut Jülich darauf hingewiesen worden, dass sich die Standortsituation für die Buche dadurch verschlechtern könnte. Der Baum sei im letzten Herbst durch einen Sachverständigen untersucht worden. Verschiedene Maßnahmen zum Erhalt wie eine besondere Düngung und Belüftung des Untergrundes in den letzten Jahren und ein Rückschnitt der Krone hätten laut Jülich „nicht zu einer Verbesserung geführt“.

Das Dröhnen der Motorsägen prägte den Wochenbeginn in Eiringhausen.

Als Ersatz habe der Gärtnermeister des Baubetriebshofes eine Zerr-Eiche (Quercus cerris) ausgewählt. „Diese Baumart ist für den Standort besser geeignet und auch hitze- und trockenheitsresistenter als die Buche“, teilt Jülich mit. Vor der Pflanzung werde der Boden für die Pflanzung aufbereitet und eine Pflanzgrube mit einem ausreichend großen Wasserspeichervolumen hergerichtet.

Tony Meyer schlug Alarm

Im September letzten Jahres hatte Tony Meyer auf Facebook auf den schlechten Zustand des Baumes aufmerksam gemacht. Statt mit vollem Blattwerk wie in den Vorjahren präsentierte sich die Buche im September 2020 mit schlapp herunterhängenden Ästen, hatte Teile des Laubes schon abgeworfen. Der Baum leide an der Trockenheit mehrerer aufeinanderfolgender Jahre, es fehle ihm an ausreichend Wasser, schlug Meyer Alarm. Dabei beließ er es nicht, sondern wurde selbst aktiv: Mit einigen wenigen Mitstreitern wurde eine Bewässerungsaktion organisiert, denn Meyer bezweifelte, dass der Baum genug bewässert werde.

Dieser Vorwurf wurde mehrfach von der Stadt zurückgewiesen. Der Baum habe täglich nachmittags 1 000 Liter Wasser erhalten und zusätzlich werktags nochmals morgens ebenfalls 1 000 Liter, hatte die Stadt im September erklärt.

Tony Meyer, der über die Heimatzeitung von der Fällung erfuhr, blutete das Herz. „Die Buche war jahrelang unser Treffpunkt, als dort noch die Rundbank stand“, sagt Meyer, der den Baum selbst auf historischen Bahnhofsfotos aus den 1930er Jahren in voller Pracht entdeckte. Dort wird nun in dieser Woche eine Zerr-Eiche gepflanzt, die viele Jahrzehnte benötigen wird, um eine vergleichbare Größe zu erlangen.

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