Beschwerden, aber auch Lob

AquaMagis: Besucher kritisieren Corona-Maßnahmen im Spaßbad

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Seit dem 4. Juli konnte das AquaMagis mit Einschränkungen den Betrieb wieder aufnehmen.

Plettenberg – Schon unter normalen Bedingungen steht das AquaMagis immer wieder in der Kritik. In Corona-Zeiten geht es Kritikern allerdings weniger um die Themen Öffnungszeiten oder Eintrittspreise, sondern um das Hygienekonzept, das aus Sicht einiger Badegäste nicht funktioniert oder nicht befolgt wird.

Am 4. Juli konnte das Erlebnisbad nach langer coronabedingter Pause wieder öffnen, allerdings nur mit einer begrenzten Besucherzahl; zudem standen nicht alle Attraktionen zur Verfügung. Ein ST-Leser hatte die Redaktion darauf hingewiesen, dass das AquaMagis infolgedessen viele schlechte Bewertungen bei Google erhalte.

Kritik und Lob für Hygienekonzept

Doch das Stimmungsbild bei den Google-Bewertungen – die natürlich nicht repräsentativ sind – ist geteilt. In den vergangenen Wochen haben viele Besucher auch durchaus gute Noten ans AquaMagis verteilt, sie vergeben auch in Coronazeiten vier oder fünf Sterne, meist ohne Kommentar.

Ein User schreibt, das Bad habe die richtigen Maßnahmen ergriffen, um Familien einen angenehmen Aufenthalt zu bereiten; alles sei sauber und gepflegt, schreibt ein anderer, rät allerdings, einen Tag vorher zu buchen, da es wegen der Hygienemaßnahmen zu Wartezeiten kommt. Dass deswegen nicht alle Rutschen geöffnet sind, wird von den positiveren Kommentatoren zwar auch bedauert, ist ihnen aber kein Anlass für eine schlechte Bewertung.

Doch andere Badegäste nutzen ihre Bewertungen für Kritik am Hygienekonzept des AquaMagis und am Verhalten der anderen Badegäste. Ein Besuch zu Coronazeiten sei nicht zu empfehlen, schreiben gleich mehrere. Auf Maskenpflicht und Abstände werde oftmals nicht geachtet, es entstehe manchmal dichtes Gedränge. Ein Nutzer kritisiert die Schließung von Rutschen bereits Stunden vor Schließung des Bades. Es sei doch klar, dass dann die Badegäste auf die noch offenen Rutschen ausweichen und die Menschen dort dann wieder zu dicht beieinander stünden.

Man nehme die Beschwerden durchaus ernst, sagt Dr. Uwe Allmann, Geschäftsführer des AquaMagis. Auf einen Teil der schlechten Bewertungen hat das AquaMagis-Team, das lässt sich bei Google erkennen, direkt reagiert. Insgesamt sieht Allmann die Beschwerden aber als Einzelfallmeinungen. Angesichts von rund 30.000 Besuchern im August seien etwa 100 Beschwerden in diesem Zeitraum nicht viel, sagt Allmann.

Trotzdem ist der AquaMagis-Chef durchaus selbstkritisch: „Die Kritik ist zum Teil – gerade in der Anfangszeit – berechtigt gewesen.“ Tatsächlich seien trotz der ursprünglichen Beschränkung der Besucherzahlen noch zu viele Gäste im Bad gewesen. „Wir waren am Anfang etwas zu optimistisch“, sagt Allmann, man habe aber infolge der Kritik beim Hygienekonzept zweimal nachgesteuert, einmal inhaltlich und zuletzt nach dem Wochenende 7./8. August auch noch einmal bei der Besucherzahl. Die Zahl der Badegäste, die sich zur gleichen Zeit im AquaMagis aufhalten dürfen, wurde von 750 noch einmal auf 600 zeitgleiche Besucher reduziert. „Danach gab es eine deutliche Entspannung“, sagt Allmann. Es sei dennoch nicht auszuschließen, dass es an manchen Stellen mal zu eng werden könne.

Enge Abstimmung mit Behörden

Insgesamt ist man von dem Konzept mit den begrenzten Öffnungszeiten, Timeslots und dem Ampelsystem, um bei der Buchung anzuzeigen, wie voll das Bad ist, überzeugt. „Wir sind inzwischen dreimal vom Gesundheitsamt und Ordnungsamt untersucht worden“, sagt Allmann. „Wir haben das Konzept in enger Abstimmung mit den Behörden erstellt und sind ausdrücklich dafür gelobt worden.“

Trotzdem würden die Maßnahmen von verschiedenen Gästegruppen sehr unterschiedlich wahrgenommen. Es gebe auf der einen Seite Gäste, die Corona-Schutzmaßnahmen ablehnten und sich nicht daran hielten. Andere Gäste seien dagegen sehr vorsichtig und erwarteten, dass sie quasi allein im Bad seien. „Da die Balance zu halten, ist die Herausforderung“, sagt der AquaMagis-Chef, berichtet von Beschimpfungen durch Badegäste, zuletzt am Montag. „Wir kriegen es gerade von allen Seiten.“

Die Durchsetzung des Hygienekonzepts erzeugt nämlich mehr Konflikte im Bad. Regelmäßige Kontrollen und Durchsagen, das Leeren der Becken für die nächste Schwimmergruppe oder die vorübergehende Sperrung eines Rutschenturms, weil es gerade zu voll ist – all das sorge für Missmut bei den Gästen. „Das Konfliktpotenzial ist exorbitant größer geworden“, sagt Allmann. Dem Vorwurf, der von einigen Kritikern ebenfalls erhoben wurde, dass nicht ausreichend darauf hingewiesen werden, welche Attraktionen geschlossen und welche geöffnet sind, widerspricht Allmann. Auf der AquaMagis- Seite werde dies genau aufgelistet. „Deutlicher kann man nicht darauf hinweisen“, sagt er, will aber nicht ausschließen, dass eine Rutsche in Einzelfällen eine Stunde später geöffnet habe.

Neuerungen zum September

Gegenüber Gästen, die erst ein Ticket gebucht und es sich dann vor Ort – etwa angesichts von Warteschlangen und vollen Becken – doch gleich wieder anders überlegte, habe man sich kulant verhalten, so Allmann: „Jeder Badegast, der da war und dann gesagt hat, dass es ihm doch zu voll ist und er wieder nach Hause geht, hat sein Geld zurückbekommen.“

Wenn allerdings jemand erst sechs Stunden im Bad war und sich dann beschwere, sei man weniger entgegenkommend. Nach den Ferienpreisen habe man nun zum 1. September die Eintrittspreise reduziert. Drei-Stunden- sowie Sprinter-Tickets werden wieder angeboten. Sprinter- und Easy-Relax-Tickets können nun auch wieder an der AquaMagis-Kasse gekauft werden, die Bezahlung bleibt aber bargeldlos.

Da der Betrieb mit deutlich weniger Badegästen als üblich wirtschaftliche Einbußen für das AquaMagis zur Folge hatte, werden nun nach der Ferienzeit ab September die Öffnungszeiten auf 10 bis 21 Uhr reduziert. Der Betrieb ab 9 Uhr morgens mit nur wenigen Gästen rechne sich laut Allmann nicht. Die für das Bad schwierige Phase werde noch fast ein Jahr andauern und sei nur mit Einschränkungen – auch für die Badegäste – zu überstehen. „Wir gehen davon aus, dass das begrenzte Angebot weiter bis zum nächsten Frühjahr gelten wird, und hoffen, dass wir dann wieder alles anbieten und die Öffnungszeiten deutlich ausweiten können“, sagt Allmann.

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