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Eine Million Euro Verlust: A45-Sperrung mit dramatischer Auswirkung für das Aquamagis

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Von: Johannes Opfermann

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Von Hochbetrieb wie hier ist das Aquamagis weit entfernt: Die Auswirkungen der Omikron-Variante und der Sperrung der Rahmedetalbrücke treffen das Bad doppelt.
Von Hochbetrieb wie hier ist das Aquamagis weit entfernt: Die Auswirkungen der Omikron-Variante und der Sperrung der Rahmedetalbrücke treffen das Bad doppelt. © Dickopf

Für das Aquamagis war schon die Aussicht auf eine mehrmonatige A45-Sperrung gleichbedeutend mit einem Verlust von einer halben Million Euro. Seit feststeht, dass es Jahre dauern könnte, bis über eine neue Brücke wieder der Verkehr fließt, rechnet das Bad mit weitaus größeren Ausfällen. Doch die genaue Höhe lässt sich nach wie vor schwer beziffern.

Plettenberg – „Wir hatten erst mit drei Monaten gerechnet, wenn es nun drei, fünf oder sieben Jahre werden, trifft uns das in Mark und Bein“, erklärt Aquamagis-Geschäftsführer Dr. Uwe Allmann. Im Dezember – die Sperrung der Rahmedetalbrücke war noch frisch – war noch davon auszugehen, dass die Brücke verstärkt werden und nach drei Monaten möglicherweise wieder für Pkw freigegeben werden könnte. Allmann schätzte den Verlust in diesen drei Monaten auf etwa eine halbe Million Euro. Die Situation ist inzwischen eine völlig andere: Die Brücke bleibt dicht, bis zu deren Abriss und dem Bau einer neuen werden Jahre vergehen.

Eine Million Euro Verlust im Jahr

Deswegen geht Allmann inzwischen von Verlusten im siebenstelligen Bereich aus. Eine Million Euro pro Jahr könnte es sein, vielleicht auch mehr. „Wir sind tatsächlich jetzt erst dabei, die Auswirkungen zu beziffern. Um die genauen Auswirkungen in Euro zu berechnen, bräuchten wir aber noch einmal Ferien.“ Denn diese sind erfahrungsgemäß sehr umsatzstark. Wieviel an Besuchern fehlt, gäbe dann bessere Anhaltspunkte dafür, mit welcher Höhe an Verlusten wohl zu rechnen wäre.

„Wir versuchen das ganze Feld von Auswirkungen durchzurechnen, aber das ist sehr mühsam“, sagt Allmann. Schwierig dabei ist vor allem, die beiden Gründe für den Besucherrückgang klar zu trennen. „Wir können nicht genau berechnen, was auf Omikron und auf die Brückensperrung zurückgeht.“ Woran es also genau liege, dass weniger Besucher ins Bad kommen, niemand im Hüttendorf übernachtet, keine Gäste aus Holland das Ressort buchen. Doch ob die Besucherausfälle nun im Verhältnis Fifty-fifty, 60 zu 40 oder 70 zu 30 auf Corona respektive die Omikron-Variante und die Brückensperrung zurückgehen, ist für Allmann schwer zu sagen. Letztendlich ändert es allerdings auch nicht viel an einer grundsätzlichen Feststellung: „Dass es dramatisch ist, da gibt es nichts dran zu deuteln.“

Rutschen sind der Publikumsmagnet: Ob die für 2023 geplante Kamikaze-Rutsche gebaut wird, ist wegen der schwierigen Lage allerdings völlig offen.
Rutschen sind der Publikumsmagnet: Ob die für 2023 geplante Kamikaze-Rutsche gebaut wird, ist wegen der schwierigen Lage allerdings völlig offen. © Wurm

Die Wochenenden seien von den Besuchern her noch ganz gut, da dann auch weniger Lkw-Verkehr unterwegs sei. Doch auch samstags und sonntags gebe es Abstriche, die nach Allmanns Schätzung zu gleichen Teilen auf Omikron und Brücke zurückgehen.

„In der Woche, wenn man eine Stunde und fünfzehn Minuten aus Hagen und anderthalb Stunden aus Dortmund braucht, tendiert der Besucherstrom gegen Null“, sagt Allmann. „Es ist traurig, wenn dann am Testzentrum auf dem Aquamagis-Parkplatz mehr Gäste sind als im Bad.“

Für das 2003 eröffnete Bad ist die gesperrte A45-Brücke – zusätzlich zu den Auswirkungen von zwei Corona-Jahren – ein Schlag ins Kontor. „Ich habe mir nicht vorgestellt, dass es uns so doppelt trifft“, sagt Allmann. „So kurz vor dem 20-jährigen Jubiläum erschüttert uns das in den Grundfesten.“

Schnellschüsse soll es nicht geben

Und weil das Thema so groß und dramatisch sei, werde auch gemeinsam mit der Politik intensiv darüber nachgedacht, wie reagiert werden kann und soll. Allmann wiederholt, dass man bei der Analyse und Interpretation der Auswirkungen noch ganz am Anfang stehe und sich mit unterschiedlichen Szenarien beschäftige: „Wir können keine Schnellschüsse machen.“ Denn das eine Rezept, um die Kosten stark zu reduzieren, gibt es nicht.

In der Woche tendiert der Besucherstrom gegen Null. Es traurig, wenn dann am Testzentrum auf dem Aquamagis-Parkplatz mehr Gäste sind als im Bad.

Dr. Uwe Allmann, Geschäftsführer des Aquamagis

„Ich kann nicht einfach das Wasser ein paar Grad runterkühlen, ein paar Türen zusperren und 20 Leute in Kurzarbeit schicken“, sagt der Aquamagis-Chef: „Ich bin froh, wenn ich im Moment überhaupt genug Mitarbeiter habe, die nicht krank sind.“ Zudem habe man auch die kommunale Verpflichtung für das Schul- und Vereinsschwimmen, das durchaus wahrgenommen werde, zu erfüllen.

Was die Brückensperrung mit all ihren Auswirkungen für das gesamte Geschäftsmodell des Aquamagis bedeutet, wird sich erst abschätzen lassen, wenn klar ist, wie hoch die tatsächlichen Verluste ausfallen. Und zu den offenen Fragen gehört auch, ob es noch einmal Corona-Hilfen oder andere Hilfszahlungen geben werde.

Kamikaze-Rutsche steht auf der Kippe

Erst einmal werde alles auf den Prüfstand gestellt. „Was kann man zum Beispiel mit den Ferienhäusern machen, wenn sie nur zu zehn statt 40 Prozent ausgelastet sind“, nennt Allmann ein Beispiel. Auch geplante Investitionen wie die für 2023 geplante neue „Kamikaze“-Rutsche für 2,2 Millionen Euro stünden dann zur Disposition. Letztlich sei es eine Entscheidung der Politik, aber diese könne sich ebenso gut für wie gegen die Rutsche entscheiden.

„Man könnte sagen: Jetzt erst recht, damit wir den Kunden mit der neuen Rutsche etwas bieten und auch jemand aus Dortmund dafür ins Aquamagis fährt. Oder man sagt, wir müssen es aufschieben, weil wir es uns jetzt nicht leisten können“, erklärt Allmann. „Beide Seiten sind nachvollziehbar.“

Der Aquamagis-Chef selbst tendiert allerdings eher zum „Jetzt erst recht“, also trotz schwieriger Zeiten in eine Attraktion wie die neue Rutsche zu investieren. Denn er hofft, dass Kunden, die aktuell wegen der Verkehrssituation auf einen Badbesuch verzichten, irgendwann auch eine längere Fahrt auf sich nehmen. Die neue Kamikaze-Rutsche wäre dann ein gutes Argument für einen Besuch.

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