Digitalisierung

Hunderte iPads kommen - wie es mit der digitalen Ausstattung der Schulen in Plettenberg weitergeht

Mehrere hundert Tablets sollen demnächst für die Plettenberger Schulen angeschafft werden.
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Mehrere hundert Tablets sollen demnächst für die Plettenberger Schulen angeschafft werden.

Mehr als eine Million Euro sollen in den kommenden zwei Jahren in die digitale Ausstattung der Schulen fließen. Unter anderem sollen mehrere hundert iPads angeschafft werden – das ist die gute Nachricht. Die schlechte: Der tatsächliche Bedarf an digitalen Endgeräten an den Schulen lässt sich auch damit nicht abdecken.

Plettenberg – Durch Lockdown und Distanz-Unterricht während der Corona-Pandemie sind die Themen Digitalisierung und digitale Ausstattung der Schulen selbst sowie der Lehrer und Schüler wichtiger denn je. Wie der Schul- und Kulturausschuss am Dienstagabend erfuhr, wird die Stadt in diesem Bereich stark investieren.

Matthias Steinhoff, Fachbereichsleiter Interne Serviceleistungen, wies den jüngst in einem – aus seiner Sicht „ungehörigen“ – Leserbrief erhobenen Vorwurf, es werde zu wenig für eine moderne Ausstattung der Schulen getan, noch einmal entschieden zurück: „Das ist ein grob unfairer Umgang.“ Seit 2017 habe man 565 000 Euro in die IT-Ausstattung der Schulen gesteckt. Auch die Ausschussvorsitzende Kirsten Jütte (CDU) sowie Renate Chowanetz (SPD) stimmten zu, es sei in den vergangenen Jahren ordentlich investiert worden.

2021 und 2022 wird noch einmal eine Schüppe draufgelegt: Über den DigitalPakt NRW können rund 787 000 Euro – davon 10 Prozent städtischer Eigenanteil – investiert werden. Hinzukommen ca. 100 000 Euro aus dem jährlich fortgeschriebenen Medienentwicklungsplan der Stadt. Insgesamt also eine Summe von etwa 887 000 Euro.

In der Sitzung referierte Wolfgang Wirtz von der Firma Dr. Garbe, Lexis & von Belepsch, die die Stadt seit mehreren Jahren im Bereich der IT-Ausstattung berät, darüber, wie die Mittel verwendet werden sollen. Dabei sollen etwa zwei Fünftel der Summe für das Jahr 2021 ausgegeben werden, die verbliebenen drei Fünftel im Jahr darauf.

Anzeigegeräte

Nach den Investitionsgesprächen mit der Stadt sei laut Wirtz nun geplant, rund 156 000 Euro in Präsentations- und Anzeigegeräte – also digitale Tafeln zu investieren – darunter 10 rein passive Geräte und 11 interaktive.

Geräte-Pool

Des Weiteren werden knapp 99 000 Euro in mobile Endgeräte gesteckt, die dann in den Geräte-Pools an den Schulen selbst zur Verfügung stehen. Von diesen sollen rund 200 Stück beschafft werden. „Natürlich könnte man bei einem erneuten Lockdown auch darüber reden, ob auch diese Pool-Geräte ausgeliehen werden können“, sagt Wirtz.

Endgeräte für Schüler

Zusätzliche Mittel aus dem DigitalPakt gibt es außerdem für die Sofortausstattung mit digitalen Endgeräten für Schüler und Lehrer. Insgesamt rund 159 000 Euro – davon wieder 10 Prozent Eigenanteil der Stadt – stehen dabei für die Anschaffung von Geräten für Schüler, die zuhause nicht auf bestehende technische Geräte zurückgreifen können. Den Maximalbetrag von 500 Euro pro Gerät nannte Wirtz dabei „sportlich“. Wenn zu einem Tablet auch noch Tastatur und Stift hinzukämen, reichte das nicht mehr aus. Rein rechnerisch ließen sich damit 318 iPads anschaffen, sagte Wirtz: „Benötigt werden aber 740. Wir reden von mehr als dem Doppelten.“

Auch wenn dies nur eine Momentaufnahme ist, hatten die Schulen diesen Bedarf an den Schulträger zurückgemeldet, basierend darauf, mit welchen Geräten Schüler während des Lockdowns gearbeitet hätten. Viele Schüler hätten in dieser Zeit kein anderes Gerät als ein Smartphone zur Verfügung gehabt, berichtete etwa Sandra Noltsch, Leiterin der Hauptschule: „Nur 10 Prozent hatten Zugang zu einem Arbeitsgerät.“

Aber es hakt nicht nur an der Hardware. „Einige Eltern haben kein zuverlässiges-Lan, sodass die Kinder, wenn es noch einmal zu einem Lockdown kommt, gar nicht konsequent arbeiten könnten“, wies Realschulleiterin Monika Storm auf ein weiteres Problem hin.

Endgeräte für Schüler

Die Zahl der Lehrer-Endgeräte, die sich mit den dafür zur Verfügung stehenden knapp 100 000 Euro beschaffen ließen, liegt mit 199 nur knapp unter dem ermittelten Bedarf von 207.

Soweit die Theorie. Wie viele iPads sich tatsächlich beschaffen lassen, hängt von der Ausschreibung ab, die zentral über das SIT-Rechenzentrum läuft. Die Stadt Plettenberg hat hierfür die Mindestzahl von 500 Geräten angegeben.

Stadtkämmerer Jens Groll befürchtete allerdings, dass mit der Nachfrage von vielen Schulträgern auch die Preise steigen: „Die entscheidende Frage ist, ob wir die Geräte überhaupt bekommen.“

Und wenn man alle 2600 Plettenberger Schüler ausstatten wollte, müsste man wohl bis zu 1,5 Millionen Euro investieren. So sah der Kämmerer denn auch die Förderung aus dem DigitalPakt mit gemischten Gefühlen. „Inhaltlich ist das ein Quantensprung“, sagte Groll. Die Mittel seien aber „nur ein Tropfen auf den heißen Stein“. Auch dass sich die Städte sich um Anschaffung und Wartung kümmern müssten, kritisierte er. „Die Städte sind mal wieder die Gelackmeierten. Wir müssen uns auf einiges gefasst machen, wenn wir entscheiden sollen, wer etwas kriegt. Es wird politischen Druck geben.“

Die Befürchtung, es könnte Streit um die Verteilung der Geräte geben, teilte Elisabeth Minner, Schulleiterin des Albert-Schweitzer-Gymnasiums, allerdings nicht. Wie schon in anderen Bereichen würden sich die Schulen untereinander verständigen und zu einer guten Lösung kommen, war sie sich sicher: „Ich sehe da nicht ganz so schwarz, dass wir ein Hauen und Stechen haben.“

Warum eigentlich iPads?

Angeschafft werden sollen iPads (Modell von 2019) mit einem 10,2-Zoll-Display, 128 GB Speicher, zuzüglich einer Tastatur und stabilen Hülle für das Gerät. Die gleichen Geräte sollen für Schüler und Lehrer im Rahmen der Sofortausstattung sowie für die Geräte-Pools der Schulen angeschafft werden. Ziel sei eine homogene Gerätelandschaft, da die Geräte sonst nicht wirtschaftlich zu beschaffen und zu verwalten, so Berater Wolfgang Wirtz. Außerdem seien die Apple-Geräte sehr langlebig, verfügten über eine lange Akku-Laufzeit und würden über einen Zeitraum von sechs Jahren Updates zur Verfügung gestellt bekommen. Das sei bei Geräten mit dem Betriebssystem Android nicht der Fall.

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