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Ein Parkscheinautomat am Tor zur Innenstadt erhitzt die Gemüter 

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Von: Georg Dickopf

Die Innenstadt sollte vom P-Center profitieren. Die fußläufige Verbindung in Richtung Alter Markt ist zurzeit wenig einladend. Das sei angesichts der 90-minütigen Höchstparkdauer nun vollends vorbei, befand Carsten Hellwig.
Die Innenstadt sollte vom P-Center profitieren. Die fußläufige Verbindung in Richtung Alter Markt ist zurzeit wenig einladend. Das sei angesichts der 90-minütigen Höchstparkdauer nun vollends vorbei, befand Carsten Hellwig. © Dickopf, Georg

In seltener Einmütigkeit zeigte sich der Stadtrat in der Sitzung am Dienstag, als es um das Thema Parkautomaten an der Kaiserstraße ging. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Patrick Hansmann erklärte dabei, dass man sich interfraktionell besprochen, beraten und abgewogen habe und zunächst auf die Erstellung eines Parkraumbewirtschaftungskonzeptes setze, das zeitnah erstellt werden sollte.

Plettenberg – FDP-Fraktionschef Carsten Hellwig gab zu verstehen, dass es nicht immer so sei, er aber Hansmanns Vorschlägen folgen könne. Auch mit Blick auf den in der Heimatzeitung veröffentlichten Leserbrief unzufriedener, auswärtiger Besucher gab der Liberale zu verstehen, dass man die Wirkung solcher Automaten nicht unterschätzen dürfe.

„Wir haben nicht viele Vorteile in dieser Stadt“, so Hellwig. Er habe „riesige Angst davor“ , dass die Maßnahme nach hinten losgehen und die Innenstadt an Attraktivität verliere könnte. „Wir sollten uns diese Vorteile nicht durch einen Parkautomaten kaputt machen“, befand Hellwig, der dafür sogar Szenenapplaus bekam. Andreas Patry (PWG) appellierte an das Ordnungsamt, die Parkscheiben häufiger zu kontrollieren.

„Die erhöhte Kontrolldichte gibt es bereits“, entgegnete Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel und verwies auf Einnahmen in Höhe von 100.000 Euro durch mehrere tausend Knöllchen in diesem Jahr. „Daran kann es nicht liegen“, befand er, der die Automatenaufstellung im Bereich Kaiserstraße – und nur dort – als „Mittel zur Gefahrenabwehr“ verteidigte, um so Unfälle mit Fußgängern zu vermeiden. „Es ist teilweise clownesk, wenn wir dort kontrollieren und die Leute aus den Häusern kommen, um die Parkscheibe weiterzudrehen“, berichtete Spiegel. Auf diese Weise würden viele Parkplätze blockiert, die für die Besucher der Arztpraxen oder Geschäfte benötigt würden.

Was das geforderte Parkraumbewirtschaftungskonzept angeht, konnte Planungsamtsleiter Till Hoffmann den Ratsmitgliedern gliedern wenig Aussichten auf eine schnelle Verwirklichung machen. „Wir sind dran“, sagte Hoffmann, der aber auch wegen der personellen Neubesetzung im Rathaus erst mit einer Präsentation im Februar nächsten Jahres rechnet.

Zeit gewinne man allerdings dadurch, dass man das Konzept selbst erstelle und nicht noch andere Behörden mit einbinde. „Sonst dauerte das schnell mal ein Jahr“, so Hoffmann, der in dem Zusammenhang betonte, dass die Innenstadt grundsätzlich und auch nach damaliger Gutachtermeinung „extrem autofreundlich“ sei und sehr viele Parkplätze im Innenstadtbereich vorhalte.

Deutlich weniger euphorisch war Carsten Hellwig, der sich eine frühere Fertigstellung des Konzepts erhoffte und auf die automatische Kennzeichenerfassung am P-Center verwies. „Am Hitmarkt gab es beim Parken eine Verschlechterung. Und die Innenstadt wird mit einer 90-minütigen Parkdauer dort gar nicht belebt“, sagte Hellwig mit Blick auf das bei der P-Center-Planung hochgepriesene Knochen-Prinzip. Demnach sollte die Innenstadt von dem vor den Toren gelegenen P-Center profitieren, in dem die Leute dort einkauften, aber anschließend auch noch einmal durch die Innenstadt bummeln sollten. Das sei nun überhaupt nicht mehr machbar.

„Das alles spielt in die Thematik mit rein. Das ist schlecht“, so Hellwig, der sich auch wegen der oft gehörten Bürgerkritik an der Innenstadtgestaltung dünnhäutig zeigte. „Wir haben viel in die Innenstadt investiert, sind aber gerade dabei, alles kaputt zu machen.“ In den Nachbarstädten werde vorgemacht, wie man es besser machen könne, so Hellwig.

Auch Peter Krieger (CDU) fand es wenig ratsam, mit der Kaiserstraße eine Straße herauszupicken. Man müsse das Thema Parken insgesamt neu regeln.

Martina Reinhold (SPD) stieß ins gleiche Horn und befürwortete ebenfalls eine Parkraumregelung „aus einem Guss“. Auch wegen der zu erwartenden Widerstände der Bevölkerung sei es sinnvoll, ein Gesamtkonzept vorzulegen und sich nicht immer wieder rechtfertigen zu müssen. „Mein Langmut ist irgendwann auch mal am Ende“, gab Reinhold zu verstehen, zumal das Parken seit sieben Jahren ein Thema sei. „Und jetzt brauchen wir noch ein halbes Jahr.“

Letztlich wurde die Automaten-Errichtung an der Kaiserstraße abgelehnt. Bei zwei Gegenstimmen gab es eine große Mehrheit für eine mögliche Umsetzung erst nach Fertigstellung des Parkraumbewirtschaftungskonzeptes.

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