Zwischenbilanz in der Bonifatiuskirche

Ein Jahr Kita in der Kirche: Was die Beteiligten sagen und wie es weitergeht

Bevor die Kita-Kinder aus Holthausen in die Bonifatiuskirche umziehen konnten, musste diese dafür aufwändig umgebaut werden.
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Bevor die Kita-Kinder aus Holthausen in die Bonifatiuskirche umziehen konnten, musste diese dafür aufwändig umgebaut werden. Wie lange diese Zwischenlösung noch gebraucht wird, ist nicht sicher.

Das zurückliegende Kita-Jahr war für viele Kinder aus Holthausen und ihre Familien alles andere als normal. Das lag nicht nur an Corona, sondern auch am Umzug ins einige Kilometer entfernte Oestertal in die umgebaute Bonifatiuskirche. Noch ist nicht abzusehen, wie lange diese Übergangslösung über das Kita-Jahr 2020/21 hinaus bestehen bleibt. Zeit für eine Zwischenbilanz.

Plettenberg – Rückblende: Bereits vor zwei Jahren fiel der Beschluss, die Vier-Täler-Schule umzubauen. Mit relativ geringem Aufwand sollte dort eine große Kindertagesstätte entstehen, die die beiden städtischen Kitas in Holthausen ersetzen sollte. Auch sollte die Schule danach erweiterte Räume für die OGS-Betreuung und die Volkshochschule Lennetal bieten. Andere Varianten, um die Kinder der bisherigen Kita Kunterbunt während des Umbaus vorübergehend unterzubringen, schieden aus, darunter auch eine Container-Lösung in Holthausen. Aus Sicht der Stadt blieb nur noch eine Möglichkeit: die ehemalige Kirche St. Bonifatius im Oestertal.

Doch gegen diese gab es vor allem seitens der Eltern Bedenken. Zu dunkel, zu laut – wegen des hallenden Kirchraums –, zu weit weg von Holthausen, waren die wesentlichen Argumente. Als dann in der Vier-Täler-Schule auch noch Asbest gefunden wurde, erhöhte das den Druck auf Verwaltung und Politik, schnell eine Lösung zu finden. In einer Sondersitzung wurde am 9. Juli 2020 beschlossen, dass die Kinder zum Kita-Jahr 2020/21 in die Bonifatiuskirche ziehen sollten. Diese hatte die Stadt erworben, um später dort das Stadtarchiv unterzubringen.

Nun erfolgten im Eiltempo der Umbau und die kindgerechte Einrichtung der Kirche. Für mehr Helligkeit wurden etwa einige Kirchenfenster ausgebaut. Am 10. August nahm dann der U3-Bereich den Betrieb auf, in der Woche darauf dann die restliche Kita. Was noch nicht fertig war, wurde in den folgenden Monaten noch ergänzt, etwa Stoffsegel, die für weniger Hall sorgen sollten. Geräte für den Außenbereich und eine Umzäunung kamen im Herbst dazu.

Nun geht das Kita-Jahr für die 60 dort betreuten Kinder zu Ende, doch die Räume an der Oestertalstraße 100 werden weiterhin gebraucht. Wir haben Kita-Leitung Olaf Kriebel, einige Eltern und Bürgermeister Ulrich Schulte gefragt, wie die Bilanz des ersten, aber nicht letzten Kita-Jahrs mit dieser Zwischenlösung ausfällt.

Das sagt der Kita-Leiter

„Die Kita ist gut angenommen worden, auch von den Eltern, die am Anfang große Bedenken hatten und sich gar nicht vorstellen konnten, wie es aussieht“, sagt Kita-Leiter Olaf Kriebel, der sowohl für den Kita-Standort in der Bonifatiuskirche als auch für die Kita Holthausen verantwortlich ist. Es sei allgemein ein schwieriges Jahr gewesen – auch durch Corona.

Man habe einigen Eltern das schlechte Gewissen nehmen müssen, wenn sie ihre Kinder in Corona-Zeiten in die Kita brachten. Genauso musste anderen die Angst genommen werden, dass ihr Kita-Platz nicht verfällt, wenn sie ihr Kind längere Zeit zuhause behalten. „Es war für viele Eltern ganz, ganz schwierig“, fasst Kriebel zusammen.

Es wäre schöner, wenn wir alle in einem Gebäude wären, das würde viele Dinge vereinfachen.

Olaf Kriebel, Kita-Leitung 

Dennoch hätten sich die Kinder gut in den Räumlichkeiten eingelebt. Neben den Spielgeräten auf dem Außengelände bietet auch der nahe Wald Möglichkeiten für Aktivitäten draußen. Dennoch gibt es Ideen für Verbesserungen. „Wir möchten noch eine Bewegungslandschaft draußen umsetzen und weitere Fahrzeuge für die U3-Kinder.“ Die vorhandenen Fahrzeuge seien nämlich eher für Kinder über drei Jahren ausgelegt.

Die U3-Gruppe im Oestertal werde im Übrigen gezielt von Eltern angefragt, was aber daran liege, dass es am Holthauser Standort keine U3-Gruppe gebe. Ebenso werde der Shuttle-Service, der wegen der Distanz nach Holthausen angeboten werde, gut und regelmäßig genutzt, wenn auch durch Corona etwas weniger.

Bei den gelegentlichen Nachfragen vom Elternrat oder von einzelnen Eltern, wie lange die Zwischenlösung im Oestertal noch bestehen bleibt, spiele auch vor allem die Entfernung eine Rolle. „Einige Eltern sind schon genervt und das kann ich auch nachvollziehen“, sagt Kriebel, der die Frage allerdings selbst nicht beantworten kann.

Obwohl auch die Mitarbeiterinnen sich im Laufe des Jahres ebenfalls in den neuen Räumen eingelebt haben und in die Arbeit immer mehr Routine gekommen ist, bleibt für das gesamte Kita-Team die räumliche Trennung der zwei Standorte eine logistische Herausforderung. Dies betrifft die Organisation von Teamsitzungen ebenso wie die Entwicklung gemeinsamer pädagogischer Konzepte. „Es wäre schöner, wenn wir alle in einem Gebäude wären, das würde viele Dinge vereinfachen“, sagt Kriebel.

Nach dem Umbau der Kirche zur Kita werden Aspekte wie Helligkeit und räumlicher Platz von Eltern gelobt.

Das sagen die Eltern

Die Kita an sich wird von den befragten Eltern gelobt. „Es ist besser als ich vorher gedacht habe“, sagt Jasmin Lindner. „Ich war vorher sehr skeptisch, weil das Gebäude so dunkel und laut war, es wurde aber doch recht gut umgesetzt.“ Jasmin Ksontini meint ebenso: „Ich finde, es ist schöner geworden, als man es sich am Anfang gedacht hat.“ Damit könne man gut leben. „Ab und zu fehlt vielleicht noch das Konzept“, merkt sie allerdings an.

Rundum zufrieden äußert sich Lena Weißflog: „Ich kann nur Gutes sagen. Ich finde die Einrichtung super, auch die Lage und das Personal.“ Da ihre Tochter ihre Kita-Zeit erst im Oestertal begonnen hat, fehlt Weißflog zwar die Vergleichsmöglichkeit mit dem alten Standort. Wichtig für sie ist aber: „Meine Tochter kommt gerne hierhin.“ Besonders positiv fand sie auch, dass sie ihr Kind in der Pandemie durchgehend in die Betreuung bringen konnte. Obwohl sie sogar in Ohle wohnt – sie hatte ihre Tochter in Holthausen angemeldet, weil sie dort arbeitet – empfindet Weißflog die lange Pendelstrecke zur Kita nicht als Belastung.

Das ist eine lange Strecke mit zwei kleinen Kindern im Auto, das ist schon sehr anstrengend.

Jasmin Lindner

Anders sieht Jasmin Lindner die Distanz zwischen Holthausen und dem Oestertal. „Das ist eine Katastrophe, davon ist man unfassbar genervt“, sagt sie. „Das ist eine lange Strecke mit zwei kleinen Kindern im Auto, das ist schon sehr anstrengend.“ Ab dem nächsten Kita-Jahr wird diese Anstrengung nicht geringer, denn dann kommt die ältere Tochter in eine Gruppe in Holthausen, die jüngere bleibt im Oestertal. Schon im Vorfeld macht Lindner sich Gedanken, wie das funktionieren soll. „Ich würde mir definitiv wünschen, dass klarer gesagt wird, wie lange es noch so bleibt“, fordert sie mehr Klarheit zur Zukunft der Zwischenlösung. Vor allem sollte stärker berücksichtigt werden, dass Geschwister möglichst denselben Standort besuchen können, „damit man nicht das Mehrere-Standorte-Problem hat“.

Wenn es noch ein paar weitere Spielgeräte gäbe, könnten die Kinder auch noch ein Jahr länger im Oestertal bleiben, meint Jasmin Ksontini, eine baldige Rückkehr nach Holthausen sei wohl aussichtslos. Sie kritisiert aber die Kommunikation in dieser Hinsicht. „Da fehlt mir die Transparenz von der Politik. Es wird nichts dazu gesagt, sondern das Thema totgeschwiegen“, sagt Ksontini. „Das Jahr ist jetzt rum und die Kinder bleiben einfach hier.“

Das sagt die Stadt

Nach Ansicht von Bürgermeister Ulrich Schulte seien alle beteiligten Kinder, Eltern und Erzieherinnen gut in der Einrichtung angekommen. „Den Kindern ist erfahrungsgemäß die Umstellung schnell geglückt.“ Sie haben die neuen Räumlichkeiten gut angenommen und sich gut eingelebt.

„Nachdem sich die Eltern auf die Situation eingelassen haben, ist auch die Akzeptanz für die Unterbringung in der ehemaligen Kirche gut“, so Schulte. Einige hätten mitgeteilt, dass sie sich nicht hätten vorstellen können, dass der Umbau so schön sein würde. Mittlerweile würden Helligkeit und der räumliche Platz gelobt. Auch von den Erzieherinnen würden diese Themen – ebenso wie Schallschutz, Wärme oder technische Ausstattung – nicht mehr kritisch gesehen.

Von zehn Abmeldungen im Sommer 2020 wurde nur bei zwei Kindern der Standort als Kündigungsgrund angegeben, berichtet der Bürgermeister, wie gut die Kita angenommen werde. Es gebe gezielte Anmeldungen für die U3-Gruppe aus dem ganzen Stadtgebiet, für andere Gruppenformen kämen Anfragen vorwiegend aus dem Oestertal.

Die Nutzungsdauer der Zwischenlösung hängt von der Form des Neubaus in Holthausen ab.

Bürgermeister Ulrich Schulte

Dass Eltern häufig den Sachstand zum Neubau hinterfragen und ihr Unverständnis bekundeten, dass in Holthausen noch nichts passiert sei, weiß Schulte. „Ebenso sind sie ungeduldig, da nichts über die zeitliche Perspektive bekannt ist.“ Doch noch kann er nicht abschließend Auskunft dazu geben, denn: „Die Nutzungsdauer der Zwischenlösung hängt davon ab, in welcher Form ein Neubau in Holthausen erfolgen wird.“

Am 11. März 2021 habe der Bau- und Liegenschaftsausschuss (BuLa) den Abriss der Vier-Täler-Schule beschlossen, aber noch nicht, in welcher Form der Neubau erfolgen soll, so Schulte. Neben zwei von der Verwaltung erarbeiteten Varianten forderte die Politik eine weitere Variante zu prüfen, nämlich den Abriss von Kita und Schule und die anschließende Zusammenfassung beider Einrichtungen in einem modernen Neubau.

„Diese Prüfung läuft gerade mit externer Unterstützung gemeinsam mit der Planung des Rückbaus“, erklärt Schulte. Ein Beschluss soll in der nächsten BuLa-Sitzung im September erfolgen. „Wie lange es dann dauert, bis die Kita wieder nach Holthausen zieht, kann nicht gesagt werden. Die Zeitdauer hängt von der beschlossenen Variante ab.“

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