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Ein alter Schinken ganz neu: Romeo und Julia modern interpretiert

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Von: Volker Halbhuber

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Die Interpretation des Shakespeare-Stücks fiel am Alten Markt überaus modern aus.
Die Interpretation des Shakespeare-Stücks fiel am Alten Markt überaus modern aus. © Halbhuber

Die Mitglieder des TollMut-Ensembles begeisterten am Samstag (16. Juli) auf dem Alten Markt mit ihrer modernen Version von Shakespeares Romeo & Julia, bzw. Julia & Romeo.

Plettenberg – „Kitschnudeln, seid vorgewarnt – um die erste Liebe, die große Liebe oder die ewige Liebe geht es hier nicht. Vielleicht ging es darum noch nie. Stattdessen ziehen neun Darstellende und sieben Tänzerinnen mit Julia, Romeo und allen jungen Menschen in die Schlacht. Gekämpft wird gegen irre Traditionen, gegen blinden Gehorsam und für ihre Zukunft, ihr eigenes Glück und das Recht auf Selbstbestimmung.“

Vollmundige Ankündigung

Die Ankündigung des TollMut Projektes des Bruchwerk Theaters aus Siegen zu ihrer Version von Julia & Romeo waren groß, wurden dem Ensemble und der Interpretation aber letztlich vollkommen gerecht. „Ich bin leckeres Stück Fleisch! Ich bin ein ausgesprochen leckeres Stück Fleisch!“, sagt allein schon, dass die junge Siegener Schauspielgruppe nicht viel von alter Ausdruckssprache hielt, sich aber dennoch mit Reim, Gedicht, aber keinem Blatt vor dem Mund an den roten Faden von Shakespeares Liebesdrama hielt.

Derbe, sexistische Sprüche Mercutios und eindeutige Gestiken wie der Stinkefinger gehörten in der modernen Interpretation wie auch die gewollte Mischung der Geschlechter. So wurde Shakespeares Pater Lorenzo einfach gegen Schwester Loretta getauscht, die in ihrer Art etwas Hexenartiges, aber dennoch versöhnliches mit sich brachte.

Den Zuschauern gefiel der Auftritt des Bruchwerk-Theaters.
Den Zuschauern gefiel der Auftritt des Bruchwerk-Theaters. © Halbhuber

Die Fehde zwischen den Capulets und den Montagues spielte zwar auch in der modernen Fassung in Verona, erinnerte durch das Bühnenbild mit der Lkw-Bühne, auf der sich auch der Balkon befand, und die herumliegenden Autoreifen und Ersatzteile mehr an einen Familienzwist in Ghettoregionen.

Wer „Fack ju Göhte“ gesehen hat weiß, dass man mit vermoderten Stücken heute keine jungen Leute erreicht. Die jungen Leute ticken heute anders. In der heutigen Zeit, wo überall gegendert wird und Sprache teilweise verweichlicht wird, um niemanden zu diskreditieren, kommt eine junge Gruppe an Schauspielern und zeigt, dass Theater auch mit viel Blut und derben Sprüchen durchaus modern und keinesfalls beleidigend ankommt.

Das TollMut-Ensemble hat mit ihrer Interpretation mit verspiegelten Brillen, einem Flamingo-Schwimmring und unverschnörkelter Sprache nicht nur den jungen Besuchern unterm Stephansdachstuhl Romeo & Julia verständlich rübergebracht.

Auch für älteren Besucher wurde „ein alter Schinken“ nachvollziehbar und verständlich, ohne die Geschichte zu verzerren.

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