Sorge um Flächen in Sauerland

Größter Kreditgeber übernimmt Kontrolle: Dura für 65 Millionen Dollar verkauft

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Blick auf das zehn Hektar große Dura-Werk in Plettenberg, das die Stadt gerne übernehmen oder weitervermitteln würde, um den Mangel an Gewerbeflächen zu beheben.

Plettenberg – Auch eine 400 Millionen US-Dollar schwere Finanzspritze half dem Automobilzulieferer Dura mit Sitz in Auburn Hills (Texas) nicht mehr. Bereits im Mai – so vermeldet es das Wall Street Journal– kam das Ende. 

 „Das einstige Kronjuwel des Produktionsimperiums von Lynn Tilton“ – so beschreibt es Autor Peg Brickley – werde nun einem sogenannten Chapter-7-Treuhänder überlassen. Der Richter, der die Insolvenz von Dura leitete, habe dem Verkauf des Unternehmens an den Senior-Kreditgeber Bardin Hill Investment Partners LP zugestimmt, der die Kontrolle über das Geschäft übernommen habe.

Zehn Jahre gehörte Dura dem amerikanischen Investmentfonds Patriarch Partners unter der Leitung von Lynn Tilton. Weltweit zählte der Dura-Konzern 36 Werke, über 12.000 Mitarbeiter und erzielte in seinen besten Zeiten 1,6 Milliarden Dollar Umsatz. 

Doch das ist Geschichte, das Dura-Werk an der Königstraße wurde im Mai 2019 ebenso geschlossen wie das Werk in Kirchhundem-Selbecke. Davor gab es einen erbitterten Kampf um die Arbeitsplätze, um Abfindungen und Sozialpläne. Und es gab kuriose Ereignisse, die auch mit der amerikanischen Unternehmenskultur zu tun hatten. 

Denn als die Plettenberger Arbeitnehmer streikten, ließ Lynn Tilton kurzerhand Aushilfsarbeiter aus Portugal einfliegen, die im Sauerland-Stern in Willingen untergebracht wurden und mit Bussen gen Plettenberg gebracht wurden, um dort die Arbeit der streikenden Dura-Mitarbeiter zu übernehmen. 

Doch damit nicht genug: Als die Amerikaner dann auch noch Produktionsmaschinen per Lkw abtransportieren wollten, um diese nach Portugal zu verlagern, gab es Menschenketten und tumultartige Szene vor dem traditionsreichen Betriebsgelände an der Königstraße. 

Seit Mai letzten Jahres tut sich fast nichts mehr auf dem zehn Hektar großen Gelände. Im Oktober 2019 gab es noch einmal einen Hoffnungsschimmer für Bürgermeister Ulrich Schulte, der das Dura-Areal gerne für einen symbolischen Euro kaufen würde. 

Mitten bei der Veranstaltung „Hammer-idee“, bei der Prof. Dr. Peter Vieregge gerade über die Zukunft der Plettenberger Industrie sprach, vibrierte im Zuschauerraum das Handy des Bürgermeisters. In dem Moment erhielt er eine Nachricht von Dr. Pierre Glozbach, dem Chefjustiziar der Firma Dura in Düsseldorf. Der von der Amerikanerin Lynn Tilton geleitete Automobilzulieferer signalisierte seinerzeit, vorerst kein Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Stadt Plettenberg bei der Vermarktung und Sanierung der aufgegebenen Dura-Flächen an der Königstraße zu haben. 

„Es hieß, dass man sich lieber um eine direkte Vermarktung kümmern möchte“, teilte Bürgermeister Ulrich Schulte im Oktober auf Anfrage mit. Das gesamte Prozedere sei Dura zu langwierig. 

Jetzt wurden die Karten mit der Dura-Verkauf neu gemischt und Bürgermeister Ulrich Schulte sowie Amtskollege Andreas Reinéry aus Kirchhundem hoffen nun, einen neuen Ansprechpartner zu bekommen. Dabei spricht Ulrich Schulte bezüglich des neuen US-Eigentümers Klartext: „Was mit dem Dura-Restkonzern passiert, ist mir weitgehend egal – mich interessiert das Grundstück vor Ort.“ 

Ein Verkaufspreis sei ihm bisher noch nicht genannt worden, und ob die Verhandlungen jetzt von vorne beginnen, müsse man abwarten. Das rund 100.000 Quadratmeter große Areal wäre aus städtischer Sicht ideal, um den Bedarf an Gewerbeflächen zu decken. Dazu müsste das Gelände mit der größtenteils veralteten Bausubstanz allerdings zunächst von Altlasten befreit werden. 

Erste förderfähige Pläne zur Weiternutzung des Areals liegen bereits in der Schublade – allein der passende Ansprechpartner fehlt auch zwei Monate nach der Dura-Übernahme weiterhin.

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