Manche setzen nun auf Lierferservice

Die Gastronomie ächzt unter den neuen Bestimmungen

Der Lockdown trifft auch Tapas-Bar und Pizzeria Zum Brunnen.
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Düstere Zeiten: Der Lockdown für die Gastronomie trifft auch die Tapas-Bar (links) und die Pizzeria Zum Brunnen (rechts). Letztere wird nun wieder auf Lieferdienst und Selbstabholung setzen.

Plettenberg - Nachdem erst vor einer Woche eine Sperrstunde in der Gastronomie eingeführt wurde, müssen Gaststätten und Kneipen ab Montag den Betrieb nun komplett herunterfahren. Wie haben mit mehreren Betroffenen gesprochen.

Gasthof Zur Post

„Es ist schon traurig, für uns und für die Gäste“, sagt Theodoros Bulis vom Gasthof Zur Post. „Für unsere Gäste ist das hier wie ihr Wohnzimmer, die wollen es sich einfach gutgehen lassen.“ Dass die Leute nun nicht mehr ausgehen können und nur zu Hause bleiben müssen, sei auch psychologisch schwierig, findet er. „Aber wenn es nicht anders geht, ist es so“, sagt Theodoros Bulis.

„Das Telefon klingelt ununterbrochen wegen Absagen und Nachfragen der Gäste“, ergänzt Stefano Bulis. Für den November seien alle Veranstaltungen abgesagt worden. Ob man ab Montag Essen ausliefert, steht noch nicht fest. „Wir müssen das jetzt erst einmal sacken lassen und entscheiden dann, ob wir einen Lieferservice einrichten“, sagt Stefano Bulis.

Trotzdem hofft man, ab Dezember wieder normal öffnen zu können, sagt Theodoros Bulis. „Es wird schon“, gibt er sich verhalten optimistisch. Die Gaststätte Zur Post sieht er noch relativ gut aufgestellt. „Es ist bei uns nicht der Weltuntergang“, sagt Bulis. Andere Betriebe träfen die Maßnahmen härter. „Meine Kollegen – das sind keine Konkurrenten, sondern Kollegen – tun mir leid. Das tut uns allen weh.“

Pizzeria Zum Brunnen

„Natürlich ist es ärgerlich, aber da kann man nichts machen“, sagt Biagio Pace, Inhaber der Pizzeria Zum Brunnen. Nun sei es wieder wie im März und April, Verluste habe man sowieso schon gemacht. „Wir müssen kämpfen, dass wir über die Runden kommen. Wir sind schon am Limit.“

Die Entscheidung der Regierung kann Pace verstehen. „Ich finde es gut so, weil es um Menschenleben geht. Die Gesundheit geht vor.“ Von der Pandemie sei schließlich die ganze Welt betroffen.

„Wir müssen auch selbst aufpassen, denn wenn wir Corona kriegen, müssen wir komplett schließen“, sagt Pace. Bisher sei alles gut gegangen, da man die Hygienemaßnahmen sehr gut umgesetzt habe. Man müsse nun schauen, wie die Pizzeria weiterarbeiten kann. Das Restaurant wird am Montag geschlossen, aber Lieferdienst und die Möglichkeit zur Selbstabholung blieben bestehen. „Dann wird nur noch durchs Fenster verkauft“, sagt Pace.

Trotzdem stellt die erneute Schließung des normalen Restaurantbetriebes die Pizzeria vor finanzielle Probleme. Die angekündigten Ausgleichszahlungen in Höhe von 75 Prozent des Umsatzes vom Vorjahresmonat findet Pace als Hilfsmaßnahme in Ordnung: „Das ist genau das, was uns helfen würde.“ Aber selbst mit diesen Hilfen werde es schwer.

Haus Heidrich

„Für die Gastronomie ist es eine Katastrophe“, sagt Anzelika Heinz vom Haus Heidrich. Überrascht hat es sie nicht, dass der normale Gaststättenbetrieb nun nicht mehr möglich ist. „Es ist hart, weil die großen Feiern, zum Beispiel Silberne Hochzeiten, alle ausfallen. Die Leute haben alle abgesagt.“

Aufgrund der Corona-Pandemie hat Anzelika Heinz, bisher Pächterin des Gasthauses, auch ihr Gewerbe abgemeldet. Trotzdem macht sie weiter, aber nun als Angestellte des neuen Besitzers Cici Immobilien aus Werdohl, der Haus Heidrich ab Montag übernimmt (siehe Infobox). „In Corona-Zeiten ist das besser als selbstständig zu sein“, sagt sie.

Das Haus Heidrich wird weiter versuchen, durch Essenslieferungen Einnahmen zu bekommen. „Wir probieren es wie im Frühjahr“, sagt Heinz. Damals habe man schnell eine neue Lieferkarte geschrieben und in der Stadt verteilt. Nun schreibt man wieder eine neue Lieferkarte, diesmal mit typischen herbstlichen Gerichten wie Grünkohl oder Gans, und wird Werbung für dieses Angebot machen. Man hoffe, dass Leute das Gasthaus durch Bestellungen unterstützen, so Heinz.

Besitzerwechsel im Haus Heidrich

Zum 2. November, also mit dem neuen Lockdown, übernimmt Harun Cici, Inhaber von Cici Immobilien in Werdohl, die Gaststätte Haus Heidrich. Der Vorbesitzer kehre aus gesundheitlichen Gründen in die Türkei zurück und habe deswegen verkauft, sagte Cici auf Nachfrage des ST. Am gastronomischen Konzept sind kleine Änderungen geplant. Wichtig sei weiterhin die richtige Mischung aus deutscher und internationaler Küche, wie Cici erklärt. „90 Prozent der Stammgäste sind deutsche Kunden, deswegen werden wir natürlich sowohl eine deutsche als auch eine mediterrane Küche anbieten; auch Pizza möchten wir anbieten.“ Die Zeit des Lockdowns ab Montag soll auch dazu genutzt werden, sich zu überlegen, wie das neue Konzept nach Ende des Lockdowns umgesetzt werden könne.

Tapas-Bar

„Das trifft definitiv die Falschen“, sagt Jose Salgado Garcia, Inhaber der Tapas-Bar, zu dem ab Montag geltenden „Lockdown Light“. Die Gastronomie könne am wenigsten für die steigenden Infektionszahlen. Er verweist auf die Hygienemaßnahmen, die von den Gästen befolgt würden. „Die Leute kommen rein, desinfizieren sich die Hände und tragen auch alle eine Maske.“

Um die bisherigen Hygienevorschriften erfüllen zu können, habe er Geld investiert. „Ich habe zwei Desinfektionsmittelspender gekauft und zwei Luftreinigungsgeräte.“ Jose Salgado Garcia ist froh, mit dem Versandhandel von Feinkostartikeln ein zweites Standbein zu haben. „Wenn ich das nicht hätte, müsste ich einigen Mitarbeitern Tschüss sagen“, sagt er. Und die kämen dann möglicherweise nach der Krise nicht wieder. So könne er die Mitarbeiter halten.

Doch in anderer Hinsicht ist das zweite Standbein ein Nachteil, nämlich wenn es um die angekündigten Ausgleichszahlungen geht. Da beides – Tapas-Bar und Delikatessen-Laden – unter einer Firma laufe, kämen diese Zahlungen für ihn nicht infrage, sagt Salgado Garcia. Das Risiko, möglicherweise zu Unrecht die Hilfszahlungen zu beantragen und dann zurückzahlen zu müssen, möchte er nicht eingehen.

Im Gegensatz zu anderen Gastronomen bietet die Tapas-Bar keine Auslieferung von Speisen an und werde dies auch im nun kommenden Lockdown nicht tun. Er sorgt sich darum, dass sich der Geschmack der frisch hergestellten Tapas durch die Lieferzeit verschlechtert. „Wir können beim Liefern nicht die gleiche Qualität anbieten und bevor wir die Kunden verärgern, bieten wir es lieber gar nicht an.“

Übersicht auf P-Service

Um eine bessere Übersicht zu geben, welche Gastronomen einen Lieferservice anbieten, wird die KulTour GmbH die Plettenberger Gastronomen anschreiben, erklärt Geschäftsführerin Sylvia Eick. Auf der Webseite der KulTour GmbH sollen dann die Einträge im P-Service-Bereich entsprechend darum ergänzt werden, wer zu welchen Zeiten Essen ausliefert. Auch die Gastronomen könnten sich ihrerseits an die KulTour GmbH wenden.

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