Zwei Tiere verletzt

Ausgebüxte Jagdhunde attackieren Schafherde - das sagt die Polizei zur Diskussion um möglichen Waffengebrauch

Hunde greifen Schafherde Heidschnucken in Plettenberg Dermecke an.
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Eine Herde Heidschnucken wurde am Donnerstag in Plettenberg von zwei Hunden angegriffen. (Symbolbild)

Notfall in der Ortschaft Dermecke in Plettenberg: Dort haben zwei Hunde am Donnerstagmorgen eine Schafherde attackiert. Fünf Personen verteidigten die Tiere über einen Zeitraum von rund anderthalb Stunden, bis der Halter ausfindig gemacht werden und seine Hunde zu sich rufen konnte.

[Update, 14.18 Uhr] Plettenberg - Normalerweise geht es in der Ortschaft Dermecke auf halbem Weg zwischen dem Dingeringhauser Weg und Dingeringhausen eher ruhig und beschaulich zu. Doch am Donnerstagmorgen sorgte ein Polizeieinsatz plötzlich für helle Aufregung.

Ein Anrufer hatte zwei streunende Hunde gemeldet, die eine Schafherde attackieren würden. Sofort eilten die Beamten zum Ort des Geschehens in Plettenberg - und fanden sich mitten zwischen den aggressiven Hunden und den verängstigten Schafen wieder, von denen bereits zwei Tiere verletzt waren.

Hunde attackieren Schafherde in Plettenberg: Tiere bereits zuvor am Dingeringhauser Weg gesichtet

Von vorne: Zunächst erreichte die Polizei am Donnerstagmorgen eine Meldung vom Dingeringhauser Weg in Plettenberg, an dem ein Anwohner zwei herrenlose Hunde gesehen hatte. Als die Beamten vor Ort eintrafen, waren die Tiere aber schon verschwunden. Erst kurze Zeit später, als der Hilferuf aus der Dermecke kam, wurde klar, wo sich die Hunde nun befinden - nämlich unmittelbar bei einer Herde Heidschnucken.

Laut Auskunft der Polizei trafen die Beamten vor Ort auf zwei Bracken (das ist ein bestimmter Typ von Jagdhunden), die die Herde nicht nur aufscheuchten, sondern „mehrmals richtig zum Angriff ansetzten“. Eine für die Herde verantwortliche Person, zwei Jäger und die beiden Polizeibeamten stellten sich vor die Hunde und versuchten, die Schafe zu verteidigen. Mit lauten Schreien und fuchtelnden Bewegungen versuchten sie, die als eher menschenscheu geltenden Bracken zu vertreiben, was zwischenzeitlich auch gelang. Die Tiere flüchteten in den Wald, doch kehrten zurück, um wiederholt zum Angriff anzusetzen.

Hunde attackieren Schafherde in Plettenberg: Aufruf der Polizei nach dem Halter im Internet

Auf allen Wegen versuchte die Polizeileitstelle in der Zwischenzeit, den Halter der Hunde ausfindig zu machen. Sogar per Aufruf im Internet fahndete man nach dem Besitzer. Der entscheidende Tipp kam letztlich von einem ehemaligen Polizeikollegen, der die Beamten zu dem Halter führte. Zu diesem Zeitpunkt war bereits eine gute Stunde seit dem ersten Angriff der Hunde auf die Schafe vergangen. Gegen 9.20 Uhr traf der Halter in der Dermecke ein und bändigte seine Hunde, indem er sie zu sich rief.

Laut Polizei waren dem Halter die Tiere ausgebüxt. Wie bei Kaninchen, Pferden, Katzen oder anderen Tieren ist auch in diesem Fall der Besitzer haftbar für Schäden, die seine Hunde verursacht haben. Laut Polizei sind zwei Schafe verletzt worden; eines habe ein zerrissenes Fell aufgewiesen, das zweite habe gehumpelt. Halter und der Besitzer der Schafe haben sich nach Auskunft der Beamten vor Ort auf eine Schadensregulierung geeinigt, sodass die ansonsten erforderlichen zivilrechtlichen Schritte nicht nötig werden dürften und die Polizei keinen Grund für Folgemaßnahmen sieht.

Hunde attackieren Schafherde in Plettenberg: Erschießen oder nicht - das ist hier die (Facebook-)Frage

Noch mehr als die Frage der Schadensregulierung bewegte die Internetnutzer am Donnerstag die Frage, ob die Hunde hätten erschossen werden dürfen oder nicht. Schon innerhalb der ersten Stunde nach dem Polizei-Aufruf nach dem Halter bei Facebook entbrannte eine wilde Diskussion, die Polizeisprecher Christof Hüls im Nachgang als „völlig überzogen“ bewertete. „Der Schusswaffengebrauch muss das allerletzte Mittel der Wahl sein“, betont Christof Hüls.

In dem Fall in Plettenberg sei alles gut gegangen, weil sich die Hunde durch das Rufen und die Bewegungen abschrecken ließen. Wenn das nicht gefruchtet hätte, wenn die Hunde weiter alles angegriffen hätten, was ihnen vor die Augen kam, „dann hätten die Kollegen im Zweifel auch geschossen“, sagt Christof Hüls und erinnert an einen Einsatz vom August in Menden an der Grenze zu Balve, bei dem die Beamten eine Kuh erschießen mussten, die auf Menschen losgegangen ist.

Aber Hüls betont noch mal: „Der Schusswaffengebrauch ist eine Sache, die man uns überlassen muss. Und wir greifen nicht mal eben zur Waffe. Es muss gut überlegt und das letzte Mittel der Wahl sein. Und das ist nichts, was man aus der Entfernung auf Facebook entscheiden kann.“

Auch ein interessanter Fall mit lauter Schafen - Herde legt ganzen Ort lahm, wie das Video zeigt

Hunde attackieren Schafherde: Das war unsere Erstmeldung

[Erstmeldung] Wie die Polizei berichtet, sind am Donnerstagmorgen zwei Hunde an der Dermecke in Plettenberg auf eine Schafherde losgegangen. Weder der Schafhirte noch die Polizei konnten die tierischen Angreifer davon abhalten. „Wir suchen dringend nach dem Besitzer“, hieß es in der Eilmeldung.

Um 9.20 Uhr gab es dann Entwarnung: Der Halter der schwarz-braunen, kniehohen Hunde traf vor Ort ein. Die Hunde wurden gebändigt.

Die Polizei hatte zuvor um Hinweise an die Notrufnummer 110 gebeten - und bedankte sich nach Einsatzende bei allen Zeugen.

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