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Der Grund ist „enttäuschend“: Bürgerbusverein im MK löst sich auf

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Von: Hartmut Damschen

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Sehen keine Alternative zur Auflösung des Plettenberger Bürgerbusvereins: die Vorstandsmitglieder Gerd Teipel, Ulrich Schlotmann, Beate de Jong-Teipel und Christian Weil (von links).
Sehen keine Alternative zur Auflösung des Plettenberger Bürgerbusvereins: die Vorstandsmitglieder Gerd Teipel, Ulrich Schlotmann, Beate de Jong-Teipel und Christian Weil (von links). © Damschen

Sinkende Fahrgastzahlen, kaum Reaktionen aus der Bürgerschaft auf öffentliche Aufrufe: Der Bürgerbusverein Plettenberg hat sich nun auch offiziell aufgelöst, der Fahrbetrieb wird zum 31. Juli eingestellt. Appelle der heimischen SPD und ehemaliger Fahrer blieben ohne Erfolg

Plettenberg – Die Bürger hätten in den vergangenen Jahren zu wenig Interesse am Bürgerbus gezeigt und Hoffnung, dass sich dies in Zukunft noch einmal ändern könnte, bestünde auch nicht, hieß es auf der Versammlung.

Nicht mehr kostendeckend

Mit einem Dank an die Fahrer, für die Unterstützung des Landes NRW und an die Fahrgäste begann die letzte Versammlung des Bürgerbus-Vereins im Hause von Gerd Teipel und Beate de Jong-Teipel. Die bis zuletzt sehr engagierten Mitglieder haben nun endgültig das symbolische Handtuch geworfen. Enttäuscht stellte Beate de Jong-Teipel als 1. Vorsitzende fest: „Die Fahrgastzahlen sind in den letzten Jahren kontinuierlich zurückgegangen. Trotz persönlichen Engagements von uns Fahrern war eine Umkehr zu besseren Zahlen nicht zu erreichen. Anfang des Jahres haben wir in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung nach Betrachtung aller Fakten beschlossen, die Reißleine zu ziehen, da die Einnahmen durch den Verkauf der Fahrkarten noch nicht einmal mehr die Kosten für den Dieseltreibstoff decken konnten.“

Fahrer Edi Zielinski berichtete im ST-Gespräch von seinen Erfahrungen der letzten Zeit: „Ich bin Rentner und könnte mich auch schon morgens vor den Fernseher setzen. Ich möchte aber etwas tun. Wir wollen etwas tun. Wir wollen helfen. Wir wollen unseren Mitbürgern im Alltag helfen. Doch wir fahren einen halben Tag hin und her und haben am Ende nur eine Fahrkarte zu 2 Euro verkauft. Da fährt schon das schlechte Gewissen mit, dass man nur Sprit vergeudet.“

Versuche der Vereinsmitglieder, eine Erklärung für das geringe Interesse an dem Service der ehrenamtlich tätigen Bürgerbusfahrer zu erhalten, gab es genug: Fahren die Senioren wirklich so gerne bis ins hohe Alter mit dem eigenen Wagen, bis es nicht mehr geht? Und sind sie dann, wenn sie nicht mehr das eigene Fahrzeug steuern können, auch nicht mehr in der Lage mit dem Bürgerbus zu fahren? Reduzieren andere Fahrangebote die Fahrgastzahlen?

Fahrer Jochen Weber sagte: „Ich hatte noch vor Kurzem einen Bericht über die Situation und die Angebote des Bürgerbusvereins im Süderländer Tageblatt gelesen. Die Reaktion aus der Öffentlichkeit: Enttäuschend! Es kam keine.“

Klar ist, dass es sinnlos nicht nur scheint, sondern auch ist, einen leeren Bürgerbus hin und her zu fahren. Fahrgäste brächten nicht nur Einnahmen, sondern machten auch den Sinn des Vereins aus. Die Vereinsmitglieder betonten noch einmal die besondere Atmosphäre des Bürgerbusses: Nette Gesprächen am Rande der Fahrten, Hilfsleistungen beim Ein- und Aussteigen mit Gepäck und Einkäufen. Das wird auch nicht wiederkommen. Nichts sei zwar unmöglich, doch es sei höchst unwahrscheinlich, dass jemals wieder nach dem 31. Juli ein Bürgerbus durch Plettenberg fahren wird.

Gespräche mit Bürgermeister Ulrich Schulte und der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) hätten keine neuen Aspekte gebracht, die den Beschluss, den Verein aufzulösen, hätten ändern können.

„Einzig die zu geringen Fahrgastzahlen“

Hinzu komme, dass der bisherige Bürgerbus mit seinen sieben Jahren Betriebszeit ausgetauscht werden müsse. „Ein neuer Bus kostet rund 100.000 Euro, der mit 40.000 Euro vom Land NRW subventioniert wird. Wir können unter den gegebenen Voraussetzungen nicht mit gutem Gewissen eine solche finanzielle Verpflichtung eingehen“, ergänzte die 1. Vorsitzende.

An der Entscheidung ändert auch ein offener Brief der SPD-Ratsfraktion nichts. Beate de Jong-Teipel stellte klar: „Es sind nicht die wirtschaftlichen Verhältnisse, die uns zu dem Entschluss gebracht haben, sondern einzig und allein die zu geringen Fahrgastzahlen“.

Sigfried Klose, selbst ein Fahrer der ersten Stunde beim Bürgerbus und Gast bei der Versammlung, versuchte noch, eine Brücke zu bauen. Er meinte, dass nach Corona die Zahlen wieder zunehmen würden. Dagegen spricht jedoch die negative Entwicklung der Fahrgastzahlen bereits in den Jahren vor der Pandemie.

Die Weichen sind nun gestellt. Die Fahrer nehmen ihre Aufgaben noch bis zum 31. Juli wahr. Nicht so schnell enden werden die noch notwendigen anderen Aufgaben im Verein.

Das beweisen die noch durchgeführten Wahlen, die Ulrich Schlotmann als 2. Vorsitzenden und Gerd Teipel als 1. Beisitzer in ihren Ämtern bestätigten. Jochen Weber und Edi Zielinski werden die Kasse prüfen.

Es würde sich noch bis in das nächste Jahr hinziehen, bis der Bürgerbusverein auch rechtlich aufgelöst worden ist. Nicht enden soll so schnell der Zusammenhalt und gute Gemeinschaft der Fahrer untereinander. Nächste Treffen wurden schon besprochen.

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