Einst war das Café Schmellenkamp ein angesagter Treffpunkt in Eiringhausen

Tradition endet nach 101 Jahren: Das Café Schmellenkamp schließt für immer seine Pforten

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Das ehemalige Café Schmellenkamp in Eiringhausen wird zu Wohnzwecken umgebaut.

Plettenberg – Der geschwungene orangefarbene Schriftzug, das Baumkuchensymbol neben den mit Blumenkästen geschmückten Fenstern im ersten Stock, der Fachwerkgiebel: Das Café Schmellenkamp an der Bachstraße war allzeit nicht nur ein prägendes Gebäude am Eiringhauser „Pudding“, es machte auch einen einladenden Eindruck und war für Generationen von Äggerinern ein Treffpunkt.

101 Jahre nach der Gründung durch August Schmellenkamp am 5. Juni 1919 ist dies nun endgültig Geschichte. Das ehemalige Café mit Konditorei wird in diesen Wochen zu Wohnzwecken umgebaut. Dort, wo sich früher der Eingang und große Schaufenster befanden, gibt es nun vier gleichgroße Fenster, die Zwischenräume wurden zugemauert und verputzt.

Beste Zeiten lange her

Seine beste Zeit hat das Café fraglos schon lange hinter sich. Diese Zeit ist verknüpft mit dem Wirtsehepaar Liane und Ernst August Schmellenkamp, die fast 30 Jahre lang das Lokal als Gaststätte und Café führten. Am 26. August 1997 übernahmen dann die Brüder Karl-Heinz und Klaus Cramer, Bäcker aus Allendorf, nach einem Umbau das Geschäft.

Das Café mit 25 Plätzen blieb, die Gastwirtschaft wurde indes zu einer Schaubackstube, wo man dem Bäckermeister bei der Zubereitung von Brötchen und Brot zusehen konnte. Eine Konditorin sorgte für frische Torten und Sahneteilchen. Heute ist die Bäckerei Cramer in Plettenberg dienstags und freitags noch auf dem Markt vertreten, den stationären Betrieb im Café Schmellenkamp gab man aber auf.

2010 eröffnete stattdessen die Bäckerei Freiburg aus Rönkhausen an der Bachstraße, doch nach dem frühen Tod von Inhaber Thorsten Freiburg, der 2011 mit 46 Jahren verstarb, beschränkte sich Nachfolger Michael Stork auf das Kerngeschäft in Rönkhausen, beliefert Plettenberg nur noch mit Verkaufswagen. Danach versuchte die Familie Kirchhoff den Geschäftsbetrieb in Eiringhausen wieder anzukurbeln – langfristiger Erfolg war auch ihr nicht mehr beschieden. Die Kundschaft blieb aus, die letzten Betreiber des Cafés warfen das Handtuch.

Aerobic beim ersten Straßenfest 1983.

König im Schaufenster

Ganz anders die Situation in den 80er Jahren: Da florierte das Geschäft, war das Café Schmellenkamp ein beliebter Treffpunkt für Stammtische und den Schützenverein Eiringhausen. Siegfried Davideit, der 1982 als Majestät David I. König der Äggeriner Schützen war, erinnert sich auch heute noch gern an zahlreiche, teilweise auch reichlich verrückte Aktionen, die ihren Ausgang im Café Schmellenkamp nahmen.

„Wir haben dort ja praktisch drei Tage während des Schützenfests gewohnt und uns dort immer umgezogen“, erzählt Davideit, der an einem kalten Novembersamstag 1982 sogar für zwei Stunden im Schaufenster des Cafés zu bewundern war. Sogar der Stadtfanfarenzug spielte auf, als der Schützenkönig, in vollem Ornat auf einem Sessel sitzend, die Huldigungen der Passanten entgegennahm und ihnen mit einem Glas Sekt zuprostete. Davideit löste damit eine Wette ein – die Verlierer Peter Klute und Rainer Schulte, die ihm diese Kühnheit nicht zugetraut hatten, mussten die Rechnung übernehmen.

Asiatische Nacht

Noch spektakulärer war die „Asiatische Frühlingsnacht“ des Eiringhauser Schützenthrons, die 1989 im Café Schmellenkamp zelebriert wurde. Peter Klute und Birgit Schüßler waren damals das Königspaar, das sein Thronfest asiatisch-bunt kostümiert im Lokal an der Bachstraße feierte. Etto Schauerte, derzeitiger Schützenkönig, hatte damals eigens dafür sogar das Schaufenster des Cafés mit asiatischen Schriftzeichen beklebt. „Da haben wir dann am nächsten Tag mit dem Fön stundenlang geknibbelt, bis wir die wieder abbekommen hatten“, erinnert sich Davideit.

Spontan wurde die Bachstraße zur Tanzmeile.

Straßenfestpremiere

Sechs Jahre zuvor war im Café Schmellenkamp auch die Idee gereift, das Schützenfest am Montag nicht mit dem Biergericht ausklingen zu lassen, sondern noch ein spontanes Straßenfest zu veranstalten. Also wurden Bach- und Brauckstraße vom Hofstaat des 82er Königspaares Siegfried Davideit und Annette Herrmann kurzerhand abgesperrt, DJ Davideit baute seinen eigenen „Musikladen“ auf und der Tanzabend konnte beginnen. Unter der Leitung des Sportstudenten Uli Sauter wurde sogar noch Aerobic – damals voll im Trend – vollführt.

Das erste Feuerwerk

Aus der ersten Straßenfete wurde alsbald ein Fest mit bis zu 3000 Besuchern. Zwischen Bahnhof und Reichsstraße drängten sich die Feiernden dicht an dicht. Nachdem 1984 der Große Zapfenstreich erklungen war, folgte ein Jahr später als krönender Abschluss erstmals ein prächtiges Feuerwerk, das von der Essener Firma Prinz gestartet wurde, zu der man beim Event „Biggesee in Flammen“ in Kontakt getreten war.

Wieder hatte die entscheidende Sitzung zuvor im Café Schmellenkamp stattgefunden. Aus dem Hofstaat von 1983 war mittlerweile der Ohler Altweiber Carnevals-Club (OACC) entstanden, dessen führende Köpfe die Idee des Feuerwerks umsetzten. Die Rechnung für den Knalleffekt in Höhe von 2280 Mark hat Davideit bis heute aufbewahrt. Einen Teil der Summe bekam man beim Straßenfest durch eine Sammlung mittels Blechdose zusammen, der Rest waren Spenden und Überschüsse des OACC-Karnevals. Es war der Start einer bis heute andauernden Traditionsveranstaltung, die seit 1986 offiziell vom Schützenverein Eiringhausen ausgerichtet und bezahlt wird.

Der Blumendieb

Neben den großen und richtungsweisenden Entscheidungen sind aber auch viele Anekdoten mit dem Café Schmellenkamp und seinen damaligen Wirtsleuten verknüpft. „Als Liane Schmellenkamp einmal ihren Geburtstag an der Oester feierte, sind wir mit dem Bus hingefahren. Mangels Geschenk habe ich Blumen aus einem Vorgarten geklaut“, erzählt Davideit reumütig. Dummerweise waren aus dem gleichen Garten schon tags zuvor Pflanzen verschwunden, hatte der Besitzer Anzeige erstattet. „Daraufhin bekam ich einen Anruf von Jürgen Henke, ich solle mal auf die Wache kommen, um die Sache aufzuklären“ erzählt Davideit.

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