Spielstationen auf dem Gehweg

Bunt bemalte Gehwege: Kreative Aktion soll Zahl der Elterntaxis verringern

Grace, Amilia, Jana und Fatima testeten am Montag die Spielstationen auf dem Gehweg rund um das Familienzentrurm und die Grundschule Eschen. An dieser Zeichnung hüpften sie über die Fußabdrücke.
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Grace, Amilia, Jana und Fatima testeten am Montag die Spielstationen auf dem Gehweg rund um das Familienzentrurm und die Grundschule Eschen. An dieser Zeichnung hüpften sie über die Fußabdrücke.

Für Grace, Amilia, Jana und Fatima vergeht der Spaziergang wie im Flug. Sie hüpfen, sie lachen, sie schlängeln sich aneinander vorbei und – schwupps – haben die vier Vorschulkinder schon 300 Meter zurückgelegt. Wie schnell doch die Zeit vergehen kann. Und wie viel Spaß der Weg zum Kindergarten bereiten kann. Das Quartett ist überzeugt. Da hat sich Julia, ihre neue Lieblingspolizistin, etwas ganz Tolles einfallen lassen.

Plettenberg – Julia, mit Nachnamen Buhrow-Loks, ist Verkehrssicherheitsberaterin und lehrt die Kindergartenkinder in ganz Plettenberg normalerweise, wie sie sich sicher im Straßenverkehr bewegen. Aber da ist noch ein anderes Thema, das sie beschäftigt und gegen das sie vorgehen möchte. Sie möchte die Gefahren vermeiden, die immer dann entstehen, wenn vor einem Kindergarten oder einer Grundschule das pure Verkehrschaos entsteht, weil die Eltern ihre Kinder direkt bis vor die Tür fahren wollen.

„Also müssen wir die Gehwege attraktiver gestalten“, dachten sich Julia Buhrow-Loks und ihr Chef bei der Verkehrsunfallprävention, Andreas Filthaut, und nahmen die derzeitige Europäische Mobilitätswoche, um in Plettenberg etwas zu verändern. Wie? Ganz einfach! Mit Straßenmalkreide.

Wenn der Gehweg zum Spielweg wird

Montagvormittag, Familienzentrum Eschen, Auf dem Loh. Julia Buhrow-Loks spaziert von dort an der Grundschule vorbei über den Brockhauser Weg bis fast zur Bahnhofstraße. Unterwegs malt sie ganz einfache Spiele auf den Gehweg, die viele noch von früher vom Schulhof kennen. Hier ein paar Fußabdrücke, die die Kinder zum Hüpfen animieren sollen. Dort ein paar Schlangenlinien, über die sie balancieren können. Und da drüben ein kleiner Irrweg mit Zahlen, bei dem die Sprösslinge sogar das Zählen üben können.

Grace, Amilia, Jana und Fatima dürfen die Stationen in Begleitung einer Erzieherin gleich ausprobieren – und sind begeistert. Ganz ähnlich geht es auch den Geschwistern Alaina und Alfred Schulte, die am Mittag von ihrer Mutter Galina abgeholt werden. Sie freuen sich, dass Mama nicht direkt vor der Kindergartentür geparkt, sondern das Auto in rund 500 Entfernung am Brockhauser Weg abgestellt hat. So können sie jetzt während des Spaziergangs noch ein bisschen spielen. Mutter Galina findet’s super. „Es ist toll, diesen Weg zu laufen“, sagt sie nach dem ersten Testlauf bis zum Auto.

Verkehrssicherheitsberaterin Julia Buhrow-Loks arbeitete mit Sprüh- und Straßenmalkreide.

Sie parke den Wagen öfters bewusst einige hundert Meter weit von der Einrichtung entfernt, erzählt sie im Gespräch mit der Heimatzeitung. Nicht nur, weil sie dem Verkehrschaos vor dem Kindergarten entgehen will, sondern auch, weil sie möchte, dass ihre Kinder „auch mal ein Stück laufen können“. „Den Straßenverkehr lernen die Kinder schließlich nur durch Übung besser kennen“, sagt Galina Schulte. Ganz auf die Autofahrt könne sie nämlich nicht verzichten. Dafür ist der Weg vom Zuhause in Elhausen bis zur Kita am Eschen einfach zu lang.

Auf genau diese Denkweise zielen die beiden Polizisten Julia Buhrow-Loks und Andreas Filthaut auch ab. Einerseits gehe es mit dem Gehweg als Spielweg darum, Eltern und Kinder aus der Nähe zu ermuntern, den Weg zum Kindergarten komplett zu Fuß zu bewältigen. Andererseits sollen Eltern, die ihr Kind von weiter weg mit dem Auto bringen, die Möglichkeit in Betracht ziehen, das Auto wie im Beispiel von Galina Schulte in einiger Entfernung zur Einrichtung zu parken und den Rest über die neuen Spielstationen auf dem Gehweg zu Fuß zu gehen.

Wobei der Sicherheitsexpertin Julia Buhrow-Loks ganz wichtig ist, zu betonen, dass der Gehweg keine „Tollzone“ werden soll. Die Spielstationen sollen eher im Vorbeigehen genutzt werden. „Und die Stellen sind so gewählt, dass sie möglichst ungefährlich für die Kinder sind“, erklärt die Polizistin.

Spielstationen als Denkanstoß

Lange werden die Zeichnungen auf dem Gehweg allerdings nicht Bestand haben. „Sprühkreide hält in der Regel ein bis zwei Wochen“, erklärt Julia Buhrow-Loks. Danach wolle man über eine dauerhafte Lösung mit der Stadt sprechen – vorausgesetzt, die Idee findet bei Kindern und Eltern Anklang und das Verkehrschaos vor dem Kindergarten kann entzerrt werden. Letztendlich sollen die Zeichnungen am Eschen ohnehin nur ein Denkanstoß für Eltern überall sein. Denn vielleicht lasse sich, so die Hoffnung der Polizisten, mit ein bisschen Phantasie (Tipps siehe im Text unten) der Fußweg für die Kinder deutlich aufregender gestalten.

Mit diesen Tipps und Spielen wird der Weg zum Kindergarten oder zur Schule für jedes Kind zu einem Abenteuer

Das Zukunftsnetz Mobilität hat eine Spielesammlung erarbeitet, um Alltagswege für Kinder interessanter zu gestalten. Nachfolgend einige Beispiele daraus:

Ich seh’ etwas, was du nicht siehst

Alter: ab Kindergarten

Anleitung: Den Klassiker kennt wohl jeder, aber er wird heutzutage viel zu selten gespielt. Der Elternteil sucht sich einen Gegenstand in Gehrichtung aus und benennt die Farbe. Das Kind rät. Wird der Gegenstand erraten oder man erreicht ihn, wird getauscht. Jetzt rät der Erwachsene.

Tiere raten

Alter: ab Kindergarten

Anleitung: Der Elternteil beschreibt ein Tier, das Kind rät (oder umgekehrt). Welche Farbe hat es? Ist es groß oder klein, wo haben wir es schon einmal gesehen? Lustig wird es, wenn man versucht, ein typisches Geräusch des Tiers nachzumachen oder sich wie das Tier zu bewegen.

Rückwärtslaufen

Alter: ab Kindergarten

Anleitung: Wer sagt denn, dass man immer vorwärts gehen muss. Rückwärts zu gehen (an der Hand) macht vielleicht mehr Spaß. Wie kann man sich noch zu Fuß fortbewegen? Auf Zehenspitzen, seitwärts, hüpfend auf einem oder mit beiden Beinen? Es gibt unzählige Arten, die ausprobiert werden können.

Schätz-Meisterschaft

Alter: ab Grundschule

Anleitung: Alle schätzen vor dem Spaziergang, wie vielen Hunden (oder Brillenträgern, Kinderwagen, Bussen, roten Autos...) man auf dem Weg begegnen wird. Die Zahlen werden notiert, auf dem Weg wird gezählt und am Ziel verglichen.

Kopfrechnen mit Autokennzeichen

Alter: Grundschule

Anleitung: Mit den Zahlen auf den Kennzeichen geparkter Autos lässt sich prima Kopfrechnen trainieren. Ältere Kinder addieren die Zahlen verschiedener Autos, jüngere Kinder können die Quersumme bilden. Beispiel: Aus 352 wird 3+5+2=10.

Unsinnssätze mit Autokennzeichen

Alter: Grundschule

Anleitung: Aus den Buchstaben des Kennzeichens können abwechselnd lustige kurze Sätze gebildet werden. Aus MK-KK42 wird z.B.: „Meine Kinder kochen Kartoffeln“.

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