Nicht nur Trockenheit setzt Baum zu

Buche am Bahnhof in Plettenberg leidet unter Pilzbefall

Während die Buche kahl ist, sieht die Linde wenige Meter weiter deutlich besser aus. Das spricht laut Stadt eigentlich gegen eine mangelnde Wasserversorgung.
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Während die Buche kahl ist, sieht die Linde wenige Meter weiter deutlich besser aus. Das spricht laut Stadt eigentlich gegen eine mangelnde Wasserversorgung.

Der eindringliche Appell zur Rettung der Rotbuche am Bahnhof in Eiringhausen hat einige Bürger aufgerüttelt, die sich nun selbst um die Bewässerung des arg angeschlagenen Baums kümmern wollen. Doch anscheinend macht dem Baum nicht nur Wassermangel zu schaffen, sondern vor allem ein Pilzbefall.

Plettenberg – Tony Meyer hatte vor etwa zwei Wochen wegen des schlechten Zustands Alarm geschlagen. Auf Facebook schrieb er im Namen des angeschlagenen Baums: „Ich bin die Rotbuche vor Eurem Bahnhof. Leute schaut hin, so langsam geht mir das Wasser aus.“

Schädigung des Wurzelwerks

Daraufhin hatte Bürgermeister Ulrich Schulte angekündigt, dass ein Baumgutachter die Rotbuche untersuchen soll. Das ist inzwischen geschehen. „Der Gutachter hat sich den Baum in der letzten Woche angesehen, das schriftliche Ergebnis steht noch aus“, teilt Sebastian Jülich, Fachbereichsleiter Planen und Bauen mit. „Festgestellt wurde ein Pilzbefall, der den Baum und hier vor allem die Wurzeln schädigt. Auf Anraten des Sachverständigen wurde bereits im letzten Jahr der Boden aufgelockert, belüftet und die Buche gedüngt.“ Dieser Ratschlag sei bei der jährlichen Besichtigung im vergangenen Jahr gegeben worden.

Dies entspricht demnach den Maßnahmen, die kürzlich bei kränkelnden Rotbuchen in Halver vor dem dortigen Rathaus angewandt wurden – dort wurde der Boden mit Druckluft aufgelockert und spezielle Pilze eingebracht, die über das Wurzelwerk mit dem Baum eine Symbiose eingehen und bei der Aufnahme von Nährstoffen helfen sollen.

Was genau für den Baum am Eiringhauser Bahnhof getan werden kann, steht noch nicht fest. „Weitere Maßnahmen hängen vom Ausgang des Gutachtens ab“, so Jülich.

Bürgeraktion zur Bewässerung der Rotbuche

Ungeachtet dessen haben einige Bürger um Initiator Tony Meyer selbst eine Aktion gestartet, um der Rotbuche zu helfen. Den Beginn machte eine Bewässerungsaktion am vergangenen Freitag. Ein 1000-Liter-Tank wurde von Abbruchunternehmer Michael Gabsch zur Verfügung gestellt, der ihn auch mit seinem Kleintransporter zum Bahnhof schaffte, wo dann der Baum reichlich bewässert wurde.

Auch Jens Vogel kam vorbei, um seine Unterstützung für die Aktion zur Rettung des Baums zu zeigen. „Ich finde es gut. Man sollte mehr auf die Natur achten. In dieser Hinsicht wird zu wenig gemacht“, sagt Vogel. Dass letztlich nur eine Handvoll von Unterstützern zu der Bewässerungsaktion kam, enttäuscht ihn. „Vielleicht ist es ihnen zu lächerlich, sich für einen Baum einzusetzen“, vermutet er.

Vor vier Jahren trug der Baum im Spätsommer noch ein volles Blätterkleid - im Gegensatz zu heute.

Auch Tony Meyer ärgert es, dass im Vorfeld mehr als 20 Personen, darunter nach seiner Aussage auch Gewerbetreibende rund um den Bahnhof, ihre Unterstützung zugesagt hätten, von denen viele dann aber einen Rückzieher machten. Sie wollten sich erst recht nicht bei der Aktion fotografieren lassen. Manche würden sich nicht trauen, etwas gegen die Stadt zu sagen, vermutet Meyer – im Gegensatz zu ihm selbst.

Die aus seiner Sicht unzureichende Bewässerung des Baumes kritisiert er nach wie vor. „Am Tag nach dem ersten Zeitungsbericht wurde der Baum wirklich mit 1000 Litern bewässert“, berichtet er und ist skeptisch, ob das vorher auch getan wurde, wie die Stadt behauptet. An anderen Tagen hingegen habe der Baum – das sei zumindest seine eigene Wahrnehmung sowie die weiterer Beobachter am Bahnhof – aber wesentlich weniger Wasser bekommen, sei nur mit einem Wasserschlauch bewässert beziehungsweise abgespritzt worden.

Vor der Bewässerungsaktion am Freitag beharkte sich Meyer darum erneut mit der Stadt auf Facebook, warf ihr – wenig diplomatisch – „pure Ignoranz“ und Schluderei bei der Bewässerung vor, was entschieden zurückgewiesen wurde mit dem – ebenfalls undiplomatischen – Rat: „Und bitte künftig erst recherchieren und Kopf einschalten, dann auf den Knopf drücken.“

Stadt weist Vorwürfe von sich

Der Baum werde täglich nachmittags einmal mit 1000 Litern gewässert und zusätzlich werktags nochmals morgens mit ebenfalls 1000 Litern, wobei das Wasser flächig verteilt werde, erklärt Jülich auf Nachfrage der Heimatzeitung und ergänzt: „Das lässt sich anhand der Arbeitsberichte des beauftragten Unternehmens und der Mitarbeitenden beim Bauhof belegen“, betont er. „Wieso behauptet wird, dass nicht richtig gewässert wird, ist nicht nachvollziehbar. Ein Beleg dafür fehlt.“

Die Kritik der um die Buche besorgten Plettenberger weist die Stadt somit zurück, nicht aber die Initiative, selbst etwas in Sachen Bewässerung zu unternehmen. „Engagement der Bürgerschaft ist immer zu begrüßen“, teilt Sebastian Jülich mit. „Wenn es zuverlässig und regelmäßig erfolgt, kann der Bauhof dadurch entlastet werden. Das gilt nicht nur hier, sondern auch an allen anderen Stellen im Stadtgebiet.“ Der Bauhof und der von diesem beauftragte Unternehmer wässerten im Moment täglich Bäume und Pflanzungen im Stadtgebiet.

„Die Wässerung der Buche am Bahnhof ist aber auch so ausreichend“, betont Jülich. Dabei verweist er auf einen weiteren Baum, der nur wenige Meter von der Buche entfernt steht. Dabei handelt es sich um eine Linde, die ebenso wie die Buche auf der Liste der geschützten Bäume der Stadt steht. Der Zustand des Nachbarbaums sei deutlich besser, so Jülich: „Das spricht eigentlich dagegen, dass die Bäume nicht ausreichend Wasser haben.“

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