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Bio-Urnen und Öko-Särge: Dieser Bestatter im MK setzt auf Nachhaltigkeit

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Von: Dirk Grein

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Bestatter Ralf König im geschmackvoll gestalteten Verabschiedungsraum in der Plettenberger Innenstadt.
Bestatter Ralf König im geschmackvoll gestalteten Verabschiedungsraum in der Plettenberger Innenstadt. © Grein, Dirk

Schräg gegenüber ein Dönergeschäft und Samen Steinmann, gleich nebenan eine Fahrschule, der Stephansdachstuhl in Sichtweite: Für seinen Verabschiedungsraum hat Bestatter Ralf König nicht ohne Grund den Standort am Untertor gewählt. Trauer und Tod sollen nicht ausgeklammert werden, sondern einen festen Platz im Leben und daher auch in der Plettenberg Innenstadt erhalten.

Plettenberg – Dezentes Licht, flackernde Kerzen, Blumengestecke. Für unseren Besuch in dem Verabschiedungsraum haben Ralf König und seine Mitarbeiterin Sabrina Misera diesen so gestaltet, wie sie es auch für Trauerfeiern machen. Zwischen Kerzenständern und Gemälden steht ein geschlossener Sarg, auf einem Tisch an der Wand befinden sich mehrere Urnen. Dinge, die im ersten Moment befremdlich, fast sogar ein wenig einschüchternd wirken. Doch für den Bestatter und seine Mitarbeiterin gehören sie zum Berufsalltag dazu. Den Respekt vor dem Tod haben sie durch diesen regelmäßigen Umgang nicht verloren, aber sie haben eine andere Sichtweise.

Leben und Tod gehören unweigerlich zusammen, sagt der 51-Jährige, wohlwissend, dass ein Großteil der Menschen nicht gern über dieses Thema nachdenkt. Dabei, so gibt König zu verstehen, sei es ein ebenso vielseitiges wie auch aktuelles Thema. Als Beleg dafür nennt er Schlagwörter, die in der Gesellschaft mehr denn je Beachtung finden: Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Genau diese „werden von unserem Handwerk längst berücksichtigt“, verdeutlicht der Plettenberger Bestatter.

Punkt 1: der Sarg

Dabei deutet er auf den ausgestellten Sarg. Diesen hat der gelernte Tischlermeister aus heimischem Buchenholz gefertigt. Die aufgetragenen Lacke und Farben seien wasserlöslich. „Komplett biologisch abbaubar“, betont König, dass keine Rückstände der Materialien im Erdreich verbleiben. Ergänzend erzählt er, dass die Griffe des Sargs aus Holz bestehen und die Innenausstattung (wie Deckengarnituren) aus zertifizierter Baumwolle bestehe. Das sei im Bestattungswesen seit geraumer Zeit Standard.

Punkt 2: Krematorium

Erdbestattungen seien allerdings heutzutage weniger gefragt, der Anteil liege bei weniger als zehn Prozent, schätzt der Bestatter. In den meisten Fällen wünschen die Hinterbliebenen oder der Verstorbene – sofern er dies vorab mit seinen Verwandten besprochen oder dies schriftlich festgehalten hat – eine Feuerbestattung. Als Gesellschafter des Krematoriums Lüdenscheid weiß der Plettenberger, dass dieses zu den modernsten Anlagen in Europa zählt: In puncto Emissionsschutz „werden alle gesetzlich vorgeschriebenen Werte um ein Vielfaches unterschritten.“

Sabrina Misera, Mitarbeiterin des Bestattungsunternehmens, zeigt eine Auswahl an Urnen, die aus biologisch abbaubaren Rohstoffen hergestellt worden sind.
Sabrina Misera, Mitarbeiterin des Bestattungsunternehmens, zeigt eine Auswahl an Urnen, die aus biologisch abbaubaren Rohstoffen hergestellt worden sind. © Grein, Dirk

Punkt 3: Bio-Urnen

Und König nennt ein weiteres Beispiel für sein fortschrittliches Handwerk: Auch im Bereich der Urnen habe es in den letzten Jahren spürbare Weiterentwicklungen gegeben. Einige von ihnen bestehen zu 100 Prozent aus organischen Rohstoffen wie Mineralfasern. Weil sogar die Aschekapsel aus Biostoffen angefertigt werden kann, lösen sich die Urnen im Laufe der Zeit auf.

Einstmals herkömmliche Blechurnen hingegen müssen nach 25 Jahren entsorgt werden, verdeutlicht der Bestatter. Preisliche Unterschiede zu den Bio-Urnen gebe es hingegen nicht.

Zu einem der wichtigsten Arbeitsgeräte hat sich für Ralf König in jüngerer Vergangenheit das Telefon entwickelt. Nahezu rund um die Uhr seien er oder seine Mitarbeiterin erreichbar – auch an Wochenenden oder Feiertagen. Ein beachtliches Pensum, dennoch finde er ausreichend Momente, in denen er abschalten und neue Kraft für kommende Herausforderungen tanken kann.

Punkt 4: Bestattungart

Kaum dass er diesen privaten Gedanken beendet hat, wechselt er zurück zum Beruflichen, um einen vierten Aspekt der Nachhaltigkeit zu nennen: die Bestattungsart. Hier ergebe sich in Plettenberg eine Neuerung, die sich allgemeiner Beliebtheit erfreue. „Bei der Baumbestattung müssen sich die Angehörigen nicht um die Grabpflege kümmern“, so König.

Die Besonderheit daran: Die Asche des Verstorbenen wird in einer biologisch abbaubaren Urne an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt. Dieser sei quasi das Grabmal und nehme mit seinen Wurzeln die Asche des Verstorbenen auf, sodass die Natur die Grabpflege übernehme. Diese naturnahe Bestattungsart werde inzwischen auch auf heimischen Friedhöfen ermöglicht und gehört somit auch zu der auf Nachhaltigkeit geprägten Arbeitswelt von Bestatter Ralf König.

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