radprax-Seniorenzentrum

Umarmungen sind wieder möglich: Wie Bewohner den wiedergewonnenen Körperkontakt wahrnehmen

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Horst Raffenberg und Marianne Loose sprechen über die gelockerten Besuchsbeschränkungen im Radprax-Seniorenzentrum.

Plettenberg – Seit Anfang Juli sind in Senioreneinrichtungen wieder Zimmerbesuche möglich, auch Körperkontakt zwischen Bewohnern und Angehörigen wird wieder gestattet. Wir haben im Radprax-Seniorenzentrum nachgefragt, wie gut die neuen Regelungen funktionieren und was die Bewohner darüber denken.

„Das ist eine ganz feine Sache“, meint Horst Raffenberg über die seit Anfang Juli geltenden Lockerungen. „Man muss ja fühlen, ob die Angehörigen noch da sind, und sie nicht nur sehen.“

Vorher habe es zwar schon die Möglichkeit gegeben, Angehörige durch ein Besucherfenster zu sehen. „So konnte man Kontakt halten nach draußen und Corona weghalten.“ Trotzdem sei es manchmal etwas unruhig gewesen, es störten Geräusche im Hintergrund. „Wenn man sich nur auf Entfernung durch das Besucherfenster gesehen hat, war die Verständigung schon schwierig“, meint der 88-Jährige.

Auch Marianne Loose empfindet die neuen Besuchsmöglichkeiten als eine weitere Erleichterung, ist aber auch ein wenig skeptisch. „Ich finde das ganz in Ordnung, aber ich hoffe, dass es nicht zu früh ist, denn das Virus ist ja noch da“, sagt die 84-Jährige. Sie spricht Medienberichte an über große Menschenansammlungen, bei denen Menschen auf engem Raum feiern, sich umarmen. „Man sieht, wie leichtsinnig manche Menschen sind“, sagt sie.

Die Bewohner des Seniorenzentrums sowie die Besucher verhielten sich dagegen sehr vernünftig „Wir sind alle gut erzogen“, sagt Marianne Loose. Horst Raffenberg ergänzt: „Hier ist Ordnung inne Bude.“ Man halte sich an das, was von Einrichtungsleiterin Elke Reperich angeordnet werde.

Die bestätigt, dass die Einhaltung der neuen Regelungen gut laufe. Anders als vorher gibt es keine festen Besuchszeiten mehr. Stattdessen können Angehörige zwischen 9 und 19 Uhr vorbeikommen. Allerdings müssten sie ihren Besuch vorher beim Sozialen Dienst ankündigen, sagt Reperich, denn sonst könne man die Temperaturkontrollen vor Betreten der Einrichtung nicht im Griff behalten.

Nach dem Fiebermessen können Besucher sich mit Bewohnern entweder draußen aufhalten – dann sind bis zu vier Besucher erlaubt – oder auf den Zimmern, in denen zwei Besucher zulässig sind. Die Möglichkeit der Zimmerbesuche werde laut Reperich auch genutzt: „Wir geben aber immer die Empfehlung, den Mund-Nasen-Schutz aufzulassen, dann ist auch Kontakt möglich.“ Für die Einhaltung der Regeln seien Angehörige und Bewohner auch selbst verantwortlich.

Dass Besuche wieder möglich sind, freut Horst Raffenberg. In seinem Fall waren es mit Enkeln und Urenkeln insgesamt 31 Angehörige, die ihn vor der Pandemie besuchen kamen und es nun auch wieder können, Berührungen inklusive. „Der Körperkontakt ist ganz wichtig, vor allem für uns Alleinstehende.“ Seit der Erweiterung der Besuchsmöglichkeiten sieht er seine Söhne am häufigsten, die ihn abwechselnd mehrmals die Woche besuchen. „Zwischendurch kommt auch mal eine Schwiegertochter vorbei und bringt mir was Süßes mit – damit man nicht ganz versauert.“

Als noch strengere Regeln galten und keine Besuche möglich waren, konnten die Bewohner nur telefonischen Kontakt mit ihren Angehörigen halten. „Das erste, was mein Sohn gemacht hat: Er hat mir ein Handy verpasst“, berichtet der 88-Jährige.

So war es auch für Marianne Loose: „Meine Tochter und ich haben uns täglich angerufen, da wussten wir immer, wie es uns geht und was der andere macht“, erzählt sie. Die Besuche sind inzwischen wieder möglich. „Meine Tochter hat mich am Sonntag besucht. Wir haben draußen gesessen, das war wunderschön“, erzählt Marianne Loose. Auch ihre ehemaligen Kolleginnen aus dem Krankenhaus, wo sie 38 Jahre lang arbeitete, könnten sie nun bald wie vor der Pandemie wieder besuchen kommen.

Die Besuchsmöglichkeiten gelten nämlich nicht nur für Angehörige, sondern auch Freunde, wie Sabine Oventrop-Gibson vom Sozialen Dienst erklärt. Auch die Grünen Damen könnten dank der Lockerungen inzwischen wieder kommen. So konnten sie auch beim Sommerfest am vorigen Freitag helfen, das in diesem Jahr gefeiert wurde, allerdings diesmal intern und ohne Öffentlichkeit.

Auch bei den Gottesdiensten im Mehrzweckraum, die wieder möglich sind, blieben die Bewohner unter sich, sagt Oventrop-Gibson: „Wir leben hier unter einer Käseglocke.“ Bewohnerin Marianne Loose meint mit Blick auf die bisher coronafreie Einrichtung: „Das ist vielleicht unser Glück.“

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