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Besser „selbst entscheiden“: Schüler im MK zur aufgehobenen Maskenpflicht in Schulen

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Von: Johannes Opfermann

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Die Schüler der Geschwister-Scholl-Realschule begrüßen den Wegfall der Maskenpflicht. Die Umstellung ist für viele auch noch eine Gewöhnungssache, berichten Nils Bogenschneider, Nassira Assalmi, Nazar Mineaydin (Schülersprecherin), Nia Rahn, Julia Kaminski (stellvertretende Schülersprecherin; von links).
Die Schüler der Geschwister-Scholl-Realschule begrüßen den Wegfall der Maskenpflicht. Die Umstellung ist für viele auch noch eine Gewöhnungssache, berichten Nils Bogenschneider, Nassira Assalmi, Nazar Mineaydin (Schülersprecherin), Nia Rahn, Julia Kaminski (stellvertretende Schülersprecherin; von links). © Opfermann, Johannes

Seit Anfang November müssen Schüler im Unterricht keine Maske mehr tragen, viele tun es trotzdem weiterhin. Wir haben mit Schülern der Geschwister-Scholl-Realschule über die weggefallene Maskenpflicht gesprochen.

Plettenberg – Bei dem Gespräch tragen alle Anwesenden Maske: Schülersprecherin Nazar Mineaydin (Klasse 10a), ihre Stellvertreterin Julia Kaminski (10b), Nils Bogenschneider, Nassira Assalmi (beide 7b) und Nia Rahn (7c). Aber es ist nun ihre freie Entscheidung.

„Während der Maskenpflicht haben sich viele beschwert, dass sie trotz Tests die Maske aufsetzen sollten“, erinnert sich Julia. „Als die neue Regel kam, haben sich viele darüber gefreut.“

Nazar kann dem nur beipflichten. Es habe oft Diskussionen mit Lehrern gegeben, die Maske in einigen Situationen abzunehmen, was dann manchmal auch ermöglicht wurde. Aber der Wegfall der Maskenpflicht sei auf jeden Fall ein großer Fortschritt. „Einige sind aufgesprungen und haben gejubelt: Ja, endlich. Wir waren echt erleichtert“, sagt Schülersprecherin Nazar. „Dass wir jetzt die Freiheit, die Option haben, das selbst zu entscheiden, finde ich persönlich viel besser.“

Trotzdem tragen viele Schüler weiterhin Masken im Unterricht. In den unteren Klassen seien es mehr, etwa zwei Drittel, die die Maske tragen, in den oberen Klassen etwas mehr als die Hälfte, erklärt Lehrer David Beierle, der die Schülervertretung der Geschwister-Scholl-Realschule betreut und bei dem Gespräch ebenfalls dabei ist.

Maskentragen situationsabhängig

Für die Schüler sei oft auch situationsabhängig, ob sie eine Maske tragen. „Ich trage die Maske immer noch oft, aber ab und zu setze ich sie auch ab“, sagt Nassira. Wenn das Fenster geöffnet wird, würden sie und viele andere die Maske abnehmen, um Luft zu schnappen. Die Kinder, die in der Klasse an der Wandseite sitzen, würden meistens keine Maske tragen.

Auch in der Klasse von Nia trage der überwiegende Teil der Schüler die Masken, sie selbst meistens auch. „Trotz Impfung fühle ich mich deutlich sicherer mit der Maske. Man hat das Gefühl, irgendwie einen Schutz zu haben.“

Auch Nazar fühlt sich mit der Maske ein bisschen sicherer. „Ich hatte schon Corona: Mein Geschmacks- und Geruchssinn ist weggegangen. Ich dachte erst, er würde für immer weggehen, ich musste ihn erst wieder trainieren.“ Nazar schätzt, dass in ihrer zehnten Klasse mehr als die Hälfte der Schüler die Maske nicht trägt. „Sie fühlen sich dann wohler in der Klasse.“ Viele Mitschüler würden es allerdings für sinnlos halten, die Maske aufsetzen zu müssen, wenn sie ihren Platz verlassen. Sie selbst sieht das nicht so, denn wenn man so eng beieinander sei, sei die Infektionsgefahr auch größer. Obwohl sie sagt, sie habe keine Angst mehr vor Corona, nehme sie die Pandemie weiter ernst.

Die Vorteile, die Maske je nach Situation auf- oder absetzen zu können, benennen auch die anderen Schüler. „Es gibt Situationen, in denen man schlecht Luft kriegt, weil die Luft im Raum sehr stickig ist“, sagt Siebtklässler Nils. „Wenn ich nervös bin oder Aufgaben habe, die nicht so einfach sind, setze ich die Maske ab.“

Konzentration sei ohne Maske besser

Dass man sich ohne Maske besser konzentrieren könne, bestätigt auch Zehntklässlerin Julia. „Während der Maskenpflicht hatte ich das Gefühl, wenn man die Maske mehrere Stunden aufhat, dass einem schwindlig wird, dass man sich nicht so gut konzentrieren kann.“

Und nicht nur Atmung und Konzentration fielen leichter. „Wir können viel besser vorlesen und die Lehrer verstehen uns besser. Manchmal nuschelt man unter der Maske“, sagt Nazar. Gerade bei Vorträgen vor der Klasse könne man so besser kommunizieren.

Doch kurioserweise bedeute die Maske für manche Schüler auch ein Stück Sicherheit. „Ich finde, es macht sich bemerkbar, dass manche Schüler mit der Maske mehr Selbstbewusstsein haben als ohne“, schildert Julia ihre Beobachtungen, die Nia bestätigt: „Das mit dem Selbstbewusstsein stimm schon. Viele fühlen sich wohler mit der Maske und verstecken sich ein bisschen dahinter.“

Diskussionen zwischen denen, die eine Maske tragen und denen, die sie eher absetzen, gebe es eigentlich nicht. „Uns wurde gesagt, dass es unsere Entscheidung ist, ob wir die Maske tragen oder nicht, aber Streit gab es deswegen noch nicht“, sagt Nia.

Auch laut Schülersprecherin Nazar sei das kein Thema, das unter den Schülern zu Diskussionen führe. Späße mit denen, die Maske tragen, würden schon ab und zu gemacht, aber nicht so, dass es verletzend sei.

Zu einem gewissen Grad sei das Maskentragen auch eine Frage der Gewohnheit. „Viele tragen die Maske noch, weil sie sie so lange getragen haben“, sagt Julia. Man müsse sich auch erst wieder daran gewöhnen, dass man die Maske absetzen könne, sagt Nazar.

Ohne Maske müssten sich Lehrer und Schüler auch wieder ganz neu kennenlernen. „Meine neue Klassenlehrerin habe ich seit zwei Jahren und ich kenne sie fast nur mit Maske“, sagt Julia. Es sei Gewöhnungssache, sie ohne Maske zu sehen. SV-Lehrer Beierle ergänzt: „Für Lehrer ist das noch stärker der Fall, gerade bei den 5. und 6. Klassen, die wir bisher fast nicht ohne Maske gesehen haben.“

Dass doch noch einmal eine Maskenpflicht wiedereingeführt werden könnte, können sich die Schüler angesichts der hohen Infektionszahlen schon vorstellen. Dann wäre eine etwas andere Handhabung aus ihrer Sicht aber wünschenswert.

Bei Kontakten mit Schülern aus anderen Klassen – also auf dem Flur oder in gemischten Kursen – könnte eine Maske verpflichtend sein, aber nicht in der eigenen Klasse, findet Julia. Auch an Tagen, an denen die Schüler getestet wurden, könnte vielleicht auf die Masken verzichtet werden. Nazar stimmt zu: „Es wäre schön, wenn wir die Masken in der Klasse nicht tragen müssten, wenn wir in der Klassengemeinschaft zusammen sind.“

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