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„Besorgniserregend“: Hausarzt im MK hofft auf spürbare Impf-Fortschritte

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Von: Johannes Opfermann

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Dr. Martin Dillenberger bietet aufgrund der hohen Nachfrage einzelne Impftage in seiner Praxis an.
Dr. Martin Dillenberger bietet aufgrund der hohen Nachfrage einzelne Impftage in seiner Praxis an. © Opfermann, Johannes

Die vierte Welle rollt und mehr Menschen wollen sich nun doch impfen lassen oder ihre Impfung auffrischen. Neben dem normalen Praxisgeschehen haben die Hausärzte und ihre Angestellten also jede Menge zu tun. Wir haben bei Dr. Martin Dillenberger nachgefragt, wie die Situation insbesondere bei den Booster-Impfungen aussieht.

Plettenberg – Die Impfanfragen decken das gesamte Spektrum ab. „Es gibt Anfragen für Erstimpfungen, für Zweit- und Booster-Impfungen und Menschen, die sich nach der Einfach-Impfung mit Johnson&Johnson ebenfalls ein weiteres Mal impfen lassen möchten“, erklärt Dillenberger. Obwohl in seiner Praxis viel Betrieb ist, hat der Allgemeinmediziner Zeit für ein kurzes Gespräch.

Praxis reduziert Sprechzeiten

„Wegen der großen Nachfrage haben wir beschlossen, einzelne Impftage zu machen, an denen wir unsere Sprechzeiten auf das nötigste zurückfahren“, erklärt Dillenberger. Diese Impftage sollen donnerstags und samstags stattfinden. „Wir gucken, ob wir damit hinkommen.“ Er schätzt, dass 120 bis 140 Dosen an einem solchen Impftag verimpft werden können. „Es geht eigentlich relativ rasch. Wir sind inzwischen gut eingespielt, es geht alles Hand in Hand.“

Auch die Patienten verhielten sich insgesamt sehr diszipliniert, nur ab und zu reagierten sie untereinander mal etwas gereizter, wenn es nicht so schnell vorangehe wie sie erwarten, berichtet Dillenberger.

Der Mehraufwand durch die vielen Impfungen hat gleich mehrere Gründe. An erster Stelle nennt Dillenberger den Biontech-Impfstoff selbst, den er inzwischen ausschließlich verimpft. Die Lieferschwierigkeit, die es zu Beginn der Impfkampagne gab, sind zum Glück passé. „Die Menge des Impfstoffs ist kein Problem – wir kriegen so viel, wie wir bestellen.“ Aber das Biontech-Vakzin ist, wenn es einmal aufgezogen ist, nicht lange haltbar. Wenn also die sechs Dosen, die aus einem Impfstoff-Fläschchen entnommen werden, müssen sie auch verimpft werden, also innerhalb des Zeitfensters genügend Impfwillige da sein. „Das müssen wir organisieren, viele Telefonate führen und Emails verschicken.“

Die Diskussion darum, wer eine Booster-Impfung bekommen soll, hat aus Dillenbergers Sicht eigentlich keine Verwirrung erzeugt. Erst sei es um die Hochbetagten und Beschäftigte in den Pflegeberufen gegangen, mittlerweile sei aber bekannt, dass sich jeder der möchte, impfen lassen könne.

Hinzukommt das Platzproblem, das Dillenbergers mit vielen anderen Praxen teilt. „Wir sind räumlich begrenzt und dürfen gar nicht so viele Patienten gleichzeitig in die Räume lassen.“ Nach der Impfung müssen die Impflinge auch noch zehn Minuten zur Beobachtung dableiben.

Neben den Corona-Impfungen ist selbstverständlich noch der normale Praxisalltag zu bewältigen. „Wir haben auch noch eine Infektionswelle mit grippalen Infekten“, so Dillenberger.

Impfen auf mehr Impfende verteilen

Es gibt noch einen Grund für den derzeit hohen Arbeitsaufwand: „Wir haben auch deswegen so viel zu tun, weil einige Praxen nicht impfen“, erklärt Dillenberger, dass er auch einige praxisfremde Patienten unter seinen Impflingen hat. Er begrüßt es, dass die Vergütung für die Impfungen von 20 auf 28 Euro pro Spritze erhöht wurde; am Wochenende sind es 36 Euro. „Vielleicht ist das eine Motivation für manche, mit dem Impfen wieder anzufangen, damit es sich auf mehr Impfende verteilt“, so Dillenbergers Hoffnung.

Dass Ende September die Impfzentren geschlossen wurden, kann der Hausarzt allerdings nachvollziehen. „Die Schließung war zu dem Zeitpunkt gerechtfertigt, denn es hat keiner damit gerechnet, dass die Zahlen wieder so weit steigen.“ Auch er zeigt sich erstaunt davon, wie hoch die Infektionszahlen in den letzten Wochen geklettert sind. „Mit diesem Ausmaß habe ich nicht gerechnet“, gesteht Dillenberger. „Es ist schon besorgniserregend. Wir wollen so viele Impfwillige impfen wie es möglich ist. Das ist das einzige, was uns allen hilft.“

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