"Unheimliche Zumutung für die kleinen Kinder“

Plettenberger Eltern äußern Bedenken zum vorübergehenden Kindergarten-Umzug  

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Zahlreiche Eltern waren zur Sitzung des Jugendhilfeausschusses gekommen, um ihre Bedenken zu äußern. 

Plettenberg – „Wir alle würden uns das anders wünschen“, sagt Helge Staat (SPD). Klaus Salscheider (PWG) ergänzt: „Dass das mit Unannehmlichkeiten verbunden ist, ist uns schon bewusst“: Ein hochemotionales Thema stand am Mittwochabend bei der Sitzung des Jugendhilfeausschusses eigentlich erst unter Punkt vier auf der Tagesordnung: „Sachstand Kita Holthausen“. Doch weil etwa 20, meist verärgerte, Eltern erschienen waren, strickte man auf Antrag der CDU kurzerhand die Tagesordnung um und begann die Sitzung gleich mit der brisanten Thematik.

Denn die betroffenen Eltern des Holthauser Kindergartens fühlen sich durch die Stadtverwaltung trotz zweier Elternbriefe nicht ausreichend informiert: „Es sind noch so viele Frage offen, ich bin so sauer“, echauffierte sich eine Mutter. Bürgermeister Ulrich Schulte und Michael Schröder (Sachgebiet Allgemeiner Sozialer Dienst) versuchten deutlich zu machen, dass sie den Eltern die Pläne gerne frühzeitiger mitgeteilt hätten, dass das aber schlicht „nicht möglich war“. „Bis weit in den April hinein hatten wir keine Lösung“, erklärte Schulte. Erst seit Mitte Mai gebe es konkrete Planungen.

Dass die Zeit nun drängt, stößt vielen Eltern bitter auf, denn sie fürchten einen Schnellschuss zu ihrem Nachteil. „Was gibt es denn noch für Alternativen?“ fragte eine Mutter, „wir sind im Sauerland. Es ist traurig, dass wir keinen Waldkindergarten haben. Wäre das nicht eventuell eine Alternative zusammen mit einer Container-Lösung?“, eine andere.

Die Notwendigkeit einer Ausweich-Lösung steht auch für die Eltern außer Frage, ihre Kritik richtet sich aber vor allem gegen die Entfernung bis ins Oestertal und den damit verbundenen Umstand. Michael Schröder betonte, dass man versucht habe, Objekte im Nahbereich zu finden, dass das für 50 Kinder aber nicht gelungen sei. Die Bonifatiuskirche sei erst das vierte oder fünfte Objekt gewesen, das in Betracht kam. Der Ausschuss-Vorsitzende Klaus Salscheider erwähnte auch das städtische Gebäude am Friedhahn in Ohle, das sich aber relativ schnell als unpraktikabel herausgestellt habe. Eine weitere Idee brachte Kirchmeister Knut Brösecke von der Ev. Kirchengemeinde Plettenberg ins Spiel: Räumlichkeiten in der Martin-Luther-Kirche. Zwar schloss Schröder das Objekt aufgrund eines bestehenden Mietverhältnisses aus, die Stadtverwaltung wurde dennoch angehalten, bis zur Ratssitzung die Möglichkeiten abzuklopfen – ebenso bei der Ev. Landeskirchlichen Gemeinschaft Holthausen.

Das Angebot von Shuttlebus- und Härtefall-Regelungen konnte die Eltern nur bedingt beruhigen: „Das ist eine unheimliche Zumutung für die kleinen Kinder“, klagte eine Betroffene. Weiter Klarheit soll jetzt auch ein zeitnaher Elternabend bringen.

Zum Hintergrund: Die Verärgerung zahlreicher Eltern gründet darauf, dass es beim Umbau der Vier-Täler-Schule zu massiven Problemen gekommen ist. Deshalb kann der Betrieb der neuen Kindertagesstätte in diesem Sommer nicht vor Ort beginnen, stattdessen muss eine Übergangslösung her, die die Stadtverwaltung mit der Herrichtung der ehemaligen Bonifatiuskirche anstrebt. Die Kirche soll vorübergehend als Kita hergerichtet werden. Diese Lösung hat aber den großen Nachteil, dass die Entfernung zwischen Holthausen und Oestertal mit fast fünf Kilometern beträchtlich ist.

 

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