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Bedarf an Kaffeekapseln wächst: Firma investiert über 27 Millionen Euro in Standort im MK

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Von: Christos Christogeros

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Aus dem Novelis-Werk in Ohle stamme nach Aussage des Unternehmens schon heute das Vormaterial für die meisten Aluminium-Kaffeekapseln weltweit.
Aus dem Novelis-Werk in Ohle stamme nach Aussage des Unternehmens schon heute das Vormaterial für die meisten Aluminium-Kaffeekapseln weltweit. © Dickopf

Kapsel rein, Knopf gedrückt, Kaffee genießen – bereits seit Jahren erfreuen sich die Kapsel-Maschinen immer größerer Beliebtheit. Der wachsende Durst der Welt nach dem „braunen Gold“ könnte jetzt zu einer großen Investition in den Standort Plettenberg-Ohle führen.

Plettenberg – Denn nach eigener Aussage plant die Firma Novelis, hier über 30 Millionen Dollar (etwa 27 Millionen Euro) zu investieren.

Dabei plane der der Aluminium-Spezialist den Bau einer neuen Durchlaufglühanlage am Ohler Standort. Die Anlage soll die Kapazität für geglühte Aluminiumbänder verdoppeln, die insbesondere zur Kapsel-Herstellung benötigt würde. „Mit der Investition reagiert Novelis auf die steigende Marktnachfrage nach nachhaltigen Verpackungslösungen“, teilt das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit. Denn in Ohle soll nach Aussage des Unternehmens ein „hoher Anteil Recyclingaluminium“ verarbeitet werden. Die neue Fertigungslinie soll im Frühjahr 2024 in Betrieb gehen.

Über 27 Millionen Euro sollen in den Bau einer neuen Durchlaufglühanlage am Ohler Standort investiert werden.
Über 27 Millionen Euro sollen in den Bau einer neuen Durchlaufglühanlage am Ohler Standort investiert werden. © HÖBELMANN

Laut Novelis stamme schon heute das Vormaterial für die meisten Aluminium-Kaffeekapseln weltweit aus dem Werk in Ohle. Durch die Investition in den Plettenberger Standort möchte das Unternehmen seine führende Position im wachsenden Markt für Aluminium-Verpackungsprodukte weiter ausbauen. Denn viele Kaffeemarken entschieden sich bei der Herstellung haltbarer, aromaversiegelter Kaffeekapseln bewusst für Aluminium statt Kunststoff. Letzteres eigne sich besser für Haltbarkeit und Frische des Kaffees, sei aber auch leichter zu recyceln.

„Der verstärkte Einsatz von recyceltem Aluminium hilft uns, den Verbrauch natürlicher Ressourcen zu reduzieren, die Kreislaufwirtschaft zu stärken und den Klimawandel zu begrenzen“, erklärt Emilio Braghi aus der Geschäftsführung von Novelis. „Unsere Nachhaltigkeitsstrategie umfasst die Verpflichtung, unseren CO2-Fußabdruck bis 2026 um 30 Prozent zu reduzieren und darüber hinaus bis 2050 oder früher klimaneutral zu werden.“

In Nachterstedt, Sachsen-Anhalt, betreibt Novelis nach eigener Aussage das weltgrößte und technologisch fortschrittlichste Aluminium-Recyclingwerk mit einer Jahreskapazität von bis zu 400.000 Tonnen. Hier wird aus gebrauchten Aluminium das Vormaterial für die Kaffeekapseln gegossen und später am Standort Ohle für die hohen Anforderungen der Kapselhersteller weiterverarbeitet. Der Kapazitätsausbau eröffne dem Novelis-Werk in Ohle hervorragende Zukunftsaussichten und unterstreiche die Bedeutung des Standorts.

Das Unternehmen

Novelis ist eine Tochtergesellschaft von Hindalco Industries Limited, einem führenden Unternehmen der Aluminium-, Kupfer- und Metallindustrie, dem Flaggschiff der Aditya Birla Group, einem multinationalen Mischkonzern mit Hauptsitz in Mumbai, Indien.

1889 hatte Theobald Pfeiffer den Vorläufer des heutigen Novelis-Werks, das Ohler Eisenwerk, gegründet. Nach der Übernahme durch Alcan im Jahr 1982 wurden große Teile der Produktion umgestellt. 1986 fand die größte Investition in der Geschichte des Werks statt: Für 80 Millionen Mark wird ein Aluminiumwalzwerk installiert, das 1989 die Produktion aufnimmt. Ab 2005 firmierte das Unternehmen unter dem Namen Novelis. Seit 2007 ist Novelis Teil der indischen Hindalco Industries.

Kaffeekapseln aus Aluminium: Vorteile und Kritik

Laut dem Gesamtverband der Aluminium-Industrie gebe es bislang kein besseres Material als Aluminium, um das volle Aroma des Kaffees in den Kapseln zu erhalten. Und die Umweltbilanz könne sich laut dem Gesamtverband sehen lassen: Aluminium lasse sich nahezu unbegrenzt und ohne Qualitätsverluste wiederverwerten. Für das Recycling von Aluminium würde nur fünf Prozent der Energie benötigt, die für die erstmalige Herstellung aus dem Erz Bauxit erforderlich sei. Was viele Kunden nicht wüssten: Die Kaffeekapseln gehören in die Gelbe Tonne oder müssen in die Filialen der Kaffeeanbieter gebracht werden, um recycelt zu werden. Laut dem Gesamtverband der Aluminium-Industrie liege der Anteil der Kaffeekapseln am Gesamtabsatz von Aluminium in der deutschen Verpackungsindustrie aber gerade mal bei einem bis zwei Prozent.

Thomas Fischer, Leiter Kreislaufwirtschaft der Deutschen Umwelthilfe (DUH), spricht den Kapseln die positive Umweltbilanz jedoch ab: „Aluminiumkapseln sind eine Umweltsauerei“, sagte der Experte kürzlich in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Der Erzabbau zerstöre Naturräume, dabei entstehe giftiger Rotschlamm. Außerdem sei das Schmelzen des Metalls sehr energieintensiv. Und nicht jede weggeworfene Kaffeekapsel würde zu einer neuen Kapsel verarbeitet, sagt Fischer. Häufig würde auch Guss-Alu produziert, aus dem keine neuen Kaffeekapseln produziert werden könnten.

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