Millionenteure Bahnbrücke zum Schnäppchenpreis

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Die Fußgängerbrücke in Ohle soll abgerissen werden.

Plettenberg – Zwei neue Brücken sollen ab dem kommenden Jahr in Ohle über die Ruhr-Sieg-Strecke gebaut werden. Dafür wird die bestehende marode Fußgängerbrücke am Aldi-Markt abgerissen und der Bahnübergang Nordstraße aufgehoben. Auch das Wohngebiet nördlich der Gleise soll wachsen.

Brücke und Bahnübergang sind die einzigen Erschließungsmöglichkeiten für das Gebiet Am Stübel / Ölmühle /Am Friedhain. Probleme mit dem Bahnübergang und die Baufälligkeit der Fußgängerbrücke sind seit langem bekannt, die Planungen, diese durch eine Straßenbrücke sowie eine Fußgängerbrücke an anderem Standort zu ersetzen, laufen seit Jahren. Nun liegen Planungen vor, die im Bau- und Liegenschaftsausschuss  vorgestellt werden. Dass nun Bewegung in die Sache kommt, liegt an der letzten Änderung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes. Dadurch sind nur noch geringe beziehungsweise keine Kostenanteile durch die Stadt Plettenberg zu tragen. 

Die Stadt hat als Straßenbaulastträger für die Umsetzung eine Kreuzungsvereinbarung mit der DB Netz AG geschlossen. Die fachtechnische Genehmigung sowie die Genehmigung seitens der Bahn und die Genehmigung der Förderanteile durch Bezirk, Land und Bund stehen noch aus. Vorbehaltlich der Genehmigung ist Folgendes geplant: 

Straßenbrücke 

 Die vorhandene Fußgängerbrücke östlich des Aldi-Marktes soll ab Anfang März 2021 zurückgebaut werden. An deren Stelle soll eine Straßenbrücke die Gleise überqueren und damit die neue Zufahrt zum nördlich der Gleise gelegenen Wohngebiet dienen. Die Brücke soll eine 6 Meter breite Fahrbahn und einen 1,50 breiten einseitigen Gehweg erhalten. Für den Anschluss der neuen Brücke an die B236 muss auf der Bundesstraße eine Linksabbiegerspur angelegt werden. Der Bahnübergang des Anschlussgleises der Firma Novelis, der sich im zukünftigen Einmündungsbereich befindet, wird nicht berührt, allerdings muss die Signalisierung an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Für den Anschluss der Brücke an die Straße „Am Friedhahn“ sieht die Straßenplanung Schleppkurven vor, die auch mit Sattelzügen befahrbar sind. Die Kosten für die Straßenbrücke inklusive Zufahrt betragen 3,1 Millionen Euro und werden größtenteils von Bund, Bahn und DB Netz AG getragen. Die Stadt hat die nichtkreuzungsbedingten Kosten – Abbruch der Fußgängerbrücke und Gehweg als Mehraufwand – von 300 000 Euro zu tragen, wobei eine mögliche Förderung auch dieser Kosten noch mit der Bezirksregierung Arnsberg abgestimmt werden soll. Daneben trägt die Stadt Baunebenkosten in Höhe von 260 000 Euro. 

Fußgängerbrücke 

Der Bahnübergang an der Nordstraße soll zurückgebaut werden. Westlich davon soll dann eine neue Fußgängerbrücke errichtet werden.

Parallel wird mit dem Bau einer neuen Fußgängerüberführung westlich vom bestehenden Bahnübergang Nordstraße begonnen werden. Sie soll künftig das Gebiet Am Stübel an den Ortskern Ohle fußläufig anschließen. Für den Fuß- und Radweg ist im Brückenbereich eine Breite von 2,50 Meter vorgesehen. Wenn die Straßenbrücke am Aldi-Markt in Betrieb genommen ist, wird auch der Bahnübergang zurückgebaut und bis Ende 2021 die Fußgängerbrücke fertiggestellt. 

An der Nordstraße entsteht dann ein Wendehammer. Dieser wird von den städtischen Planern konzipiert, während für die Planung der Brücken das Düsseldorfer Ingenieurbüro Grassl verantwortlich ist. Die Kosten für die Fußgängerbrücke in Höhe von 1,475 Millionen Euro werden komplett von Bund, Bahn und DB Netz AG getragen. Die verbleibenden Baunebenkosten von 140 000 Euro trägt die Stadt. 

Baugebiet Ölmühle 

Durch die Brücken verbessert sich auch die Anbindung der Straßen nördlich der Gleise. Wie im Bebauungsplan Nr. 107 Ölmühle – dieser stammt aus dem Jahr 2006 – vorgesehen, sind dort auch Flächen für eine Wohnbebauung vorgesehen. Am Schattweg gibt es zehn und an der Straße Am Hasentanz befinden sich sieben Grundstücke in städtischem Eigentum, die bebaut werden könnten, sowie weitere private Grundstücke. Laut Ausschussvorlage hält die Verwaltung die Erschließung im Zuge des Brückenbaus für sinnvoll, da es in anderen Baugebieten nur noch wenige freie Baugrundstücke gibt, fünf am Brachtweg und 17 „An den Kämpen“ im Oestertal, bei einer in den letzten Jahren deutlich steigenden Nachfrage. „Es ist daher absehbar, dass die Nachfrage in Zukunft nicht mehr bedient werden kann“, heißt es in der Vorlage. „Die Schaffung neuer Wohnbauplätze dient auch der Sicherung der Infrastruktur in Ohle durch die Schaffung zusätzlicher Nachfrage durch neue Einwohner.“ 

Zudem würden sich durch die gemeinsame Ausschreibung der Erschließungsarbeiten wirtschaftliche Vorteile ergeben. Es ist vorgesehen beide Straßen um 180 Meter (Am Hasentanz) beziehungsweise 195 Meter (Schattweg) zu verlängern. Inklusive des späteren Endausbaus und des Kanalbaus werden die Kosten aktuell auf 760 000 Euro für den Schattweg und 970 000 Euro für die Straße Am Hasentanz beziffert.

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