Kein Nachfolger

Warum diese Arztpraxis im MK jetzt ein Wunder braucht

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Es sieht schlecht aus, für eine Nachfolgelösung in der Praxis in Ohle, die über 3000 Patienten zählt. Ab Jahresende stehen viele von ihnen ohne Hausarzt da.nhat

Der Ärztemangel bereitet den Bürgern von Plettenberg große Sorgen. Eine Praxis steht leer.

Plettenberg - Die Wichtigkeit des Themas spiegele sich auch in einzelnen Gesprächen mit den Plettenberger Bürgern wider, betonte Ulrich Schulte gegenüber der Redaktion. Dies sei auch nicht verwunderlich, denn viele Patienten der Praxis Csapo/Hülsmann hätten bislang noch keinen neuen Hausarzt gefunden. „Das Thema ist nicht einfach zu lösen“, gab der Bürgermeister zu verstehen. Was die Nachfolgelösung für die Hausarztpraxis in Ohle angeht, gebe es noch kein endgültiges Ergebnis. Die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe habe erklärt, dass die Praxis nicht von einem Arzt „nebenher geführt“ werden könne.

 „Deshalb sind wir jetzt auf der Suche nach einem zweiten Arzt“, sagte Schulte. Ein Arzt aus Lüdenscheid hatte im Vorfeld Interesse an dem Plettenberger Standort bekundet. Doch die Praxis nur als Filiale weiterzuführen, könne laut KVWL die medizinische Versorgung der über 3.000 Patienten nicht sicherstellen, da die Zeitkontingente nicht ausreichend seien. „Um den Bedarf vernünftig abzudecken, braucht man einen zweiten Arzt“, so Schulte, der das Problem noch in diesem Jahr lösen will, um einen möglichst nahtlosen Übergang zu gewährleisten.

Plettenberg: Hausarzt in Ohle fehlt

Allgemeinmedizinerin Ute Hülsmann konnte den verhaltenen Optimismus des Bürgermeisters nicht teilen. „Es sieht danach aus, als ob wir Ende des Jahres ohne Nachfolgelösung hier den Schlüssel umdrehen“, sagte Hülsmann. In den letzten Wochen sei niemand mehr auf sie zugekommen. „Ich habe bei der KVWL nachgefragt, ob die gestrandeten Patienten hier ab Januar per CareMobil versorgt werden“, sorgt sich Hülsmann um ihre Patienten. Sie selbst stehe nicht weiter zu Verfügung und werde eine einjährige Pause einlegen. 

Ob sie danach noch einmal als Kassenärztin tätig werde, ließ sie offen. Dass es in Sachen Ärztemangel so weit gekommen sei, liege in der Verantwortung der Politik: „Die Stadt Plettenberg hat keinen Zauberhut, wo Ärzte drin sind.“ Und die KVWL sei ein Verwaltungsorgan und müsse versuchen, die Fehler der Politik auszubügeln. „Wir werden in den nächsten Tagen eine Anzeige schalten, unsere Patienten über die Schließung informieren und bitten, bis zum Jahresende ihre Unterlagen abzuholen“, sagte Hülsmann. „Es sei denn, es passiert bis dahin noch ein kleines Wunder.“

Ärztemangel in Plettenberg im Sauerland

Ein Wunder ist auch nach Ansicht von Ansgar von der Osten notwendig. Der Leiter des Geschäftsbereiches Sicherstellungspolitik bei der KVWL betonte, dass „von allen Seiten alles getan“ worden sei, um eine Nachfolgelösung zu finden. Erst vor wenigen Tagen habe es einen Bewerber gegeben, der sich anfänglich interessiert gezeigt habe, dann aber nichts mehr von sich hören ließ. Dabei habe die KVWL die Praxis schon im Sommer in die Förderliste aufgenommen.

„Im Optimalfall hätte ein Arzt bis zu 80.000 Euro von uns an Fördermitteln bekommen“, sagte von der Osten. Und das, obwohl sich die Praxis dank der prall gefüllten Patientenkartei auch so trage. Nun schwinde die Hoffnung, bis zum Jahresende noch eine Lösung zu finden. „Diesen Kampf haben wir wohl verloren, den nächsten dürfen wir nicht verlieren“, sagte von der Osten mit Blick auf weitere Praxisaufgaben in Plettenberg in den nächsten Jahren. Deshalb bleibe Plettenberg auch weiter in der Förderung.

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