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Anwohner genervt: Auf dieser Straße sorgen Gesetzlose für Lärm

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Von: Georg Dickopf

Fast schon fahrzeugleer präsentiert sich die Hochbrücke am Vormittag. Doch in den Abendstunden sieht die Situation anders aus.
Fast schon fahrzeugleer präsentiert sich die Hochbrücke am Vormittag. Doch in den Abendstunden sieht die Situation anders aus. © Dickopf

Motoraufheulen, Drifts, ja sogar Viertelmeilen-Rennen: All das nervt die Anwohner im Bereich des Eiringhauser Puddings und der Hochbrücke. Insbesondere in den Sommermonaten, vornehmlich am Wochenende, spitze sich die Situation mit fortschreitender Uhrzeit zu. Auf baldige Abhilfe können sie nicht hoffen.

Plettenberg – Der FDP-Fraktionsvorsitzende Carsten Hellwig hatte sich mit einer Anfrage zum Thema Lärmemissionen an den Rat gewandt. Er wollte ergründen, ob der Lärm und auch die Geschwindigkeit in den beiden Bereichen durch Messungen erfasst werden könnten. Auch stärkere Kontrollen durch die Polizei oder gar eine Blitzsäule zur Vermeidung von Autorennen wünschte er sich.

Doch die Resonanz fiel nicht wie erhofft aus: „Die Antworten freuen mich gar nicht“, gab Hellwig im Rat ernüchtert zu verstehen. Er habe etwas erreichen wollen. Stattdessen werde aufgeführt, was alles nicht gehe.

Straßen.NRW: Lärmpegel berechnen

Straßen.NRW gibt im nüchternen Beamtendeutsch folgendes zu verstehen: „Bei einem Neubau oder wesentlichen Änderungen einer Straße ist unter anderem ein lärmtechnisches Gutachten zu erstellen, aus dem die Lärmbelastung aller betroffenen Gebäude sowohl am Tag als auch in der Nacht hervorgeht. Dabei müssen die gesetzlichen Grenzwerte eingehalten werden. Nach dieser Verordnung sind die Lärmpegel generell zu berechnen und nicht zu messen, da nur so eine Gleichbehandlung aller Betroffenen gewährleistet ist.“

Zudem habe der Landesbetrieb auch keine Pegelmessgeräte. Bei der Lärmberechnung gehe es darum, wieviel Lärm am Gebäude noch ankomme und nicht darum, wieviel Lärm direkt an der Straße entstehe.

Sogenannte „Lärmpegelspitzen“ durch zu schnelles Fahren oder durch fehlende Auspuffteile können laut Straßen.NRW nicht berechnet werden – „dies sind jeweils Einzelereignisse. Diese Pegelspitzen lassen sich nur vor Ort messen, aber nicht an allen betroffenen Gebäuden zur gleichen Zeit“. Eine Lärmmessung des Gesamtverkehrslärms scheide demnach aus. Stattdessen könne jedoch eine entsprechende Prüfung einer etwaigen Lärmsanierungsmaßnahme im Bereich der „alten“ Hochbrücke bei Straßen.NRW angeregt werden.

Märkischer Kreis: Kein Platz für Radarwagen

Der Märkische Kreis teilte mit, dass es auf der Hochbrücke „räumlich nicht möglich“ sei, einen Radarwagen in geeigneter Weise zu positionieren. Eine stationäre Überwachung bedürfte ebenfalls eines geeigneten Standortes. Für die regelmäßige Auswertung einer Blitzsäule bestünden im Brückenbereich keine Aufstellflächen. Letztlich lägen nach den entsprechenden Vorschriften auch die Voraussetzungen für eine sehr kostspielige stationäre Überwachungsanlage nicht vor.

Kreispolizei: Eine der sichersten Straßen

Ähnlich antwortete auch die Kreispolizeibehörde: Einerseits wurde darauf verwiesen, dass im Bereich der Brücke Geschwindigkeitsmessungen durch fehlende Seitenstreifen und Haltebuchten nicht möglich seien. Andererseits gehörten nach Unfallauswertungen die L 697 in diesem Bereich sowie die darunter verlaufende Reichsstraße und die angrenzende Brauckstraße gemäß vorliegender Unfallzahlen zu den sichersten Straßen im Märkischen Kreis – vor allem mit Blick auf die hohen Nutzerzahlen dort. Die (knappen) polizeilichen Ressourcen seien regelmäßig dort einzusetzen, wo es gelte, schwere Unfälle zu bekämpfen.

Nichtsdestotrotz würde die Kreispolizeibehörde im Stadtgebiet Plettenberg mehrmals jährlich Schwerpunktkontrollen in Bezug auf die sogenannte „Tuner- und Poserszene“ durchführen. Dabei seien zurückliegend bereits Verstöße festgestellt und geahndet worden, insbesondere betreffend illegaler technischer Fahrzeugveränderungen.

Ordnungsamt: Was fehlt, ist Respekt

Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel sprang Hellwig zur Seite und bezeichnete das von ihm beschriebene Verkehrsverhalten als Ausdruck mangelnden Respekts. Er empfahl, die Polizei dort um mehr Kontrollen zu bitten, auch wenn es kein Unfallschwerpunkt sei. Die Stadt selbst könne durch ein Seitenradarmessgerät Messungen an Reichsstraße und Brauckstraße vornehmen, allerdings nicht auf der vierspurig ausgebauten Hochstraße. Die Daten werde man der Kommunalpolitik und den Überwachungsbehörden mit der Bitte um Prüfung von Messstelleneinrichtungen zur Verfügung stellen.

Abschließend beauftragte der Rat die Verwaltung, bei Straßen.NRW die Prüfung etwaiger Lärmsanierungsmaßnahmen im Bereich der „alten“ Hochbrücke anzuregen und zudem die Polizei in Bezug auf besonders lärmträchtige Fahrmanöver oder Fahrzeugumbauten um verstärkte Kontrollen zu bitten.

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