Abitur in der Krise

Erste Hürde zum großen Traum

Coronavirus - Abitur in Kiel
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Desinfektion und Tische auf Abstand waren auch am ASG selbstverständlich. Auf diesem Foto ist allerdings  nicht das ASG zu sehen.

Plettenberg – Gestern ging es los für die Abiturienten: Bio, Physik, Ernährungslehre, Informatik und Technik standen auf dem Tagesplan. Auch am heimischen Albert-Schweitzer-Gymnasium wurde geprüft. Eigentlich hätten die Klausuren schon eher geschrieben werden sollen, mussten aber aufgrund der Coronakrise auf den Zeitraum vom 12. bis zum 25. Mai verschoben werden.

Wegen der Pandemie hatten die Schüler vorher keinen Unterricht mehr – ganz besondere Umstände für die jungen Erwachsenen in diesem Jahr. Einer der Abiturienten ist der Affelner Fabian Gieshoff, der „erstaunlich zufrieden“ mit der ersten Klausur war. Für ihn stand die Physik-Leistungskurs-Prüfung an, die der Schüler – so seine eigene Einschätzung – „ganz gut“ hinter sich brachte. „Eine Eins minus müsste in etwa drin sein“, ist er froh, dass die erste Hürde überstanden ist.

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 „Ich hatte arge Bedenken, wie das alles so werden würde, aber bin erstaunt, wie gut alles geklappt hat“, erzählt er unmittelbar nach der Prüfung. Die Physik-Prüfung hätte ihm im Vorhinein am meisten Angst bereitet. Auch seine Mitschüler seien zufrieden gewesen, so zumindest seine erste Wahrnehmung. Natürlich gebe es immer „den ein oder anderen Kandidaten, der einfach nicht ausreichend gelernt hat“, so Gieshoff. Schon vor Wochen, als das Kultusministerium entschieden hatte, das Abitur in jedem Fall durchzuführen, sprach die Redaktion mit Fabian Gieshoff, der die Entscheidung wie folgt fand: „Es gibt zwei Seiten zu dieser Entscheidung. Auf der einen Seite ist es wichtig und gut, dass das Abitur trotz allem durchgeführt werden soll. Wir haben uns schließlich zwei Jahre darauf vorbereitet und alle ein Ziel vor Augen und wollen es auch alle hinter uns bringen.“

 Auf der anderen Seite sah er die Entscheidung aber auch kritisch: „Gesellschaftlich und psychologisch gesehen, könnte die Durchführung des Abiturs auch Probleme mit sich bringen. Wenn nach den Osterferien das gesellschaftliche Leben erst ganz langsam wieder anfängt zu laufen, sitzen wir dann mit vielen Personen in den Klassenzimmern und schreiben Abiturprüfungen – das ist natürlich kontraproduktiv. Dabei werden natürlich wieder viele Personen aufeinandertreffen und könnten das Virus weiterverbreiten“, erklärte er damals seine Sichtweise. Gestern erklärte er auf Anfrage, dass sich seine anfänglichen Befürchtungen nicht bestätigt hätten: „Die Tische standen alle sehr weit auseinander und man hat alles getan, um den persönlichen Kontakt von mehreren Personen untereinander zu vermeiden. Das hat wirklich erstaunlich gut funktioniert“, ist er überrascht. Der junge Affelner möchte nach dem Abitur in die Filmbranche. 

Ob er an einer entsprechenden Institution aufgenommen werden kann, wird sich nach dem Abitur zeigen, denn am heutigen Mittwoch steht erst einmal die Deutschklausur auf dem Programm. Dann folgt Mathe und dann muss er noch eine mündliche Prüfung absolvieren, bevor endlich alles geschafft ist. Gefeiert werden kann das hoffentlich bestandene Abi erst einmal nicht. „Da wird aber wohl sicherlich irgendeine Lösung gefunden werden, sodass wir den Ball nachholen können“, ist Gieshoff zuversichtlich. Auch wenn die Mottowoche ausfallen musste und nicht alles so gelaufen ist, wie ursprünglich geplant, sei Gieshoff weiterhin optimistisch und froh, wenn schließlich alles überstanden sei und dann der große Traum vom Filmstudium in greifbare Nähe rücke.

 Auch Elisabeth Minner, Schulleiterin des Albert-Schweitzer-Gymnasiums, ist erleichtert, dass alles gut gelaufen ist: „Alle Schüler waren anwesend, das ist immer ein sehr gutes Zeichen und macht vieles einfacher“, erklärt sie. Man habe mit dem gesamten Kollegium das Bestmögliche getan, um alle Hygienevorschriften zu beachten. Dazu wurden die Schüler auf viele verschiedene Räume aufgeteilt. „Vor jedem Raum stand ein Kollege und hat überprüft, dass jeder Schüler seinen Sitzplatz nur mit Mundschutz aufsucht. Im Raum selber hatte dann jeweils ein Kollege Aufsicht“, so Minner. Während der Klausur selbst durften die Schutzmasken abgelegt werden. „Es wurde streng darauf geachtet, dass jeder Schüler einen Duden und eine Formelsammlung hat und die Hilfsmaterialien nicht weitergereicht wurden. Nicht mal ein Radiergummi durfte unter den Schülern ausgetauscht werden“, erklärt sie die strengen Regeln. Sie sei sehr froh, dass alle Abiturienten an einem Strang gezogen hätten und sich diszipliniert verhalten hätten.

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