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30 Jahre im Einsatz für unsere Kinder: Kinderschutz-Zentrum feiert Geburtstag

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Von: Hartmut Damschen

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Einrichtungsleiter Ansgar Röhrbein (rechts) bedankte sich bei seinem Team des Kinderschutz-Zentrums.
Einrichtungsleiter Ansgar Röhrbein (rechts) bedankte sich bei seinem Team des Kinderschutz-Zentrums. © Damschen

Kinderschutz? Ein Wort, das gerade in der letzten Zeit immer wieder aufhorchen lässt. Eigentlich eine traurige Geschichte, wenn es extra Einrichtungen geben muss, die auf das Kindeswohl achten. Doch umso wichtiger werden die Organisationen, je flüchtiger die Gesellschaft miteinander umgeht. Das Märkische Kinderschutz-Zentrum Lüdenscheid gibt es nun bereits seit 30 Jahren – dieses runde Bestehen wurde jetzt im Plettenberger Rathaus gefeiert.

Plettenberg – Gerade in der Corona-Pandemie, in der die Familien enger zusammenrücken mussten, fühlten sich manche mit der Situation überfordert – und häusliche Gewalt wurde ein beherrschendes Thema. Doch nicht nur mancher soziale Kontakt ging zu Bruch, sondern auch die Sensibilität, bei Kindern Auffälligkeiten in ihrem Verhalten zu erkennen.

Was ist da los? Braucht das Kind Hilfe? Öffnet sich das Kind mir gegenüber, wenn es darauf angesprochen wird? Professionelle Hilfe tut an der Stelle Not. In der heimischen Region gibt es verschiedenste Kontaktmöglichkeiten, an die sich Kinder, Jugendliche, Eltern und Lehrkräfte im Notfall wenden können.

Junge Gesetze

In einer kleinen Feierstunde wurde im Plettenberger Rathaus die erfolgreiche 30-jährige Zusammenarbeit des Kinderschutz-Zentrums gewürdigt. Dirk Finder in seiner Funktion als stellvertretender Bürgermeister der Stadt Plettenberg ging in seiner Begrüßung auf die geschichtliche Entwicklung der Kinderrechte ein und stellte fest, dass erst seit wenigen Jahrzehnten der Schutz der Kinder durch gesetzliche Regelungen sichergestellt wird. Hier wurde deutlich, wie jung einige der Gesetze sind, die Kinderrechte festschreiben.

Iris Beckmann-Klatt, Leiterin des Fachbereiches Jugend, Bildung und Integration beim Märkischen Kreis, verglich das Gründungjahr 1992 und das Jubiläumsjahr 2022: Zu beiden Zeiten gab es eine wirtschaftlich schwierige Situation, es gab damals die Balkankriege mit eingekesselten Städten und heute den Ukrainekrieg. Sie beschrieb die damalige Ausgangslage zum Kinderschutz und die Entwicklung zu den heute gültigen Regelungen mit den Beratungs- und Hilfsangeboten für Kinder in schwierigen Lebenslagen.

Züchtigungsverbot

Als verqueres Beispiel von Gleichberechtigung im Erziehungsrecht wies Beckmann-Klatt auf die 1958 erfolgte Aufhebung des den Vätern eingeräumten Rechtes der Züchtigung des Kindes hin. Verquer, weil nun auch den Müttern das Recht eingeräumt wurde. Erst im Jahr 2000 kam es zum endgültigen Züchtigungsverbot in Deutschland.

„Darüber hinaus“, so Beckmann-Klatt, „entstehen erst in den letzten Jahren mehr und mehr gesetzliche Veränderungen, die den Kinderschutz aus dem Blickwinkel der Kinder heraus beinhalten.“

Dr. Stefan Heinitz, Geschäftsführer der Bundesarbeitsgemeinschaft „Die Kinderschutz-Zentren“ unterstrich die vorhandene fachliche Kompetenz der Mitarbeiter: Motivation, Dialog- und Kommunikationsfähigkeit stehen für eine gelungene Beratung, die eine gut akzeptierte und ebenso gut eingebundene Beratungsstelle ausmacht. Wichtige Bausteine, die für eine funktionierende Vernetzung Voraussetzung sind.

Dass das läuft, konnten Michael Schröder (Leitung Fachbereich Jugend und Familie bei der Stadt Plettenberg) und Sabrina Müller (Leitung des Sachgebietes Allgemeiner Sozialer Dienst bei der Stadt Plettenberg) nur bestätigen.

Helfer und Förderer

Ohne finanzielle Unterstützung würden solche Projekte nur schwer anzuschieben sein. Antje Malycha, Vorsitzende des Fördervereins MIKI wurde vom Leiter des Zentrums, Ansgar Röhrbein, für ihren unermüdlichen Einsatz besonders gedankt: Der Förderverein sorge stets für die Möglichkeit, dass über Spenden die Finanzierung von Halb- oder Vollzeitstellen realisiert werden konnten.

Treue Helfer findet sie seit Jahren im Freundeskreis Marita Gerdes, die für den guten Zweck basteln, stricken und häkeln. Am 8. Juli veranstalten Förderverein und Helfer auf dem Plettenberger Wochenmarkt eine Tombola, um Spenden für das Kinderschutzzentrum zu sammeln.

Das Team wird also auch nach 30 Jahren nicht müde. Entsprechend positiv gestimmt endete die Feierstunde im Plettenberger Rathaus bei guten Gesprächen und einem Glas Sekt.

Historie im Überblick

Vor 30 Jahren wurde die „Ärztliche Beratungsstelle gegen Vernachlässigung und Misshandlung“ in Lüdenscheid gegründet. Heute ist sie das Märkische Kinderschutz-Zentrum (KiZ) am Klinikum Lüdenscheid. Schon früh (1996) hatte sich die Stadt Plettenberg dieser Organisation angeschlossen. Heute arbeiten durchweg alle Städte und Gemeinden des Märkischen Kreises kooperativ und zielgerichtet mit den Pädagoginnen und Pädagogen des KiZ zusammen. Diese sind zu erreichen unter Tel. 0 23 51 / 46 39 15.

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