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„In der Mausefalle“: A45- und B236-Sperrung für Firmen eine „Katastrophe“

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Von: Johannes Opfermann

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Die Herzhoff GmbH ist auf das Recycling von Neuschrott spezialisiert. Die eine Hälfte der Transporte zu den Kunden läuft über die Schiene, die andere über die Straße. Die LKW müssen wegen Sperrungen jedoch große Umwege in Kauf nehmen.
Die Herzhoff GmbH ist auf das Recycling von Neuschrott spezialisiert. Die eine Hälfte der Transporte zu den Kunden läuft über die Schiene, die andere über die Straße. Die LKW müssen wegen Sperrungen jedoch große Umwege in Kauf nehmen. © Herzhoff GmbH

Die A 45-Sperrung ist nicht nur für Lüdenscheid ein Problem, sondern auch für Unternehmen aus Plettenberg und dem gesamten Südkreis. Was an sich schon katastrophal genug wäre, wird durch die Sperrung der B 236 noch verschlimmert.

Plettenberg – „Wir haben alle Riesenprobleme“, sagt Dr. Sabine Wallmann, Geschäftsführerin der Herzhoff GmbH in Plettenberg. Das sei auch bei einer vor Kurzem stattgefundenen Informationsveranstaltung in Halver deutlich geworden, an dem Wallmann als Vertreterin der Lokalpolitik teilnahm – sie ist in Halver Stadträtin für die UWG. Bürger, Politik, Wirtschaft – allen sei bewusst, wie schwer die Sperrung der Rahmede-Talbrücke Lüdenscheid getroffen hat, sagt sie. „Aber man muss auch sehen, dass die A 45-Sperrung die ganze Region betrifft, den gesamten südlichen Märkischen Kreis bis in den Kreis Olpe hinein.“

Die Firma Herzhoff sitzt in Plettenberg-Eiringhausen, direkt neben der Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft. Spezialisiert ist das Unternehmen auf die Entsorgung von hochwertigem Neuschrott aus der stahlverarbeitenden Industrie. Den erhält es von den Unternehmen aus dem Großraum Plettenberg, zum Beispiel Gratschrotte, Putzen, Späne oder Stanzreste. Die werden in dem Recycling-Unternehmen aufbereitet und sortiert, neben Stückigkeit insbesondere im Hinblick auf die Legierungen, sodass dieser Qualitätsschrott dann genau nach den gewünschten Spezifikationen an die Stahl- und Gießerei-Industrie geliefert werden kann. „Das Problem ist, wir bekommen unsere Ware zum Teil nur mit großen Umwegen zu unseren Abnehmern“, erklärt Wallmann. Dabei ist die Herzhoff GmbH vor dem Hintergrund der A 45-Sperrung noch besser dran als viele andere Unternehmen an der Lenneschiene. Denn der eigene Bahnanschluss wirkt sich hier laut Wallmann ehr positiv aus, zudem sei das recycelte Material prädestiniert, um mit der Bahn verschickt zu werden.

Die Bahn kann keine Alternative sein

„50 Prozent der Fracht, mal etwas mehr, mal weniger, zu den Stahlwerken und Gießereien an der Ruhr und in ganz Europa können wir mit der Bahn verladen. Mehr ist aber nicht drin. Nicht weil wir das nicht wollen, sondern weil die Bahn das nicht leisten kann beziehungsweise Kundenwünsche dem entgegenstehen“, stellt Wallmann fest. Mehr Waggons nach Plettenberg zu bekommen sei oft nicht möglich, die Verfügbarkeit sei seit Jahren dramatisch.

Die anderen 50 Prozent der Lieferungen liefen über die Straße. „Sowohl für unsere eigenen LKW als auch für die Spediteure ist es ein Riesenproblem, aus Plettenberg rauszukommen – wir sitzen hier quasi in der Mausefalle“, sagt Wallmann.

Dabei gehe es nicht nur um die „Katastrophe mit der A 45-Brücke“, sondern auch um die Tatsache, dass Lüdenscheid einige Strecken für den LKW-Verkehr gesperrt habe – auch wenn einige Sperrungen zumindest in eine Richtung wieder zurückgenommen worden seien, sagt Wallmann, die für die Sperrungen in der Innenstadt großes Verständnis hat. Sperrungen auf anderen Strecken sieht sie dagegen kritisch.

Das große Problem sei bei den Sperrungen nicht der Durchgangsverkehr, der zu einem Großteil bereits weiträumig umgeleitet werde. „Es geht nicht um LKW, die von Hannover nach Frankfurt unterwegs sind und durch Lüdenscheid fahren, sondern wir haben einen sehr hohen Lieferverkehr innerhalb der Region“, betont Wallmann. Durch die arbeitsteilige und eng vernetzte Wirtschaft würden große Frachtmengen innerhalb des Märkischen Kreises und Südwestfalens hin und her gefahren. Da schade es, wenn noch andere Straßenverbindungen wie die Herscheider Landstraße oder die Lösenbacher Landstraße gesperrt würden.

Und noch etwas hat die Geschäftsführerin zum Thema Durchgangsverkehr hinzuzufügen. Es würde häufig davon gesprochen, dass beispielsweise polnische oder andere osteuropäische LKW ja nicht auf den jetzt so stark belasteten Strecken fahren müssten. „Die fahren nicht aus Spaß hier, sondern weil sie Zielorte im Kreis haben“, stellte Wallmann klar. Die Plettenberger Industrie beispielsweise werde mit vielen Teilen und Halbfertigerzeugnissen aus Osteuropa beliefert.

B 236-Sperrung mache das Chaos perfekt

Das Verkehrschaos sei seit Ende März durch die Sperrung der B 236 in Nachrodt perfekt. „Als sie noch offen war, war über die B 236 für Lüdenscheid eine Entlastung da. Die Spediteure hier und auch die Lüdenscheider haben gemerkt, dass etwas Druck draußen war“, sagt Wallmann. Und das Lüdenscheid verkehrstechnisch entlastet werden müsse, stehe außer Frage. Dass diese Entlastungsstrecke nun über Monate wegfalle, wirke sich nicht nur auf die Lenneschiene, sondern auch auf Lüdenscheid aus.

„Die Tatsache, dass jetzt die B 236 gesperrt ist, führt dazu, dass wir entweder wieder über Lüdenscheid fahren müssen oder, was im Moment passiert, der Schwerlastverkehr über Balve und Menden fährt – das findet man dort auch nicht lustig“, sagt Wallmann. „Eine über vier Monate laufende Sperrung – und daraus könnten ja auch fünf werden – ist eine absolute Katastrophe für Plettenberg, für Lüdenscheid und den Nordkreis.“ Deswegen ihre klare Forderung: „An der B 236 müsste eigentlich 24/7 gearbeitet werden – sonst kostet es die Unternehmen, aber auch die Kommunen und damit die Bürger in der Region ein Vermögen.“

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