Kein Kompromiss zwischen Befürwortern und Gegnern der Baumfällungen

Zahlreiche Plettenberger hatten sich am Donnerstagabend im Plettenberger Ratssaal versammelt, um über das Für und Wider der angestrebten Baumfällungen am Alten Markt zu diskutieren.

Es sollte ein Dialog werden, nach dem am Ende im besten Fall ein Kompromiss gestanden hätte: Doch wie auch Bürgermeister Ulrich Schulte feststellen musste, scheinen die Fronten zwischen den Befürwortern und den Gegnern der Abholzung der Platanen am Alten Markt verhärtet zu sein. Und so drehte sich die Diskussion größtenteils um die Frage, wie wichtig der Schattenwurf der neun Bäume ist – oder eben nicht.

Einen Gutachter zu bestellen, der die Platanen untersuchen soll (wir berichteten), sei ein Schritt in die richtige Richtung, jedoch alles andere als ein Kompromiss, wie Bürgermeister Ulrich Schulte erklärte. Das Stadtoberhaupt mahnte ebenso wie Klaus Ising (CDU) und Carsten Hellwig (FDP), sich nicht in Details zu verlieren – „es muss nun endlich voran gehen“, forderte Ising. Die Worte der Kommunalpolitiker fanden am Donnerstagabend jedoch nur bei wenigen Gehör. 

Fast schon unversöhnlich, so schien es, standen sich Befürworter und Gegner der Abholzung der Platanen gegenüber. Am Ende drehte sich die Diskussion um die Art und die Wichtigkeit des Schattenwurfs der umstrittenen Bäume. Dabei erklärten einige Bürger, die Platanen würden im „Hochsommer“ den nötigen Schatten bieten, andere entgegneten, dass die Bäume lediglich die nahen Gebäude beschatten würden. Sonnensegel seien zur Beschattung des Dachstuhls daher wesentlich sinnvoller, erklärte ein Plettenberger.

Daher wurde auch erneut der Plan des Büros bbz kritisiert, nur die drei Platanen im Hintergrund des Stephandachstuhls zu erhalten. Der seitlich gespendete Schatten würde entfallen. Der Plan, doch alle neun Bäume zu erhalten, erhielt dagegen Applaus. Dabei erklärte auch Bürgermeister Ulrich Schulte, dass ein Erhalt der Platanen nur schwer möglich sei, sollte der Alte Markt umfassend saniert werden. Ein zu starker Rückschnitt, der den Alten Markt wie von den Landschaftsarchitekten heller und lichter gestalten würde, würde die Platanen höchstwahrscheinlich irreparabel beschädigen. „Der Alte Markt ist eine sehr wichtige Veranstaltungsfläche, für die mehr Raum sinnvoll wäre“, erklärte Timo Herrmann vom bbz.

Auch einige Plettenberger erklärten, dass die Platanen bei Veranstaltungen nur stören würden. „Die Standbetreiber haben immer Probleme mit den Wurzeln. Eine ebene Fläche zu schaffen ist hier kaum möglich“, erklärte ein Bürger. Ohne eine Verlegung der Versorgungsleitungen im Boden, würden auch weiterhin Kabel frei herum liegen und die mobilen Stromkästen für ein wenig freundliches Bild sorgen. Ungewiss, ob Arbeiten 2018 beginnen können Die Befürworter eines Erhalts der Bäume hielten dagegen: Das ‘Grün’ passe sehr gut zum Glas des Dachstuhls und als „Vermittler zu den umliegenden Gebäuden“, wie ein Plettenberger sagte. Die Platanen seien der „einzige Lichtblick“ am Alten Markt, der ohnehin bereits seit Jahren schlecht frequentiert sei.

„Die Bäume sind zwar schön, aber zu groß. All’ die Probleme, die ein Erhalt mit sich bringen würde, lassen mich zur persönlichen Meinung kommen, dass die Platanen weg müssen“, erklärte Ising. Denn auch Herrmann erklärte, dass, wenn ein Erhalt der Bäume überhaupt möglich sei, dieser sehr (kosten-) aufwändig sei. Auch die Ankündigung des Stadtoberhaupts, dass nach einem Wegfall der neun Platanen, neue, leichter zu pflegende Bäume am Alten Markt gepflanzt werden sollen, konnte keinen Kompromiss herbeiführen.

Nun muss sich der Gutachter sputen, denn im November sollte eigentlich eine Entscheidung in Sachen Innenstadt-Sanierung gefällt werden. Der Experte benötige aber für seine Arbeit rund zwei bis drei Monate, wie Hermann erklärte. „Ohne eine Ausschreibung im Frühjahr wird es auch im kommenden Jahr keinen Baubeginn geben“, erklärte Bürgermeister Schulte. Ungeachtet dessen will sich die Initiative Stadtbäume weiterhin für den Erhalt der neun Platanen einsetzen.

„Einen Kompromiss haben wir heute nicht gefunden“, erklärte Bürgermeister Schulte ernüchtert am Ende der Versammlung. Und diese endete nach über zwei Stunden lediglich mit der Erkenntnis, dass sich Befürworter und Gegner der Fällung von Bäumen in der Innenstadt einig sind, uneins zu sein – vor allem in Detailfragen wie dem angemessenen Schattenwurf am Alten Markt.

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