Kunden werden im Lockdown digital beraten

Der erste Schuh ist der wichtigste

Dimitrios und Katia Fidanidis
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Dimitrios und Katia Fidanidis vom Kindermode-Geschäft Piccolo Mondo: Hier kann Ware im Lockdown auch abgeholt werden.

Plettenberg – Kinderfüße wachsen ständig, und Kinderschuhe, vor allem die allerersten, müssen richtig passen, um Fehlbildungen und Folgeschäden zu vermeiden. Wer in Plettenberg zurzeit Kinderschuhe kaufen will, steht aber vor verschlossenen Türen. Wegen des Lockdowns darf zum Beispiel Piccolo Mondo an der Kaiserstraße nicht öffnen. Weil in dem Geschäft von Katia und Dimitrios Fidanidis auch Bekleidung verkauft wird, zählt es zur Sparte Textilien – Wiedereröffnung ungewiss.

Die im Januar kurzzeitig erteilte Erlaubnis der Stadt Bonn, zwei Kinderschuhgeschäften die Erlaubnis zur Öffnung zu geben, wurde auf Intervention des NRW-Gesundheitsministeriums wieder zurückgenommen. Der Hoffnung des Ehepaars Fidanidis, ebenfalls wieder aufmachen zu dürfen, wurde damit die Grundlage entzogen. „Ich war schon etwas verwundert, dass man in Bonn hätte öffnen dürfen. Aber zumindest für die Erstausstattung mit Kinderschuhen wäre das eine vernünftige Lösung gewesen“, hätte eine Teilöffnung von Piccolo Mondo für Dimi Fidanidis eine Alternative zum Ist-Zustand bedeutet.

Die Stadt Bonn hatte zwei Kinderschuh-Geschäften unter strengen Vorgaben den Verkauf erlaubt, weil Kinderschuhe – speziell Lauflernschuhe – mit Fachberatung anprobiert werden müssten. Zwar stelle die Online-Bestellung bei Kinderschuhen somit keine echte Konkurrenz für den Vor-Ort-Verkauf dar, wohl aber die Babyfachmärkte, die in NRW als systemrelevante Grundversorger angesehen werden und auch im Lockdown öffnen dürfen.

Um dennoch weiterhin Kinderschuhe verkaufen und die nötige Beratung leisten zu können, hat sich das Ehepaar Fidanidis schon während des ersten Lockdowns im Frühjahr 2020 etwas einfallen lassen. Ein zweieinhalbminütiges Video mit Informationen zum kontaktlosen Verkauf wurde auf Facebook eingestellt, ganz aktuell hat man die Tipps unter dem Stichwort „Lockdown 2.0 Abholservice“ noch einmal in Textform aktualisiert. Mit diesem Service lasse sich der Verkauf ganz gut regeln.

Aus den Erfahrungen des Frühjahrs 2020 haben Katia und Dimi Fidanidis gelernt. Weil sie da auch ihre Telefonnummer für Rückmeldungen angegeben hatten, „riefen Kunden teilweise abends um 22.30 Uhr noch bei uns an“, erinnert sich Dimi Fidanidis. Jetzt bedient man sich nach Feierabend nur noch des Internets und der sozialen Medien.

Abholservice beliebt

Der Service kommt an: Carolin Maetz kontaktierte Piccolo Mondo, als sie bemerkte, dass die Schuhe von Sohn Phil (2) zu klein geworden waren. „Ich habe ihnen über Instagram geschrieben und ein Foto mitgeschickt. Sie haben sich dann superschnell zurückgemeldet und wir haben alles telefonisch besprochen. Die Beratung ist immer gut, sie haben sehr viel Geduld mit den Kindern. Alles ist total problemlos gelaufen. Selbst jetzt im Lockdown käme ich nicht auf die Idee, die Schuhe woanders zu bestellen, da der Service so gut ist.“

Das Ehepaar Fidanidis weiß, dass für viele Kinder, die vielleicht im November noch neue Schuhe bekommen haben, bereits jetzt im Februar das nächstgrößere Paar fällig ist. Gerade Winterschuhe seien nach dem Kälteeinbruch in der vergangenen Woche noch gefragt gewesen, obwohl im Februar eigentlich schon die Frühjahrskollektion in die Regale komme. Vor einem Jahr sei dies anders gewesen: „Da hatten wir super Wetter und alle wollten unbedingt schon die Frühjahrsschuhe“, erinnert sich Dimi Fidanidis.

Bei der Stammkundschaft sei es relativ einfach, den nächstgrößeren, passenden Schuh zu finden, weil man die Füße der Kinder kenne. „Am schwierigsten ist es bei den Lauflernern und den Erstlingsschuhen“, weiß Fidanidis. Normalerweise wird der Kinderfuß im Geschäft nach dem von Orthopäden entwickelten Weitenmaß-System (WMS) vermessen. Weil dies zurzeit nicht möglich ist, müssen Notlösungen her. Länge und Breite der Kinderfüße lasse sich mittels eines zugesandten Umrisses zwar ermitteln, „aber wenn ein Kind kräftige Füße mit einem hohen Spann hat, ist ein zweites, seitliches Bild vorteilhaft“, so Fidanidis. Ein kleiner Trick hilft, um die richtige Schuhlänge zu ermitteln: Hat auf der Einlegesohle vor dem großen Zeh noch ein Cent-Stück Platz, sollte der Schuh passen.

Es stört schon, dass die Hilfen nicht ankommen, das muss schneller gehen. Und je länger der Lockdown dauert, desto schwerer wird es.

Dimitrios Fidanidis

Dass sie im zweiten Lockdown schließen mussten, war für die Inhaber schwer zu verstehen, „weil wir die Hygienekonzepte eingehalten haben, Termine mit den Kunden vereinbarten und immer nur eine Familie in den Laden durfte“, sagt Dimi Fidanidis, der mit seiner Frau Katia im nunmehr siebten Jahr das Piccolo Mondo betreibt. Der Umzug an die Kaiserstraße habe sich nach den Anfängen an der Grünestraße mehr als bewährt: „Wir haben jetzt viel mehr Laufkundschaft“, sagt Dimi Fidanidis, der noch einen Vollzeitjob bei der Firma Seissenschmidt hat, was die finanziellen Auswirkungen des Lockdowns etwas besser ertragen lässt.

Keine Finanzhilfe bisher

Denn von der beantragten Finanzhilfe für das Piccolo Mondo „haben wir noch kein Geld gesehen. Es stört schon, dass die Hilfen nicht ankommen, das muss schneller gehen. Und je länger der Lockdown dauert, desto schwerer wird es. Das tut schon weh, wenn man den Laden von der Pike auf selbst aufgebaut hat“, sagt der ins Kindermodegeschäft hineingewachsene Quereinsteiger, dessen Frau Katia schon zuvor in der Modebranche tätig war. Sie wurde im traditionsreichen Pelz- und Herrenmodegeschäft Wilmink ausgebildet und hat dort gearbeitet.

„Uns macht die Arbeit viel Spaß und Corona wird uns das auch nicht nehmen. Wir wollen weitermachen, geben nicht auf und werden stark bleiben“, sehnen beide dem Ende des Lockdowns entgegen, um den Kindern den so wichtigen ersten Schuh und auch alle weiteren in ihrem Fachgeschäft verkaufen zu können.

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