30-Jähriger soll kleinen Ayden massiv geschüttelt und auf den Kopf geschlagen haben

Pflegevater-Prozess gegen Plettenberger: Die letzten Worte des Angeklagten

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[Update 12.46 Uhr] Plettenberg/Hagen – Im Pflegevater-Prozess gegen einen 30-jährigen Plettenberger, der am 2. Januar 2019 seinen Pflegesohn derart massiv geschüttelt und auf den Kopf geschlagen haben soll, dass dieser am nächsten Tag starb, haben Staatsanwaltschaft, Nebenklage und Verteidigung am Montagvormittag vor dem Schwurgericht am Landgericht Hagen ihre Plädoyers gehalten. Und auch der Angeklagte selbst hat sich letztmals geäußert.

Wegen Totschlags und Misshandlung Schutzbefohlener forderte die Staatsanwaltschaft eine Haftstrafe von zwölf Jahren und sechs Monaten.

Der Anklagevertreter begründete diese Forderung im Plädoyer insbesondere mit der rohen Gewalteinwirkung gegen das hilflose Kind. Trotz der Schmerzensschreie habe der Plettenberger das Kleinkind nach Überzeugung der Anklage mindestens 30 Mal geschüttelt und fünf Mal auf den Kopf geschlagen. 

Anschließend sei wertvolle Zeit verstrichen, ehe eine Odyssee durch drei Krankenhäuser begann. Außerdem habe der Angeklagte nichts zur Aufklärung des tragischen Falles beigetragen.

Zugute gehalten wurde ihm seitens der Staatsanwaltschaft lediglich, dass er nicht vorbestraft sei und sich am Tattag in einer Stresssituation befunden habe - bedingt durch die Arbeit, fehlende Unterstützung und das schreiende Kind. Er sei überfordert gewesen, sagte der Staatsanwalt.

Der Angeklagte aus Plettenberg versteckte sein Gesicht erneut hinter einer Mappe.

Die Nebenkläger - die leiblichen Eltern des Kindes - schlossen sich am fünften Prozesstag der Forderung des Staatsanwaltes an. Sie betonten, dass sie die Entschuldigung des Angeklagten nicht annehmen könnten, weil diese unaufrichtig wirke.

So äußerte sich die Verteidigung des Plettenbergers

Die Verteidiger des Angeklagten betonten in ihrem Plädoyer, dass ihr Mandant bei der Vernehmung ein Teilgeständnis abgelegt habe, was positiv zu bewerten sei. 

Es gebe zudem keine Hinweise darauf, dass der Angeklagte den Tod des Pflegekindes gewollt habe. Verteidiger Nikolai Odebralski sprach von einem affektiven Erregungszustand und bewertete die Straftat deshalb als Körperverletzung mit Todesfolge. Als Strafmaß bezeichnete er sieben Jahre als angemessen. 

Denn: "Das ist ja nicht die einzige Strafe. Seine unjuristische Strafe erleidet er sein Leben lang", so der Anwalt. Seine Mandant habe seine Frau verloren, die die Scheidung eingereicht habe und habe sein eigenes Kind noch nie gesehen. 

Auch wenn er bei guter Führung und dem geforderten Strafmaß der Staatsanwaltschaft nach achteinhalb Jahren entlassen werden könne, bekomme er in seiner Heimat "keinen Fuß mehr auf den Boden." 

Anwalt Christoph Hilleke sprach anschließend die leiblichen Eltern, die Pflegemutter und die Großeltern an: "Ein Opfer ist aber auch der Angeklagte, weil er mit dem von ihm verursachten Tod seines Pflegekindes leben muss." 

Die letzten Worte des Angeklagten

Der Angeklagte hatte das letzte Wort vor der Urteilsverkündung, die für Mittwoch um 9 Uhr angekündigt worden ist. Mit belegter, leiser Stimme sagt er: "Es tut mir alles wahnsinnig leid. Ich kann mir das alles auch nicht erklären und würde es gerne rückgängig machen."

Sachverständiger gibt Expertise zur Schuldfähigkeit ab

Der Vater des Angeklagten habe ihm viele Begebenheiten geschildert, in denen sein Mandant den kleinen Ayden wie seinen eigenen Sohn behandelt habe. Und er habe sich im Gegensatz zur Mutter immer vorbildlich gekümmert. Die Pflegemutter sei indes oft überfordert gewesen.

Vor den Plädoyers sagte am Montag noch der Sachverständige Nikolaus Grünherz aus. Er beschrieb den Angeklagten aus psychologischer Sicht. Er sah zwar viele Anzeichen einer massiven Überforderung, sah aber keine verminderte Schuldfähigkeit.

Einblutungen in der Netzhaut und Verletzungen im Gehirn

Der Pflegesohn des Angeklagten war am 3. Januar 2019 seinen schwere Verletzungen erlegen. Der 30-Jährige soll dem Kind zumindest einen wuchtigen Schlag gegen den Kopf versetzt und mit dem Endstück eines Staubsaugerrohrs auf den Kopf geschlagen haben. 

Außerdem soll er das Kind so massiv geschüttelt haben, dass es zu Einblutungen in der Netzhaut und Verletzungen im Gehirn kam.

Wir berichten heute fortlaufend weiter über den Prozess.

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