Pflegenotstand in Plettenberg großes Thema im Gesundheitsausschuss

Viel zu viele Pflegebedürftige

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In Plettenberg herrscht ein akuter Pflegenotstand.

Plettenberg - Ein Thema wurde im Gesundheitsausschuss am vergangenen Mittwochnachmittag besonders heiß diskutiert – der Pflegenotstand in Plettenberg.

Zum Hintergrund: Am vergangenen Dienstag hatten wir darüber berichtet, dass es in Plettenberg zu viele Pflegebedürftige gibt und die Pflegedienste mit ihrer Arbeit nicht mehr hinterherkommen.

 „Ich habe das Thema aus der Presse entnommen und denke, dass wir uns dieses Themas auf jeden Fall annehmen sollten“, so Ausschussvorsitzender Adrian Viteritti, der den Tagesordnungspunkt quasi unter „Anfragen und Bekanntmachungen“ansprach. Da Kerstin Liebeskind vom gleichnamigen ambulanten Pflegedienst Mitglied des Gesundheitsausschusses ist, wurde sie um eine kleine Stellungnahme gebeten. „Für mich ist dieses Thema bei Weitem nicht neu. Dass wir einen Notstand – nicht nur in Plettenberg – haben, ist ja schon lange bekannt. Momentan spitzt sich die Lage jedoch immer mehr zu“, so die gelernte Krankenschwester am Mittwoch im Ratssaal. Sozialamtsleiterin Christiane Wilk hatte vorher schon erklärt, dass man sich auf jeden Fall dieser Thematik stellen müsse und deshalb schon vorab ein Treffen aller Pflegedienstleiter für den 8. November geplant habe. 

Liebeskind führte anschließend aus, dass sie und ihre Mitarbeiter täglich mindestens einen Anruf bekämen, den sie abweisen müssten. „Es ist mittlerweile so gekommen, dass wir Einzelfallentscheidungen treffen müssen. Wir haben einfach keine Kapazitäten mehr, um noch mehr Pflegebedürftige aufzunehmen!“, erklärt sie. Sie fügte hinzu, dass nicht die fehlenden Ausbildungen das Manko seien. „Es wird schon viel mehr ausgebildet als damals, dennoch ist damit das Problem nicht gelöst. Es sind einfach immer mehr Menschen auf Pflege angewiesen , da kommen wir einfach nicht mehr hinterher.“ Selbst aus Lüdenscheid habe Liebeskind schon einige Anfragen erhalten. „Es ist nicht nur ein Plettenberger Problem, sondern es gibt kreisweit Schwachstellen, was die Pflege betrifft“, war sich Liebeskind sicher. Auf die Frage, ob sie selbst ausbilden würde, antwortete sie: „Ja, wir haben auch in jedem Ausbildungsjahr mehrerer Anwärter und Anwärterinnen. Die Ausbildungsstellen werden auch immer gut besetzt, es liegt also nicht daran, dass uns der Nachwuchs fehlt. Es reicht schlicht und einfach nicht aus!“

Gerlinde Himmel, Leiterin des Altenzentrums Matthias-Claudius-Haus merkte an, dass diese Problematik noch weitere Kreise ziehen würde: „Diesen Notstand haben wir nicht nur in der ambulanten Pflege. Auch in der stationären Pflege ist das nicht anders!“ Barbara Teichmann, Geschäftsführerin des Plettenberger Krankenhauses, wies in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass das Seniorenheim am Krankenhaus ebenfalls „aus allen Nähten“ platzt. Besonders Jürgen Beine von der SPD-Fraktion zeigte sich schockiert über diese aktuelle Entwicklung. „Was kann denn in solch einem Fall getan werden? Das ist ja schrecklich. Gibt es denn überhaupt eine Pflicht, für Pflegebedürftige da zu sein?“ Barbara Bieding vom Plettenberger Krankenhaus antwortete prompt: „Ja, die gibt es. Es besteht eine Pflicht, Angehörige zu pflegen. Dafür gibt es auch bestimmte Schulungen, die auch wir vom Krankenhaus anbieten. Das nennt sich dann „Familiale Pflege“, erklärte Bieding zu dem Thema. Christiane Wilk fasste noch einmal zusammen: „Die Pflegeplanung ist keine kommunale Aufgabe, sondern eine Kreis-Angelegenheit- Wir müssen aber gucken, dass wir, um den aktuellen Pflegenotstand aufzuhalten, eine dienliche Infrarstruktur hier in Plettenberg schaffen. Wir werden uns darum auf jeden Fall bei einem Gespräch Gedanken machen, das steht fest. Gerade beim Thema Wohnen muss sich in Plettenberg viel verändern. Bezahlter, altersgerechter Wohnraum muss geschaffen werden!“, forderte Wilk.

 In dem Zusammenhang wurde ebenfalls das Thema „betreutes Wohnen“ angesprochen. In Plettenberg gäbe es bislang keine Wohnungen für Senioren, die wirklich von Fachpersonal betreut würde – außer den schon bestehenden Seniorenheimen.  Es wurde auch ein Vergleich zur Nachbarstadt Neuenrade angestellt, wo in den vergangenen Jahren ein ganzes „Quartier“ an betreuten Wohnungen für Senioren errichtet worden war.

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