Pfarrer Schnell und Pfarrer Brühl im Gespräch

„Zölibat? Für mich nie in Frage gekommen“

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Symbolbild von der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz.

Plettenberg – Bei der Amazonas-Synode der Bischöfe haben sich die Redner unter anderem mit den Themen Bildung, Zölibat, Priestermangel und der Rolle von Frauen in der Kirche befasst. „Wir schätzen den Zölibat als Geschenk Gottes“, heißt es in der Abschlusserklärung der 184 wahlberechtigten katholischen Bischöfe.

Es werde aber vorgeschlagen, „geeignete und von ihren Gemeinschaften anerkannte Männer, die im ständigen Diakonat aktiv sind“, zu Priestern zu weihen. Damit reagierten die Bischöfe auf den Priestermangel in Amazonien, der verhindert, dass Gläubige in den weitläufigen Gebieten regelmäßig die Kommunion erhalten können. Die Heimatzeitung hat vor allem die Themen Zölibat und Priestermangel zum Anlass genommen, um die heimischen Pfarrer zu Wort kommen zu lassen und nach ihren Meinungen zu fragen. Derjenige, den das Ergebnis der Synode besonders betrifft und auch interessiert, ist der Pfarrer der katholischen Pfarrei St. Laurentius – Patrick Schnell. 

„Die Diskussion ist spannend und natürlich ein großes Thema unter uns Katholiken“, erklärt Schnell. Er finde, die gesamte Diskussion, ob verheiratete Männer unter bestimmten Bedingungen Priester werden dürften, sei insgesamt „ein Schritt in die richtige Richtung.“ Dennoch würde ihm eine komplette Aufhebung des Zölibats zu weit gehen. „Wir würden mit der kompletten Aufhebung des Zölibats meiner Meinung nach zu viel aufgeben – denn die meisten Priester leben diese geistliche Entscheidung eines zölibatären Lebens“, erklärt Schnell.

Seiner Meinung nach wäre auch ein Modell, das dem der Orthodoxen Kirche gleicht, denkbar. Zur Erklärung: In den Orthodoxen wie in den mit Rom unierten Kirchen des Ostens gibt es verheiratete Priester. Dennoch geben alle Ostkirchen der Verknüpfung von Priestertum und Zölibat den Vorzug. Die Priester der Ostkirchen haben keine Verpflichtung zum Zölibat. Das gilt ebenso für die mit Rom verbundenen orientalischen Kirchen wie für die von Rom getrennten orthodoxen Kirchen. Trotzdem wird der priesterliche Zölibat „um des Himmelreiches willen“ in den Ostkirchen wie in der Westkirche als besonders wertvoll geschätzt. In der katholischen Kirche muss ein angehender Priester bei der Weihe zum Priesteramt das Zölibatsversprechen ablegen, das gilt allerdings nicht für Diakone, denn verheiratete Männer dürfen durchaus Diakon werden, das ist erlaubt. Wenn ihre Frau stirbt oder die Ehe kirchenrechtlich annulliert wird, können sie grundsätzlich nicht wieder heiraten.

 Dass wegen des Zölibatversprechens in der Vergangenheit sicherlich der ein oder andere Mann auf das Priesteramt verzichtet hat, ist kein Geheimnis. Patrick Schnell glaubt aber nicht, dass das Versprechen der einzige Grund ist, warum in der katholischen Kirche ein gravierender Priestermangel herrscht: „Erstens gibt es auch in der evangelischen Kirche mittlerweile einen Mangel und zweitens wachsen Diakone in der katholischen Kirche auch nicht gerade auf Bäumen.“

Auch der evangelische Pfarrer Uwe Brühl, der natürlich als verheirateter Familienvater aus einer ganz anderen Perspektive auf das Thema blickt, teilt seine Meinung mit unseren Lesern: „Das zölibatäre Leben gibt es auch unter evangelischen Geistlichen“, erklärt er zu Gesprächsanfang. „Dabei geht es ja in erster Linie darum, den Kopf und das Herz frei zu haben für Gott“, so führt er weiter aus und stellt klar: „Für mich wäre dieses Leben nie in Frage gekommen und das hat genau zwei Gründe“. Zum einen sei da die berufliche Komponente: „In meinem Beruf habe ich ständig mit Kindern und Familien zu tun. Da ich da selbst mitten drin bin, kann ich natürlich beruflich auch ganz anders mit Familien arbeiten und sie in meine Arbeit mit einbeziehen“, erklärt Brühl. Sein zweites Argument lautet: „Ich wollte und konnte mir auch nie vorstellen, ohne Kinder oder ohne eine Beziehung zu leben.“

 Deshalb sei es für ihn von vornherein klar gewesen, dass er kein zölibatäres Leben führen werde. Brühl erinnert sich aber noch genau an seine Studienzeit: „Ich hatte einen Kollegen, der wollte katholischer Priester werden. Der konnte es aber damals immer schon sehr gut mit den Mädels aus unseren Seminaren – der hat sich auch öfter gefragt, ob er diesen Weg wirklich gehen wolle“, so Brühl. Lediglich ein Argument hätte Brühl damals von seiner Entscheidung abhalten können, eine Familie zu gründen: Wenn Beruf und Familie sich zeitlich nicht hätten vereinbaren lassen. „Da das aber nie der Fall war und ich wusste, dass das kein Problem wird, habe ich da nie drüber nachdenken müssen.“ Generell vertritt Brühl die Meinung, dass der Klerus selbst entscheiden sollte, ob er zölibatär leben möchte oder eben nicht. In diesem Zusammenhang erwähnt er: „Auch die orthodoxe Kirche hat ein Modell, das ja durchaus denkbar wäre für die Katholiken“, erklärt Brühl.

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