Pfarreienprozess in St.Laurentius

Viele Interessierte bei Ergebnisvorstellung des Pfarreienprozesses für Plettenberg und Herscheid

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Plettenberg/Herscheid - Wie kann unsere Kirche auch in den nächsten zehn Jahren noch lebendig sein? Diese Frage war Ausgangspunkt einer Versammlung der Pfarrei St. Laurentius in dieser Woche. Neben der Gestaltung des Gemeindelebens interessierte man sich auch für die finanzielle Lage der Gemeinde. 

Bis auf den letzten Platz war der Pfarrsaal in St. Johannes Baptist gefüllt, als Prof. Dr. Peter Vieregge, Geschäftsführer des Forschungsinstituts für Regional- und Wissensmanagement in Plettenberg, die Ergebnisse der Kirchenumfrage vorstellte, die Ende März zum Pfarreienprozess durchgeführt wurde.

Die zentrale Frage der Bögen war: Wie können wir in den nächsten zehn Jahren lebendig Kirche sein? Es kristallisierte sich in der Diskussion, die sich am Montag an die Versammlung anschloss, jedoch eine Gruppe heraus, die sich vorrangig für die finanzielle Lage und den Standort der Kirche in der Zukunft interessierte.

Nach der Umfrageauswertung erklärte Pfarrer Schnell, dass es zwar noch keine Beschlüsse gebe, man jedoch bereits in den letzten Monaten Arbeitsgruppen gebildet und sich Gedanken gemacht habe, an welchen Bereichen man arbeiten müsse, um die Kirche lebendiger zu gestalten. Dazu gehörten Öffentlichkeitsarbeit, Jugend, Kirchenmusik, Liturgie und Ökumene. Pfarrer Schnell erklärte jedoch zudem, dass die finanzielle Lage der Kirchengemeinde derzeit noch gut sei, sich dies in den kommenden Jahren jedoch ändern werde. Die Einnahmen (Kirchensteuer) würden etwa gleich bleiben, die Ausgaben würden jedoch steigen, weshalb diese dringend zu senken seien. "Auch hier wurde noch nichts beschlossen. Ich bin derzeit noch mit dem Bischof in den Verhandlungen, ob ein Standort aufgegeben werden muss", sagte Schnell. Er merkte zudem an, dass bereits in den letzten Jahren Maßnahmen ergriffen wurden, wie zum Beispiel mit der Zusammenlegung der Pfarreien Plettenberg, Eiringhausen und Herscheid. "Das war eine Antwort auf unsere wirtschaftliche Schieflage. Wir waren schlicht und ergreifend pleite", sagte Pfarrer Schnell.

Es gehe bei der Zukunftsplanung jedoch nicht vorrangig um Geld, Strukturen oder Gebäude, sondern auch darum Ressourcen zu schaffen, um zum Beispiel am Gebäude Reparaturen zu bezahlen. Dies müsse die Gemeinde zukünftig selbst tragen und nicht wie bisher das Bistum. Die Aussage über die finanzielle Lage warf bei einigen Frauen der KFD die Frage auf, ob man wirklich 27 Bistümer in Deutschland brauche und nicht eins ausreiche. Anstatt unten an der Basis zu sparen sollte man doch besser einmal über das Konzept der Kirche nachdenken. "Wir haben das Gefühl, dass wir von hinten abgeschnitten werden. Eigentlich müsste doch die Gemeinde mehr Geld bekommen, um das Gemeindeleben aufrecht erhalten zu können und nicht die Bistümer. Essen ist so ein kleines Bistum, das könnte doch auch einfach ein anderes Bistum mitmachen", hieß es aus den Reihen der KFD. Die vom Bistum eingesetzte pastorale Begleiterin, Ina Kramer, die ebenfalls zu diesem Treffen gekommen war, antwortete darauf, dass auch das Bistum sparen müsse.

Pfarrer Schnell schloss den Bogen schließlich wieder zum eigentlichen Thema: "Nur weil mehr Geld da ist, kommen auch nicht mehr Menschen in die Kirche. Daher bleibt die Frage, wie man das Gemeindeleben ansprechend gestalten kann, denn das Gemeindeleben ist das, was wichtig ist." Eine weitere Frau in der Versammlung äußerte sich daraufhin: "Ist die Gemeinde lebendig, hat man doch auch das beste Argument, den Standort nicht zu schließen und ich finde die Gemeinde lebendig."

Eine zentrale Antwort, wie man in den nächsten zehn Jahren noch lebendig Kirche sein könne, gab die Mehrheit der Fragebögen bereits in der Auswertung von Prof. Dr. Vieregge. Am häufigsten wurden von den Teilnehmern die Worte Jugendarbeit und Kinder genannt. "Wir müssen die Personen aktivieren, die nicht hier sitzen und das sind Kinder und Jugendliche", erklärte Prof. Dr. Vieregge. Dafür müssten sie jedoch abgeholt werden und um zu symbolisieren, wie dies möglich sei, nannte er das Beispiel der Phänomenta in Lüdenscheid. "Wenn Sie einem Kind sagen, dass es für einen Beruf Mathe oder Physik braucht, sind die Jugendlichen abgeschreckt." In der Phänomenta in Lüdenscheid würde das Kind jedoch spielerisch an Physik herangebracht und habe somit auch das Interesse daran.

Aus den Fragebögen ergab sich zudem, dass man sich keine langweiligen und schwermütigen Messe wünsche, sondern alltagstaugliche, offene, zeitgemäße und spannende Messen und eben Projekte für die Jugend.

Ein Plan, den man sich direkt vor Ort vornahm war, punktuell Veranstaltungen für Jugendliche anzubieten und zu gucken, wie der Zuspruch ist. Da am Sonntag in St. Laurentius die Firmung gefeiert wird, setzten die Anwesenden sich zum Ziel, diese Jugendlichen in der Kirchengemeinde halten zu wollen und entschieden sich, dass diejenigen der Jugendlichen, die Lust haben, selbst einen Gottesdienst gestalten könnten unter dem Motto >von Jugendlichen für Jugendliche<. "Das wichtigste ist, einfach anzufangen und auszuprobieren", sagte Ina Kramer nach 2 1/2 Stunden abschließend.

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