Digitaler Austausch mit Kunden

Papierlose Gesundheit - Krankenkassen sind vorbereitet

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Thomas Kalthoff, Dienststellenleiter Continentale Betriebskrankenkasse.

Plettenberg - Arztrezepte nicht mehr auf Papier, sondern auf dem Smartphone oder der Krankenkassenkarte. So soll die Zukunft aussehen – doch wie weit ist diese noch entfernt? Das ST hat darüber mit Thomas Kalthoff, dem Dienststellenleiter der Continentale Betriebskrankenkasse am Maiplatz gesprochen.

Die Techniker Krankenkasse startet, wie unsere Zeitung vor Kurzem auf der Titelseite verkündete, ein Pilotprojekt für elektronische Arztrezepte für 18 Monate im Hamburger Stadtteil Wandsbek, um es bei Gelingen in ganz Deutschland durchzusetzen. Die TK bringt das Thema Digitalisierung damit in den Blickwinkel der Versicherten.

Dieses Thema ist jedoch nicht neu, erklärt Thomas Kalthoff von der Continentale Betriebskrankenkasse. „Digitale Übermittlungen zwischen Dienstleistern, Arbeitgebern und Rentenversicherungen laufen schon seit vielen Jahren problemlos. Neu ist nur der digitale Dialog mit den Versicherten“, erläutert er. Es sei der letzte Schritt, der noch fehlt. Und das elektronische Arztrezept ist dabei nur ein Teil der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte angekündigt, dass Ärzte ab 2020 ihre Verschreibungen auf elektronischem Weg an eine Apotheke übermitteln können sollen.

Bereits 2016 wurde die elektronische Gesundheitskarte eingeführt und es ist auch vorgesehen, mit einem Chip darauf Daten speichern zu können. Im Weg steht der Verwirklichung aber noch die vertragliche Einigung von allen Beteiligten. Das sind alle Krankenkassen, Ärzte, Krankenhäuser, Apotheken und weitere Heilpersonen – und auch der Datenschutz spiele eine große Rolle.

Um diesen zu gewährleisten, soll es eine PIN-Nummer für die Karte geben – ähnlich wie bei der Bankkarte. Diese müssen die Versicherten eingeben, bevor der Arzt Daten einsehen kann. Und auch damit etwas auf der Karte gespeichert werden kann, ist das Einverständnis nötig. „Wir stehen in den Startlöchern. Die PIN-Nummern könnten innerhalb weniger Wochen an die Kunden verteilt werden“, sagt Thomas Kalthoff.

Daten, die auf dem Chip gespeichert werden könnten, seien zum Beispiel neben den Stammdaten Arztberichte und Notfalldaten, quasi eine elektronische Patientenakte. Die Daten, die in Notfällen wichtig sind, sollen bei der Möglichkeit des Einsehens allerdings eine Ausnahme darstellen. Das heißt, Personen mit Heilberufsausweis wie Rettungssanitäter oder Notärzte sollen in diesem Fall diese einsehen können, um schnell und richtig handeln zu können. Um diese optimierte erste Hilfe leisten zu können, ist es zum Beispiel notwendig zu wissen, ob es Unverträglichkeiten bei Medikamenten gibt, um Risiken von vorneherein auszuschließen.

Kalthoff sieht einen großen Vorteil für die Bürger, wenn die Funktion der Versichertenkarte in Kraft tritt. Heute ist es noch nötig, dass Unterlagen persönlich mitgenommen werden oder die Krankenakten von einem zum anderen Arzt angefordert werden oder ein Fragebogen ausgefüllt werden muss, wenn ein Arzt zum ersten Mal aufgesucht wird. Das könnte dann alles nicht mehr nötig sein, sofern der Versicherte das Einverständnis gibt, sagt Thomas Kalthoff.

Der Bürger hat alle Daten zentral bei sich, Weiterbehandlungen sind problemloser und eventuell auch schneller, es kommt zu weniger Medikamentenkonfrontationen und Doppeluntersuchungen werden vermieden, zählt die Continentale Betriebskrankenkasse die Vorteile auf. Übrigens, was das Rezept angeht, wird dieses nur für den Patienten auf Papier ausgedruckt, da es später wieder elektronisch eingelesen wird.

Allerdings betont Kalthoff auch: „Das ist alles freiwillig und nur mit Einverständnis des Versicherten. Für uns ist wichtig, keine Gruppe auszuschließen, da zu unseren Versicherten ein bunter Mix aus der Gesellschaft gehört.“ So möchte die Krankenkasse mit den digitalen Projekten auch alle mitnehmen beziehungsweise die Möglichkeit für eine Alternative geben. So könnte das elektronische Rezept nach der Einführung zwei Varianten haben. Die erste: Das Rezept wird auf das Smartphone eingespielt, bei der Apotheke ausgelesen und das Handy erfüllt somit die Funktion der Karte als Datenspeicher. Die zweite Variante sei dann, das Rezept auf der Karte zu speichern.

Thomas Kalthoff vermutet, dass auch alle anderen Krankenkassen von dem Pilotprojekt der Techniker Krankenkasse profitieren. Denn wenn gezeigt werde, dass die Umsetzung des elektronischen Arztrezeptes räumlich begrenzt funktioniert, dann sei die anschließende bundesweite Umsetzung wahrscheinlich leichter durchzusetzen.

Auch ist der Dienststellenleiter aus Plettenberg der Meinung, dass das Smartphone die Umsetzung der Digitalisierung der Kundenkommunikation erleichtert. Zuvor habe die technische Ausrüstung der Kunden gefehlt und die Umsetzung daher vermutlich länger gedauert.

Krankenkassen-App als Alternative

In manchen Bereichen gibt es übrigens schon digitale Angebote, für die die elektronische Versichertenkarte nicht nötig ist. Das ist von Krankenkasse zu Krankenkasse jedoch unterschiedlich. Viele bieten bereits eine App an, durch die Bescheinigungen oder andere Unterlagen wie Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen an die Krankenkasse übermittelt werden können, anstatt dies per Post zu schicken. Auch die Continentale Betriebskrankenkasse gehört dazu. „Wir arbeiten mit sensiblen Daten und der Schutz dieser Daten ist bei der App anders als per E-Mail“, erklärt Thomas Kalthoff, Dienststellenleiter der Continentale in Plettenberg. Da die Krankenkasse E-Mails mit vertraulichen Daten deshalb nur verschlüsselt verschicke, habe man sich entschieden, eine App anzubieten. Die Post sei aber nach wie vor ein wichtiger Weg, wenn Kunden der Krankenkasse etwas übermitteln möchten, der jedoch länger dauere.  

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