Saftiges Bußgeld wird fällig

Sonnenstudio im MK öffnet trotz Corona-Lockdown

Sonnenbank Symbolbild
+
Bräunen bis zum Bußgeld: Eine hohe Strafe erwartet den Betreiber eines Plettenberger Sonnenstudios, der die Coronaschutzverordnung einfach ignorierte. Dann stand das Ordnungsamt vor der Tür.

Es gab 2020 im MK etliche Verstöße gegen Corona-Maßnahmen. Allerdings gibt es von Kommune zu Kommune Unterschiede. Ein Vergleich.

Plettenberg/Herscheid – Gerade erst haben Bund und Länder neue Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die Pandemie einzudämmen. Deren Einhaltung wird von den Ordnungsämtern überprüft. Wie eine Umfrage ergab, wurden 2020 bereits zahlreiche Verstöße registriert. Allerdings gibt es von Kommune zu Kommune Unterschiede. Ein Vergleich.

Plettenberg: 15 000 Euro

Absoluter Spitzenreiter im kommunalen Vergleich ist Plettenberg. Wie Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel mitteilt, beläuft sich die Summe der Corona-Bußgelder allein für 2020 auf knapp 15 000 Euro. „Obwohl wir mit dem Ziel der Infektionsvermeidung unsere Hauptaufgabe in der Beratung sehen, mussten wir in rund 100 Fällen Bußgeldverfahren einleiten, davon in mehr als 60 Fällen auch schon Bußgeldbescheide erlassen“, sagt Spiegel. „In knapp 40 Verfahren stehen die Entscheidungen noch aus.“

In Plettenberg habe es auch gravierende Verstöße gegen die Schutzverordnung gegeben: „Ausreißer war sicherlich ein Barbetreiber, der hartnäckig seine Pflichten ignorierte. Gegen ihn wurden Bußgelder in Höhe von 5 000 Euro verhängt, der Betrieb vorzeitig beendet“, sagt Spiegel. Auch ein Imbissbetreiber, habe „über Monate hinweg fast sämtliche Pflichten ignoriert“. „Erst kürzlich haben wir die illegale verdeckte Öffnung eines Sonnenstudios beanstandet“, berichtet Spiegel von einem aktuellen Vorfall. Dem Betreiber des Studios droht ein Bußgeld von 5000 bis 10 000 Euro.

Von den Extremfällen abgesehen, ist Spiegel eigentlich zufrieden mit dem Verhalten der Plettenberger: „Die meisten Bürger und Verantwortungsträger sind sehr pflichtbewusst und verhalten sich achtsam, um sich und ihre Mitmenschen zu schützen.“ Für das Ordnungsamt gibt es dennoch viel zu tun. „Die Arbeitsbelastung ist aber zu stemmen, auch dadurch, dass weniger dringliche ordnungsbehördliche Angelegenheiten zurückgestellt werden“, sagt Spiegel. Die Überwachung einer Ausgangssperre hätte man ebenfalls gewährleisten können.

Licht aus im Sonnenstudio: Ordnungsamt zieht den Stecker

Überraschte Gesichter gab es vor einigen Tagen in einem Sonnenstudio in Plettenberg, als Ordnungsamt und Polizei vor der Tür standen. Laut Coronaschutzverordnung ist der Betrieb von Sonnenstudios untersagt, was besagten Betreiber aber offenbar nicht kümmerte. „Wir haben den Besitzer auf frischer Tat ertappt“, sagte der Plettenberger Ordnungsamtsleiter Thorsten Spiegel zu dem Fall, der auch für die Nutzer der Sonnenbänke überraschend endete, als bildlich gesprochen der Stecker gezogen wurde. Laut Spiegel drohen dem Betreiber Bußgelder in einer Größenordnung von 5 000 bis 10 000 Euro.

Herscheid: 0 Euro

Das genaue Gegenteil stellt sich in Herscheid dar: Das Ordnungsamt der Gemeinde hat 2020 gar keine Bußgelder im Zusammenhang mit Corona verhängt, berichtet Chefin Bärbel Sauerland. Kontrollen wurden aber durchgeführt. „Wir haben in Herscheid nicht die Stellen, an denen sich abends Gruppen von zehn Leuten oder mehr zusammenrotten – schon gar nicht im Winter.“ In den Einkaufsmärkten halte man sich an die geltenden Verordnungen. Regelmäßig werde stichprobenhaft kontrolliert, bislang gab es bislang nichts zu beanstanden. „Wenn wir ein Fehlverhalten erkannt haben, sind wir bislang auf Verständnis gestoßen und konnten es bei einer mündlichen Verwarnung belassen“, so Sauerland.

Deutlichere Verstöße gegen die Coronaschutzverordnung, die nun auch geahndet werden, wurden Anfang Januar an den Rodelhängen registriert. Dort waren Mitglieder des Ordnungsamtes und weitere Mitarbeiter der Verwaltung im Einsatz, um für die Sicherheit der Menschen zu sorgen. In diesen Wochen hatte es viel Schneetourismus in der Ebbegemeinde gegeben. Die Höhe der Bußgelder kann Sauerland noch nicht beziffern.

Altena: 3000 Euro

Relativ positiv fällt die Bilanz des Altenaer Ordnungsamtes aus. Chefin Ulrike Anweiler entnimmt ihrer Datenbank, dass 2020 bislang 22 Bußgeldbescheide verschickt wurden, die im Zusammenhang mit Corona stehen. Sieben Bescheide stehen noch aus. In Zahlen ausgedrückt, bedeutet das Einnahmen in Höhe von 3000 Euro, die in Altena in den städtischen Haushalt fließen.

„Größere Verstöße, die herausstechen, gab es nicht“, sagt Ulrike Anweiler. Häufig ging es um nicht getragene Mundschutze oder die Unterschreitung des Sicherheitsabstands. Erst letzte Woche gab es dafür aber einen Zwischenfall am Bahnhof: Dort wurde ein Mitarbeiter der Behörde tätlich angegriffen und musste im Anschluss medizinisch versorgt werden. Ein alkoholisierter 55-Jähriger hatte dem Beamten einen Kopftritt verpasst. Anweiler dazu: „Die Stimmung der Menschen wird immer aggressiver.“

Nachrodt: 6000 Euro

Ordnungsamtsleiter Sebastian Putz zieht eine durchwachsene Bilanz für Nachrodt-Wiblingwerde. Probleme gebe es häufiger mit Menschen von außerhalb. Seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 bis Silvester registrierte das Nachrodter Ordnungsamt vor allem Verstöße gegen das Versammlungsverbot, berichtet Putz. Eine exakte Summe, die die Stadt durch Corona-Bußgelder eingenommen hat, kann er nicht nennen, schätzt aber, dass es 6000 Euro waren. Gravierende Verstöße gab es in Nachrodt in der Gastronomie. Dort wurde im April 2020 beispielsweise ein Biergarten bewirtet, obwohl das zu der Zeit verboten war. Das Ordnungsamt entzog dem Wirt die Konzession. In einem anderen Fall verhängte es ein Bußgeld von 1000 Euro.

Neuenrade: 3000 Euro

Die Summe der Bußgelder in Neuenrade schätzt Ordnungsamtsleiterin Sabine Rogoli „ganz grob“ auf 3000 Euro, plus/minus 500. „Im Großen und Ganzen sind wir sehr zufrieden mit den Neuenradern. In Geschäften und auf Parkplätzen läuft es super“, sagt sie. Gravierende Verstöße gab es keine.

Allerdings musste das Ordnungsamt zwei Bußgeldverfahren einleiten, weil Personen sich nicht an die verordnete Quarantäne gehalten hatten. In einem Fall wurden 500, in einem anderen Fall 200 Euro fällig. „Bei diesen Verstößen ist die Höhe des Bußgeldes Ermessenssache. Theoretisch wären bis zu 25 000 Euro möglich“, erklärt Sabine Rogoli.

Balve: 0 Euro

Wie Michael Bathe, Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, auf Nachfrage mitteilt, wurden in Balve bislang keine coronabedingten Bußgeldverfahren eingeleitet. „Die Leute in Balve waren bislang diszipliniert und haben sich an die geltenden Verordnungen gehalten. Bei kleineren Verstößen reichte eine mündliche Verwarnung aus“, sagt Bathe. Feiern habe es keine gegeben.

Werdohl

Das Ordnungsamt in Werdohl konnte bis Freitag keine Zahlen zu Verstößen oder Bußgeldern nennen. Die Auswertung läuft noch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare