‘One bag for Plettenberg’’

Gründungsversammlung eines Vereins, der dem Plastikmüll den Kampf ansagt

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Zum 1. Vorsitzenden des Vereins „One bag... for the ocean“ wurde Dirk Kieslich (2.v.r.) gewählt. Zum 2. Vorsitzenden wählte die Versammlung Hagen Tschorn (re.). Jan Brück (li.) wurde zum Schriftführer und Oliver Stolzenberg zum Schatzmeister gewählt. 

Plettenberg - Manche Dinge fangen ganz klein an und werden dann riesig groß. Davon zeugen in Silicon Valley noch heute Garagen, in denen die Firma HP oder Apple ihre Gründung feierten. Wesentlich schöner war die Lokalität im Haus Heidrich, wo am Mittwoch der Verein „One bag...for the ocean“ gegründet wurde, der dem Plastikmüll in den Meeren den Kampf ansagen will.

Der Plettenberger Dirk Kieslich verglich den Tag der Vereinsgründung mit dem Start des World Wildlife Found (WWF). „Die haben 1961 auch nur mit einer handvoll Leuten begonnen. Heute haben sie fünf Millionen Fördermitglieder, 6 200 Angestellte und investierten bislang über 660 Millionen Euro für Umweltschutzprojekte. Da will ich auch hin“, sagte Kieslich relativ unbescheiden, fügte aber hinzu: „Man muss Visionen haben, wenn man Großes erreichen möchte.“ 

Dazu passte auch seine Anfrage bei einem Hersteller von biologisch abbaubaren Kunststofftüten. „Ich habe mal den Preis für 20 Millionen Tüten angefragt“, sagte Kieslich. Statt der 60 Cent, die im Handel für solche Tüten aufgerufen würden, käme man bei solchen Mengen auf einen Stückpreis von unter einem Cent. „Wir müssen nach der Vereinsregistrierung schauen, dass wir an Fördermittel kommen und mit unserem Slogan Aufmerksamkeit erregen“, wünschte sich Kieslich. 

Das Vereinsziel sei es, das Umweltbewusstsein zu stärken und die Wissenschaft in Bezug auf den Umweltschutz zu fördern. Zwar hatte sich Dirk Kieslich als Initiator des Vereins am Mittwoch mehr Interessenten gewünscht, doch die neun Anwesenden reichten zur Gründung des Vereins aus. Zum Vorsitzenden wurde dabei folgerichtig Dirk Kieslich gewählt. Zum 2. Vorsitzenden wählte die Versammlung Hagen Tschorn. 

Jan Brück übernahm das Amt des Schriftführers und Oliver Stolzenberg wurde zum Schatzmeister gewählt. Auch auf den Mitgliedsbeitrag legt man sich bei der Gründungsversammlung fest. Dieser soll bei einem Euro monatlich, also zwölf Euro im Jahr liegen. 

Da man als gemeinnütziger Verein registriert werden möchte, können Spenden abgesetzt werden. Entstanden ist die Idee zur Vereinsgründung bei einem Menorca-Urlaub. An der Südküste urlaubte Dirk Kieslich mit seiner Familie und sah sich dort am Strand mit großen Mengen an Plastikmüll konfrontiert. Ein Sammelbehältnis fehlte der Urlauberfamilie, als sie etwas von dem Müll einsammeln wollte. 

„Daraus entstand dann die Idee ‘One bag... for the ocean’“, sagte Kieslich. „Wenn nur ein Bruchteil der 7,3 Milliarden Menschen Müll sammelten, würde es an den Stränden nicht so trostlos aussehen. Und wenn durch die Aktion nur eine Tonne Plastikmüll nicht wieder im Meer landet, wäre es auch schon ein Erfolg“, fand der Vorsitzende. Hergestellt werden soll die Tüte des Vereins aus einem biologisch voll abbaubaren Kunststoffmaterial. 

„Eine solche Tüte zersetzt sich innerhalb weniger Wochen vollständig und ist auch nicht erdölbasiert“, sagt Kieslich, der selbst in der Kunststoffindustrie arbeitet. Auf Anregung der Gründungsmitglieder soll der Fokus des Vereins aber nicht allein auf die Ozeane gelegt werden: „Es wäre doch auch schön, wenn der Verein bei der Plettenberger Müllsammelaktion mitmachen würde.“ 

Und da auch die Bereitschaft der Tourismuskonzerne angezweifelt wurde, die Verteilung der Tüten (englisch „bag“) an Urlauber zu unterstützen, soll auch der Slogan „One bag... for the world“ geschützt werden. Damit könnte die Umweltidee dann überall umgesetzt werden. An vermüllten Landstraßen, an Rastplätzen oder auch – aber nicht nur – am Urlaubsstrand.

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