Von Winterschlaf keine Spur: Im Pumpspeicherwerk in Rönkhausen wird trotz einer Revision auch während der Feiertage gearbeitet.

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Das Oberbecken des Pumpspeicherwerkes ist derzeit leer, da in diesem Jahr eine Revision der Anlage ansteht, wie der Betriebsleiter Jörg Klages aus Plettenberg erklärt. Trotzdem wird gearbeitet.

Der Tannenbaum ist hell erleuchtet, überall sind Lichterketten eingeschaltet. Kein Zweifel, in der Weihnachtszeit wird viel Strom benötigt. Damit der Energiefluss gewährleistet ist, braucht es nicht nur Kraftwerke, sondern auch Speicher wie das Pumpspeicherwerk in Rönkhausen. Auch hier muss an den Feiertagen jemand arbeiten – aber in diesem Jahr ist alles etwas anders.

In einem Rhythmus von zwölf Jahren wird das Pumpspeicherwerk in Rönkhausen generalüberholt und genau das ist in diesem Jahr der Fall. Alle Maschinenteile werden dazu ausgebaut und auf Herz und Nieren überprüft. Das Pumpspeicherwerk liegt damit nun sozusagen im Winterschlaf – könnte man meinen. Und trotzdem wird Josef Schlotmann am heutigen Heiligabend früh aus dem Schlaf geklingelt.

Um 6.30 Uhr muss der Altenaffelner sowohl heute, als auch morgen und übermorgen seinen Dienst beginnen – trotz der Feiertage und der Revision. Denn die Anlage muss dauerhaft überwacht werden. So will es das Gesetz.

Schritt eins, wenn Josef Schlotmann in Rönkhausen eintrifft: Er muss sich anmelden. Er ruft dazu die Kollegen in der Wirbelschichtfeuerungsanlage in Werdohl-Elverlingsen an, die ebenso wie das Pumpspeicherwerk Rönkhausen vom Stromversorger Enervie betrieben wird. Die Werdohler Kollegen, von denen an 24 Stunden in der Woche immer jemand anwesend sein muss, überwachen Rönkhausen vom Bildschirm aus – so lange, bis am Morgen dort die Schicht beginnt.

Da Josef Schlotmann an diesen Tagen alleine arbeitet, hat er einen Sensor am Körper befestigt. Wenn er sich 15 Minuten lang nicht bewegt und auch nicht auf den Sensor reagiert, schlägt dieser Alarm und verständigt die Kreisleitstelle der Feuerwehr. Falls etwas passiert sein sollte, erkennen Infrarotduschen im Gebäude, wo der Betreffende liegt; über Pläne kann er dann von der Feuerwehr gefunden werden.

Viel ist zu tun während einer Schicht im Pumpspeicherwerk, sowohl an „normalen“ Tagen, als auch jetzt während der Revision. Josef Schlotmann muss alle technischen Anlagenteile überprüfen. Stimmen die Ölstände und die Lagertemperaturen? Funktionieren die elektrischen Schaltanlagen? Hat es in den letzten Stunden unvorhergesehene Veränderungen gegeben? 

Ist alles in Ordnung, fährt der Mitarbeiter aus Altenaffeln die Laufwasserkraftwerke in Siesel, in Bockeloh und Wilhelmsthal (Werdohl) ab, die ebenfalls zur Abteilung Wasserkraft bei Enervie zählen. Diese erzeugen aus dem fließenden Wasser durchgängig Strom, der direkt ins Stromnetz eingespeist wird. „In den Laufwasserwerken sind alte Maschinen von etwa 1920. Die sind sehr pflegebedürftig und müssen täglich kontrolliert werden“, erklärt der Plettenberger Jörg Klages, Betriebsleiter Wasserkraft im Pumpspeicherwerk Rönkhausen.

Das Ober- und Unterbecken, in dem das Wasser für die Stromregulierung normalerweise rauf und runter gepumpt wird (siehe nebenstehender Text), nimmt Josef Schlotmann auf seiner Tour ebenfalls in Augenschein. Auch das ist gesetzlich vorgeschrieben. Im schlimmsten Fall besteht die Gefahr, dass es zu einem Dammbruch kommen kann. Um es nicht dazu kommen zu lassen, werden die Becken nicht nur messtechnisch überwacht, sondern auch äußerlich, ob sich ein Riss gebildet hat oder es an einer Stelle tropft. Während für das Unterbecken nur eine Staumauer errichtet werden musste, wurde das (zurzeit leere) Oberbecken auf dem Berg in der Form eines Trichters komplett künstlich angelegt. 

Um 14.30 Uhr ist Feierabend. Wie jeden Tag übergibt Josef Schlotmann dann die Anlage in Rönkhausen zur Überwachung an die Kollegen in Elverlingsen. Dort wird übrigens durch technische Klärschlammverwertung Strom erzeugt – und zwar rund um die Uhr, deshalb muss dort immer jemand zur Überwachung vor Ort sein. 

Feierabend heißt für Josef Schlotmann aber nicht zu hundert Prozent Dienstschluss. Es gibt eine Rufbereitschaft. Sollte es also zu Störungen kommen, müssen Schlotmann und Co. noch mal ausrücken – auch an Weihnachten. Wäre jetzt nicht gerade Revision, könne es zum Beispiel passieren, dass sich die Anlage aus dem laufenden Betrieb abschaltet, weil ein Bauteil oder ein Aggregat, zum Beispiel eine Ölpumpe, ausfällt. „Zu 90 Prozent sind die Störungen elektrischer Art. Aus Sicherheitsgründen geht die Anlage dann in den Ausbetrieb“, erklärt Jörg Klages – auch dann muss jemand kommen, um die Störung zu beheben. Als diensthabender Mitarbeiter ist Josef Schlotmann in der Weihnachtswoche zwar der erste Ansprechpartner, doch gibt es für den Notfall auch einen Rufbereitschaftsplan im Unternehmen von Enervie für größere Probleme. 

Die Chancen stehen gut, dass heute und in den nächsten Tagen alles ruhig bleibt, sodass Josef Schlotmann das Weihnachtsfest nicht im Kraftwerk, sondern vor einem hell erleuchteten Weihnachtsbaum verbringen kann. Für den Altenaffelner wird es übrigens der letzte Weihnachtsdienst sein, bevor er die passive Altersteilzeit antritt. In Rönkhausen wird die Arbeit weitergehen, für die Mitarbeiter vor Ort und die Kollegen in Werdohl. Denn, so formuliert es Betriebsleiter Klages: „Das Kraftwerk schläft nie.“

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