Die Hamsterkäufe bleiben in Plettenberg am Wochenende überwiegend aus

Einkaufen in Corona-Zeiten: Mehl, Seife und Toilettenpapier gefragt wie selten

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Toilettenpapier, Mehl und Seife - darauf hatten es die Plettenberger am Wochenende vor allem abgesehen. Überall galt: Abstand wahren! (oben rechts klicken zum Vergrößern)

Als ich am Samstagmorgen zum Rewe einbiege, bietet sich mir ein bekanntes Bild: Der Parkplatz ist voll. Genau wie ich waren viele gekommen, um Einkäufe fürs Wochenende zu erledigen. Ein normales Verhalten an einem normalen Samstag. Aber die Zeiten sind alles andere als normal.

Und so drängt sich mir die Frage auf: Ist es jetzt schlecht, dass die Leute an Gewohnheiten festhalten oder gut, dass sie den außergewöhnlichen Zeiten ein wenig Normalität abringen?

Während auf dem Parkplatz alles beim Alten geblieben zu sein scheint, bietet sich mir im Supermarkt ein anderes Bild. Dort hängen Zettel aus, auf denen ich gebeten werde, Abstand zu wahren und solche, die mich informieren, dass mir maximal fünf Stück eines bestimmten Artikels – mit Ausnahme von Klopapier, dort liegt die maximale Abgabemenge bei zwei – verkauft werden würden.

Leere Kühlregale

Die offensichtliche Notwendigkeit dieser Beschränkung wird mir schnell klar, als ich die vielen leer gefegten Regale sehe. Nudeln, H-Milch, Konservendosen: Fehlanzeige. Nun sind das zumindest Lebensmittel, die sich sehr lange halten und auch ich habe immer einen ordentlichen Nudelvorrat zuhause.

Was mich überrascht, sind die leeren Regale der Kühltheken. Sowohl Joghurt als auch Käse- oder Wurstaufstrich: Nur noch einige wenige Reste liegen einsam in den Regalfächern. Ob das wirklich alles gegessen wird? Oder irgendwann in die Tonne wandert, weil es zu lange offen war und schlecht geworden ist?

Ich setze meinen Weg durch den Laden fort, da sehe ich sie: groß, weiß, verführerisch – eine Palette Mehl. Eines der Produkte, die zurzeit weggehen wie die sprichwörtlichen, warmen Semmeln. Allein der Anblick löst bei mir einen mehrminütigen inneren Dialog aus. 

„Vielleicht sollte ich etwas Mehl mitnehmen.“ – „Mehl steht nicht auf dem Einkaufszettel.“ – „Aber wo es das doch gerade gibt.“ „Ich brauche kein Mehl.“ – „Aber ich könnte welches brauchen.“ – „Wofür?“ – „Wenn ich zum Beispiel einen Kuchen backen möchte.“ „Es ist nicht nötig, jetzt einen Kuchen zu backen.“ – „Aber wenn ich plötzlich Lust auf Kuchen habe?“ – „Es ist Fastenzeit.“ – „Ich faste nicht.“ – „Ich glaube, ich habe ohnehin noch ein Paket Mehl zuhause. Aber das wäre im Falle eines Kuchenbackens dann aber weg. Dann hätte ich kein Mehl mehr.“

Mein rationales Ich

Ein bisschen dämlich komme ich mir schon vor. Als würde ich mit einer Kleinkindversion meiner Selbst an der Kasse stehen. Das Wort „Quengelware“ kommt mir in den Sinn und ein Phänomen, das es in der DDR gegeben hat: Wo eine Schlange ist, da stellt man sich an, mitunter ohne zu wissen, was eigentlich verkauft wird.

Letztendlich hat sich mein rationales Ich durchgesetzt: Ich habe kein Mehl gekauft, was mich tatsächlich sogar ein bisschen stolz gemacht hat. Zugegeben: Hätte es Klopapier gegeben, hätte ich bestimmt prophylaktisch ein Paket mitgenommen. Aber Klopapier gibt es nicht, nur ein Pappschild auf dem es heißt, dass es voraussichtlich am nächsten Tag wieder da sein wird und man einfach mal beim Nachbarn fragen solle.

Werfe ich einen Blick in die Wagen der anderen Einkäufer, scheinen auch sie ein durchaus normales Kaufverhalten an den Tag zu legen. Gewöhnliche Waren, durchschnittliche Mengen – der typische Samstagmorgeneinkauf eben. Selbst als ich eine ganze Weile neben der Mehlpalette stand und mit mir selbst rang, war es nicht so, dass sich die Neuigkeit des frischen Mehls wie ein Lauffeuer im Laden verbreitet hat und der Warenberg zusehends kleiner und kleiner wurde. Ob das an der vorgegebenen Reglementierung liegt? Ich weiß es nicht.

Später an der Kasse sehe ich zwei Pakete Mehl stehen. Hat jemand sieben statt der maximalen fünf Pakete kaufen wollen, sodass die Kassiererin zwei hatte behalten müssen? Wahrscheinlich, denn beschädigt sehen die Pakete nicht aus.

Abstand wahren

Um Abstände zu wahren, sind direkt an der Kasse drei Markierungen auf den Boden geklebt. Und auch im weiteren Schlangenverlauf halten die Käufer einen gewissen Abstand zueinander. Löblich, keine Frage, aber im ersten Moment auch etwas unübersichtlich. Der Anblick der Kassiererin hinter Glas ist schon eigenartig, aber meiner Meinung nach nicht zu Ende gedacht, denn um zu bezahlen, muss ich mich halb hinter das Glas beugen.

Zwei Posten sind auf meinem Einkaufszettel noch übrig, also beschließe ich, die Straßenseite zu wechseln und mein Glück im Lidl zu probieren. Dort bietet sich mir ein ähnliches Bild: das gleiche typische Samstagmorgeneinkaufszenario wie zuvor, mit den gleichen Sicherheitsvorkehrungen im Kassenbereich. Interessanterweise gibt es hier noch zum Teil reichlich der Waren, die woanders bereits ausverkauft waren, Seife suche ich hingegen auch hier vergebens, genauso wie im Aldi und bei Hit.

Zuhause bastel ich mir ein Fazit: Die meisten Leute scheinen sich an Abstands- und Abgaberegelungen zu halten. Manches wirkt ein wenig befremdlich, wie die Scheiben bei den Kassen oder auch die Latexhandschule der Kassiererinnen, doch sind beide Maßnahmen sicher sinnvoll.

Was ist mit den Wagengriffen?

Spannend finde ich, dass sich niemand über den Griff des Einkaufwagens Gedanken zu machen scheint – einem möglichen Tummelplatz von Viren. Zuhause gründlich Hände waschen, gut ist.

Einkaufen ist zurzeit mit einigen, verhältnismäßig wenigen und leicht hinnehmbaren Einschränkungen verbunden, doch wenn man die in Kauf nimmt, bewahrt man sich zugleich ein bisschen Normalität.

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